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Wahlkampf-Buttons von Donald Trump. Der Reublikaner ist der nächste US-Präsident.

Von Korrespondent Friedemann Diederichs

„Schock für die Welt“: Kommentar zu US-Präsident Donald Trump

Washington - Donald Trump ist der nächste US-Präsident. Was das bedeutet, erklärt unser US-Korrespondent Friedemann Diederichs in seinem Kommentar.

Update vom 20. Januar 2017: Jetzt ist es so weit: Donald Trump wird offiziell zum US-Präsidenten ernannt. Dazu gibt es eine pompöse Amtseinführung. Wir berichten von der Vereidigung Donald Trumps zum US-Präsidenten im Live-Ticker.

Donald Trump hat Amerika und den Rest der Welt geschockt. Mit seinem sensationellen Sieg zieht ein Demagoge für die Republikaner ins Weiße Haus, dessen politische Unerfahrenheit und teilweise radikalen Pläne nur noch von seinen charakterlichen Schwächen übertroffen werden.

Der zum Start seiner Kampagne als chancenlos eingestufte Geschäftmann hat dabei von einem unglaublich großen Potenzial an "Wutbürgern" profitiert, die für seine Thesen empfänglich waren und nach acht Jahren unter Barack Obama nicht die versprochenen Verbesserungen spüren. Sie alle zeigten der etablierten Politik in Washington durch ihren Stimmzettel nun den Mittelfinger. In den letzten Tagen hatten Millionen Menschen beispielsweise massive Beitragserhöhungen für die Pflicht-Krankenversicherung "Obamacare" erhalten. Dieser Preisschock könnte vor allem für bis dahin Unentschiedene das Zünglein an der Waage gewesen sein. Gerade für die Mittelschicht in den USA und die Arbeiterklasse, die ohnehin vom Wirtschafts-Aufschwung wenig verspürt hat, war dies ein derber Schlag in die Magengrube.

+++ Die aktuellen Informationen finden Sie im Live-Ticker zur US-Wahl 2016 +++

Donald Trump hat dieses PR-Desaster der Demokraten ebenso geschickt ausgenutzt wie den unverantwortlichen Eingriff des FBI-Direktors in den Wahlkampf. Die neuen Ermittlungen, die für Hillary Clinton keine rechtlichen Folgen haben werden, sorgten allerdings dafür, dass die existierenden Zweifel an der charakterlichen Zuverlässigkeit von Clinton verstärkt wurden. Hinzu kam, dass diese Intervention die gesamte Aufmerksamkeit von Trump auf Clinton verschob. Die gesamte Palette an kritikwürdigen Fakten mit Blick auf Trump geriet in den Hintergrund: Sein unverhohlener praktizierter Rassismus mit Blick auf Latinos. Seine diskriminierenden Pläne für den Umgang mit Moslems. Sein verachtenswerter Umgang mit Frauen. All dies wurde vor allem in den ländlichen Regionen ignoriert, die sich deutlich hinter den Republikaner stellten und mit ihrer Wahlbeteiligung den traditionellen Vorteil der Demokraten in großen Städten und in einstigen liberalen Hochburgen wie Michigan oder Wisconsin wettmachten. Clintons Niederlage ist dabei auch eine Ohrfeige für Barack Obama, der zuletzt intensiv für sie geworben hatte. Schmerzhaft auch der Verlust beider Kongress-Kammern für die Demokraten, was Trump nun maximale Handlungsfreiheit gibt.

Nun muss sich auch Deutschland mit einem politischen Seiteneinsteiger abfinden, den vor allem völlige Unberechenbarkeit auszeichnet. Das Verhältnis zur Bundesregierung dürfte zunächst mehr als gespannt sein, nachdem Trump Angela Merkel mehrfach aufgrund ihrer Flüchtlings-Willkommenspolitik scharf kritisiert hat. Militärisch sind von Trump, und das sollte die Europäer etwas beruhigen, zumindest noch keine großen Abenteuer zu erwarten. Er hat im Vorfeld der Wahl klar gemacht, dass er andere Nationen in der Verantwortung für Krisenherde sieht. Doch wie gesagt: Angesichts des Temperaments von Trump steht hinter allen Ankündigungen erst einmal ein großes Fragezeichen. Donald Trump wird nach diesem politischen Erdbeben ein Präsident sein, der in der Welt erst einmal für enorme Verunsicherung sorgen wird. Und dies ist extrem beunruhigend.

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