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Unangenehme Fragen: Andreas Scheuer (l.) und sein Dienstvorgesetzter vergangene Woche in Wildbad Kreuth.

Als CSU-Generalsekretär haltbar

Scheuer: „Titel am Rande der Rechtmäßigkeit“

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München - Es gibt weiter Ärger über Scheuers „Doktor“-Arbeit aus Prag - bisher aber keine Belege für ein flächendeckendes Plagiat. Darum - und weil er den Titel aufgegeben hat - sei er zu halten, heißt es.

Die universitäre Karriere des Studenten Andreas Scheuer schien enden wollend. Die mündliche Lehramtsprüfung in Sozialkunde verlief, so fasst es sein Prüfer heute ohne Übertreibung zusammen, „ordentlich“. Die Magisterarbeit erhielt laut der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ trotz massiver Bedenken eines der Gutachter ein „befriedigend“, keine Promotionsnote. An der Uni Passau war man sich einig: Nun ist es genug. „Er gehörte nicht zu denen, die sich uns dazu aufgedrängt hätten, dass wir sie zu höheren akademischen Weihen führen“, sagt einer seiner Professoren – der CSU-Experte Heinrich Oberreuter.

Wär’s dabei geblieben, hätte Scheuer heute ein dickes Problem weniger. Jetzt aber steht der neue CSU-Generalsekretär bundesweit in der Kritik, weil er in Prag eine Promotion draufsetzte, die als nicht vollwertiger Doktor-Titel gilt und einen schlechten Umgang mit Quellen offenbart. „Titel, die am Rande der Rechtmäßigkeit liegen“, nennt das der Juraprofessor Wolfgang Löwer, Ombudsmann für die „gute wissenschaftliche Praxis“. In Passau erzählt man sich, wie entsetzt die Professoren waren, als sie von Scheuers akademischen Weihen 2004 erfuhren.

Für den 39-Jährigen sind solche Geschichten peinlich, denn ihr Tenor lautet: Da schmückte sich ein Eitler mit einem billig erworbenen Titel. Einer, der Arbeiten über die CSU verfasst, aber Franz Josef Strauß mit Bindestrich (ab-) schrieb. Hinter vorgehaltener Hand sehen in der Partei mehrere Funktionsträger ihr Urteil über Scheuer bestätigt. Das Wort „Blender“ fällt. Nach dem Wochenende zeichnet sich aber ab, dass der entdokterte General die Schmach im Amt überstehen dürfte.

Die Frage nach der geringen Wertigkeit des Titels aus Prag ist ja schon gut acht Jahre alt. Man könnte sagen: mit mangelnder Quellenangabe aus anderen Medien nun in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zusammengeschrieben und als neu verkauft. Die weit gefährlicheren Plagiatsvorwürfe gegen den Politiker beschränken sich bisher auf wenige Absätze. Bis Sonntagabend wurden in einem einschlägigen Internetforum fünf der gut 270 untersuchten Seiten markiert. Sie zeigen hohe Ähnlichkeiten unter anderem mit Publikationen der Bundes- sowie der Landeszentrale für politische Bildung. Auch die Prager Universität soll eingeschaltet werden.

Wenn nicht viel dazukomme, heißt es in der CSU, sei Scheuer zu halten. „Er hat die Konsequenzen gezogen, lässt den Titel ruhen. Das reicht auch“, sagt Oberbayerns CSU-Chefin Ilse Aigner unserer Zeitung. Er solle jetzt gute Arbeit als General leisten. Heute dürfte Scheuer selbst am Rande der CSU-Vorstandssitzung in München auf die Medien und auf die Parteispitze treffen. Am Wochenende äußerte er sich nicht.

Sein schnelles Krisenmanagement wird in der CSU überwiegend gelobt. Fragen gibt es allerdings, warum er den Titel überhaupt noch führte, wo sogar Bayerns Staatsregierung 2007 entschieden hatte, fortan würden neue Prager Titel nicht mehr als „Doktor“ anerkannt. Scheuer habe wohl nicht rechtswidrig gehandelt, sagt Oberreuter. Aber: „Vernünftig wäre es gewesen, wenn er schon 2007 den Titel abgelegt hätte.“

Christian Deutschländer

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