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Strack-Zimmermann geht Scholz scharf an: Aussagen im ZDF-Interview klingen fast nach Rücktrittsforderung

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Von: Astrid Theil

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Marie-Agnes Strack-Zimmermann im Bundestag. (Archivfoto) © Christoph Hardt / IMAGO

Für sein zögerliches Handeln im Zusammenhang der Waffenlieferungen an die Ukraine wird Bundeskanzler Olaf Scholz nun auch scharf von den Koalitionspartnern kritisiert.

Berlin - Bundeskanzler Olaf Scholz erntet für seine Politik im Zusammenhang des Ukraine-Kriegs aktuell viel Kritik aus der Opposition. Nun kritisieren auch Politiker der Koalition zunehmend den Kanzler. In vorab veröffentlichten Ausschnitten aus einem „Berlin direkt“-Interview des ZDF beanstandet die FDP-Spitzenpolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann die Politik von Scholz. Dabei trifft sie einige Aussagen, die sich wie Rücktrittforderungen anhören: „Wir haben zu führen. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch. Und für die, die diese Rolle nicht annehmen wollen, sage ich, dann sitzen Sie möglicherweise im falschen Moment am falschen Platz.“

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses hat diese Aussagen im Interview zwar nicht direkt an Scholz adressiert, allerdings kann nur der Kanzler gemeint sein. Das ZDF selbst berichtete, dass Strack-Zimmermann in dem Interview massive Kritik an Olaf Scholz übt. Man müsse das Kanzleramt nach wie vor treiben, obwohl keine Zeit mehr bestehe. Das Handeln von Scholz sei durch „Mutlosigkeit“ bestimmt. „Ich glaube, dass man im Kanzleramt dachte, das wird schon nicht so schlimm. Die anderen machen, wir gehen ein bisschen in Deckung und dann läuft es schon.“

Auf Twitter ordnete sie ihr Zitat aber noch einmal ein. Auf einen Post von „ZDF heute“ unter anderem mit der Aussage „FDP-Politikerin Strack-Zimmermann fordert im ZDF-Interview indirekt Scholz‘ Rücktritt“ schrieb sie: „Dieser Spin ist Unsinn. Die Ampel ist richtige Regierung zum richtigen Zeitpunkt - nicht nur angesichts mangelhafter Alternativen.“

Ukraine-Politik: Strack-Zimmermann überhäuft Scholz mit Kritik

Strack-Zimmermann machte darüber hinaus im Interview darauf aufmerksam, dass die Debatte um das zögerliche Handeln hinsichtlich der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine, überschatten würde, was Deutschland bisher an Unterstützung geleistet habe. So sagt Strack-Zimmermann im ZDF-Interview: „Wir haben, um im Bild zu bleiben, derartige Ladehemmungen, dass im Ausland auch das, was wir geliefert haben, nicht goutiert wird.“

Seit Tagen übt Strack-Zimmermann Druck auf das Kanzleramt aus. Vor drei Tagen schrieb sie auf Twitter, dass sie sich nicht als Widersacherin sehe: „Ich schätze Olaf Scholz persönlich, ich suche intern die Gespräche.“ Allerdings verlange sie „klare Kante“ von der Führung. Sie könne nicht verstehen, wieso „so unklar kommuniziert und gehandelt wird“. In Bezug auf die Ukraine dürfe besonders aktuell keine Zeit verloren werden. Die Aussagen, die sie in dem „Berlin direkt“-Interview traf, verstärken diese Kritik nun um ein Vielfaches.

Scholz in Auseinandersetzung mit seiner Koalition: „Kriegstourismus“

Die Auseinandersetzung zwischen Strack-Zimmermann und Scholz besteht schon länger. Strack-Zimmermann war gemeinsam mit dem Parlamentskollegen Anton Hofreiter (Grüne) und Michael Roth (SPD) in die Ukraine gefahren. Darüber hatte sich Olaf Scholz ausgelassen: Geradezu abfällig hatte er sie als „Jungs und Mädels“ angesprochen, die sich Mitte April in Lemberg mit Abgeordneten des ukrainischen Parlaments getroffen hatte. Verschiedene Medien haben berichtet, dass diese Reise im Kanzleramt als „Kriegstourismus“ bezeichnet worden sei. (at)

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