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In Kabul unterschrieb Präsident Aschraf Ghani am Donnerstag ein Friedensabkommen. 

Rebellen sollen Kampf beenden

"Der Schlächter von Kabul" ruft zum Frieden in Afghanistan auf

Kabul - Nachdem Präsident Ghani ein Friedensabkommen unterzeichnet hat, rief nun auch der Milizenführer Hekmatjar dazu auf, die Waffen niederzulegen. Menschenrechtler vermuten jedoch reine Strategie hinter Hekmatjars Friedensappell. 

Einer der berüchtigsten Milizenführer Afghanistans, Gulbuddin Hekmatjar, hat anlässlich der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der afghanischen Regierung andere Rebellen aufgefordert, ebenfalls ihren bewaffneten Kampf zu beenden. In einem am Donnerstag in den Präsidentenpalast von Kabul übertragenen Video rief der als "Schlächter von Kabul" bekannte Milizenführer "alle regierungsfeindlichen Kräfte" auf, mit der Regierung in einen "Dialog" zu treten und ihre Ziele "mit friedlichen Mitteln weiterzuverfolgen".

Präsident Aschraf Ghani unterzeichnete das Friedensabkommen im Präsidentenpalast, während Hekmatjar das Dokument an einem unbekannten Ort unterschrieb. Der Milizenchef ist seit Jahren untergetaucht. Sein Aufenthaltsort wird in Pakistan vermutet, seine Anhänger erklären jedoch, Hekmatjar befinde sich in Afghanistan.

Ghani appellierte an die radikalislamischen Taliban, ihren Aufstand zu beenden. "Jetzt ist es an der Zeit für die Taliban, darüber nachzudenken, ob sie den Krieg fortsetzen oder Frieden wollen", sagte er nach der Unterzeichnung des Abkommens.

Hekmatjars Aufruf könnte reine Strategie sein

Hekmatjar ist Chef der nach den Taliban zweitgrößten afghanischen Miliz Hesb-i-Islami. In den 1980er Jahren kämpfte er als Mudschahedin-Führer gegen die sowjetische Besatzung und war anschließend maßgeblich am Bürgerkrieg in Afghanistan beteiligt. Als Regierungschef soll er Anfang der 90er Jahre die Bombardierung von Kabul angeordnet haben und somit für den Tod tausender Menschen verantwortlich sein.

Menschenrechtsaktivisten kritisieren, dass das Friedensabkommen Hekmatjar Schutz vor Strafverfolgung gewährt. Andere Beobachter werten den Vertrag dagegen als wichtigen Schritt hin zu einer Friedenslösung für Afghanistan. Die vom Westen unterstützte afghanische Regierung versucht seit Jahren, auch einen Frieden mit den Taliban auszuhandeln, die für die meisten Angriffe am Hindukusch verantwortlich sind.

Vertreter der Regierung und von Hekmatjars Miliz hatten das Abkommen am Donnerstag vergangener Woche nach zweijährigen Verhandlungen geschlossen. Es sieht neben der Immunität für den 67-jährigen Milizenchef die Freilassung von Hesb-i-Islami-Kämpfern vor. Im Gegenzug verpflichtete sich die Gruppe, ihren bewaffneten Aufstand zu beenden. Die Miliz war in den vergangenen Jahren ohnehin kaum noch in Erscheinung getreten.

Die afghanische Regierung hat bereits mit anderen Milizenführern Abkommen geschlossen, darunter mit Abdul Raschid Dostum, der inzwischen Vizepräsident Afghanistans ist.

AFP

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