Volker Rieble, 51, hat einen Lehrstuhl für Arbeitsrecht und Bürgerliches Recht an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Schavan hat keine Chance mehr

Plagiats-Experte: "Das ist einfach gaga"

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München - Der Fall Annette Schavan ist laut Plagiats-Experte Volker Rieble eindeutig. Im Interview erklärt er, warum die verzweifelten Versuche der Bildungsministerin, den Schaden zu begrenzen, chancenlos sind.

Volker Rieble, 51, hat einen Lehrstuhl für Arbeitsrecht und Bürgerliches Recht an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Experte für Plagiate. Im Interview spricht er über die Chancen von Annette Schavan nach der Aberkennung ihres Doktortitels .

Haben Sie erwartet, dass Schavans Titel fällt?

Ja. Der Fall war eindeutig.

Aber Frau Schavan ist doch völlig uneinsichtig?

Das sind alle Plagiatoren, selbst der Guttenberg. Das ist aber in etwa so, als wenn ein Verkehrsminister mit 2,3 Promille am Steuer erwischt wird und hinterher behauptet, er habe nichts getrunken. Das ist einfach gaga.

Schavan hat "keine Chance", es ist "aussichtslos"

Bernd Althusmann, noch Kultusminister in Niedersachsen, behielt in einem recht ähnlichen Fall 2011 seinen Titel. Warum?

Die Uni Potsdam hat sich mit dem Durchwinken seines Falles keinen Gefallen getan. Man konnte da sehr schön sehen: Nach der Niedersachsenwahl ist der Althusmann weg, das ganze Kriechen hat nichts gebracht – und die Uni Potsdam hat den Kollateralschaden für die nächsten 30 Jahre.

Den hat die Universität Düsseldorf abgewendet.

Man hat klar erkannt: Wenn wir uns für Schavan entscheiden, dann binden wir uns für die nächsten 50 Jahre. Das heißt: Alle weiteren Plagiate dieser Schadensklasse hätten sie dann auch durchwinken müssen.

Frau Schavan klagt nun. Wie stehen ihre Chancen?

Aussichtslos. Die Verwaltungsgerichte haben solche Fälle noch nie zugunsten des Prüflings entschieden. Keine Chance.

Und die formalen Fehler, die es angeblich gab?

Das Verfahren war völlig in Ordnung.

Aber es sickerten anfangs geheime Details durch?

Das hat man inzwischen auch in jedem Strafverfahren, dass Teile aus Untersuchungsakten nach draußen kommen. Wenn Sie dann jedes Mal sagen würden, Sie könnten kein Verfahren mehr durchführen, dann könnten wir jeden freilassen – jeden Vergewaltiger, jeden Wirtschaftskriminellen. Man könnte so die Rechtsfindung sabotieren.

Alles vorgeschoben also?

Na klar.

Ist die Aberkennung ein Erfolg für den Bildungsstandort Deutschland?

Ich sehe das erst mal als Erfolg für die wissenschaftliche Redlichkeit. Der Bildungsstandort braucht mehr als wissenschaftliche Redlichkeit. Das ist zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung.

Interview: Robert Arsenschek

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