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Worte wie Peitschenhiebe: In einem neuen Buch rechnet CSU-Kritiker Wilhelm Schlötterer nicht nur mit Strauß ab.

Neues Werk des CSU-Kritikers

Strauß-Vernichtungsbuch: Schlötterer teilt wieder aus

München – Von der Schützenpanzeraffäre bis hin zu Gustl Mollath – der CSU-Kritiker Wilhelm Schlötterer (73) schlägt sich in einem neuen Buch durch ein Dickicht von Skandalen.

HS-30-Schützenpanzeraffäre, Starfighter-Affäre, Spiegel-Affäre. Vor lauter Affären wird einem passagenweise ganz schwindelig. Über all dem aber thront: das Feindbild Strauß.

Schlötterer geht weit zurück, bis in die 1950er Jahre. Er spart nichts aus, die Geschäfte der Strauß-Spezln Argirov und Hendl-Jahn, auch neuere Merkwürdigkeiten der bayerischen Politik, der mysteriöse Tod des Augsburger Leitenden Staatsanwalts Jörg Hillinger, der gegen den früheren (inzwischen verurteilten) Rüstungsstaatssekretär Holger Pfahls ermittelte, die Affäre Schottdorf, also die Geldzuflüsse eines Labor-Konzerns an einen smarten Staatsanwalt. Vieles hat man irgendwie schon mal gehört und gelesen. Im Vergleich zu seinem viel verkauften Erstling „Macht und Missbrauch“, mit dem Schlötterer über hundert Mal auf Lesetournee war, gibt es nur begrenzt Neuigkeiten.

Persönlich ist Schlötterer, der in Pullach lebt, ein äußerst freundlicher, vornehmer und umgänglicher Mensch. Er ist Präsident der Dante-Gesellschaft, er zitiert Voltaire und Kafka. Ein Feingeist.

Allerdings: Wenn es um Strauß geht, kennt Schlötterer kein Halten mehr. Strauß kannte, so zürnt Schlötterer, keine Ehrlichkeit, keinen Respekt, keine Verantwortung, keine Disziplin und keine Achtung vor dem Recht. „Natürlich ist nicht zu leugnen, dass Strauß auch Leistungen erbracht hat“, schreibt er. „Aber wenn man in die andere Waagschale all seine Straftaten, die vielfachen Missbräuche staatlicher Mittel und andere Fehlleistungen legt, dann haben diese bei Weitem das Übergewicht.“ Dann folgen Worte wie Peitschenhiebe: Strauß, schreibt Schlötterer, „war ein Karrierist, der das Gemeinwesen ,Bundesrepublik’ als eine Weihnachtsgans betrachtete, die es auszunehmen galt.“ Man versteht jetzt, warum Franz Georg Strauß im Gespräch mit unserer Zeitung Schlötterer einmal den „Stalker unserer Familie“ nannte.

Eigene Kapitel widmet Schlötterer dem Vermögen, das Franz Josef Strauß beiseite geschafft haben könnte. Überschrift: „Das Bargeldsystem des F.J. Strauß und sein Bild von den Mitmenschen“. Er nimmt an, dass sich die Summe auf einen dreistelligen Millionenbetrag summiert – „weniger wäre eher erstaunlich“. Dass Strauß ein Vermögen anhäufte, ist unbestritten – Monika Hohlmeier selbst nannte einmal eine Summe zwischen 20 und 40 Millionen. Schlötterer nimmt ein Vielfaches davon an. Aber wie das so ist: Beweise fehlen, arg häufig schreibt Schlötterer von „Verdacht“, von „Vorwurf“.

Ein großes Kapitel widmet Schlötterer der Affäre Mollath. Der Buchautor hat sie, unbestreitbar ein Verdienst, überhaupt erst publik gemacht – Mollath hatte ihn nach Erscheinen des ersten Buchs angeschrieben. „Die an Gustl Mollath verübte Schandtat ist die abscheulichste Ausgeburt dieser Skrupellosigkeit“, schreibt er schon im Vorwort. Der Hergang der Affäre, die vielen Ungereimtheiten der Steuer- und Justizbehörden, wird in dem Buch spannend nacherzählt. Frank und frei bekennt Schlötterer, dass gegen Justizministerin Beate Merk ein Verfahren wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung einzuleiten sei. Sie habe den entlastenden Hinweis eines Zeugen unterschlagen.

Wenn alles klappt, wird Wilhelm Schlötterer zur ersten Präsentation seines neuen Buchs „Wahn und Willkür“ morgen in Bayreuth einen Überraschungsgast begrüßen können: Gustl Mollath. Ein „Antrag auf begleiteten Ausgang“, so erklärt der Verlag, sei beim Bezirksklinikum gestellt worden.

Dirk Walter

Wilhelm Schlötterer

Wahn und Willkür. Strauß und seine Erben oder wie man ein Land in die Tasche steckt, Heyne Verlag, 19,99 Euro

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