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Eine Pegida Kundgebung in München: Laut der Studie haben geringer Gebildete mehr Hang zur Fremdenfeindlichkeit.

Schockierende Studie der LMU

So menschenfeindlich sind die Bayern

München - Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 56 Prozent der Bayern sind Muslimen gegenüber ablehnend eingestellt. 32 Prozent sind es Flüchtlingen gegenüber, 21 Prozent bei Juden, 19 Prozent bei Schwulen und Lesben.

Hass auf Fremde, Minderheiten, anders Lebende - „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ ist nach Ansicht von Soziologen nicht mehr auf Extremisten beschränkt, sondern hat längst ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden. Organisationen und Kirchen schlagen Alarm.

„Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist auch in Bayern ein verbreitetes Problem“, sagt der Soziologe Christian Ganser von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), der die Ergebnisse der am Montag in München vorgestellten Studie herausgearbeitet hat. „Insbesondere Menschen muslimischen Glaubens, Langzeitarbeitslose, Sinti und Roma und Geflüchtete werden abgewertet.“

Bundesweit gibt es ähnliche Beobachtungen

Es ist die erste Studie dieser Art für ganz Bayern, doch auch bundesweit gibt es ähnliche Beobachtungen, sagt Ralf Melzer, der für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung an der alle zwei Jahre erscheinenden „Mitte“-Studie zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland arbeitet. Die neueste soll im November veröffentlicht werden. Zahlen will er noch nicht verraten, nur soviel: Eine Sonderstellung habe Bayern bei dem Thema nicht. „Man kann das mit bundesweiten Befunden vergleichen.“

Was Soziologen, Verbänden und Kirchen besonders Sorgen bereitet: Inzwischen sind diese Einstellungen keine Erscheinung am rechten Rand der Gesellschaft mehr. „Es ist ein Phänomen der Mitte“, sagt Ganser. „Ein solches Phänomen kann uns nicht kalt lassen“, betont Matthias Jena, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bayern.

Mit dem bisherigen, klassischen Rechtsextremismus-Begriff sei die Entwicklung nicht ausreichend zu fassen, meint Miriam Heigl von der Fachstelle für Demokratie der Stadt München. Der enge Begriff des Rechtsextremismus passe oft nicht - das sehe man in der jüngsten Debatte um die sogenannte „Reichsbürger“-Bewegung.

Nur 11 Prozent haben keine Vorbehalte gegenüber Muslimen

34 Prozent der insgesamt 1731 über 18-jährigen, deutschsprachigen, repräsentativ Befragten bescheinigt die neue Studie noch eine „schwache gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ in Bezug auf Muslime. Das bedeutet: Nur 11 Prozent der Befragten haben keinerlei Vorbehalte gegenüber Menschen dieses Glaubens.

Um klar zu machen, welche Einstellung hinter diesen Zahlen steckt: Die Wissenschaftler hatten für die Befragung drei Behauptungen aufgestellt: „Die muslimische Kultur passt gut nach Deutschland“, „Die Sitten und Bräuche des Islam sind mir nicht geheuer“ oder „Es gibt zu viele Muslime in Deutschland“. Darauf sollten die Befragen in fünf verschiedenen Abstufungen der Zustimmung oder Ablehnung reagieren.

In Bezug auf Flüchtlingen lauteten die Behauptungen unter anderem: „Flüchtlinge, die hier leben, bedrohen meine persönliche Lebensweise“, „Flüchtlinge nehmen den Deutschen die Wohnungen weg“ oder „Der deutsche Staat kümmert sich mehr um Flüchtlinge als um hilfsbedürftige Deutsche.“

Martin Schneider vom Diözesanrat der katholischen Erzdiözese München und Freising sieht die „Abwertung von Menschen anderen Glaubens“ als großes Problem vor allem innerhalb der katholischen Kirche. „Hier besteht besonderer Handlungsbedarf“.

Geschlecht und Bildung spielten eine Rolle

Laut Studie sind Männer insgesamt anfälliger für feindliche Einstellungen als Frauen; außerdem spiele der Bildungsgrad eine wichtige Rolle. Auch zwischen den Regionen gibt es Unterschiede: Die „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ falle in München etwas weniger ausgeprägt aus als im Rest Bayerns. „Eine starke Identifikation mit Deutschland und ein geringes Vertrauen in politische Institutionen gehen mit höherer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit einher“, sagt Soziologe Ganser.

Heigl betont darum: „Wir müssen Vertrauen in die Institutionen zurückgewinnen.“ Und der Präsident des Bayerischen Jugendrings, Matthias Fack, der schildert, dass viele jugendliche Migranten inzwischen von Ressentiments und Vorurteilen berichten, fordert: „Haltung zeigen.“

dpa

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