Olaf Scholz mit Mikrofon
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Olaf Scholz glaubt fest daran, Bundeskanzler zu werden.

„Ich kann mich nicht beschweren“

Selbstbewusster Scholz schielt auf das Kanzleramt: Für seinen Plan muss er gar nicht Erster werden

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Während Laschet und Baerbock in der Wählergunst absinken, kann sich Scholz aktuell freuen. Das zeigt der SPD-Mann auch offensiv. Er versprüht viel Optimismus.

Berlin - Für Olaf Scholz gibt es derzeit einige gute Nachrichten. Besonders die Umfragen sehen gut für ihn aus. Auch seine Partei kann sich so langsam berappeln. Im aktuellen ZDF-„Politbarometer“ landet die SPD sogar mit den Grünen gemeinsam auf Platz zwei. Beide bekommen bei dieser Momentaufnahme 19 Prozent der Stimmen. Auch wenn sich da noch viel ändern kann bis zur Bundestagswahl Ende September - wohl bemerkt in beide Richtungen -, scheint SPD-Kanzlerkandidat Scholz jetzt schon einmal glücklich.

Olaf Scholz vor der Bundestagswahl: „Wir spüren ein Momentum“

„Viele Bürgerinnen und Bürger können sich offenbar vorstellen, dass ich die nächste Regierung führe“, sagt er in einem Interview mit dem Spiegel. „Dieses Vertrauen berührt mich sehr, das gebe ich gerne zu. Wer Scholz will, wählt SPD. Wir spüren ein Momentum, und da geht noch mehr.“ Doch stärkste Kraft ist die SPD bisher noch nicht. Auf dem vordersten Rang kann sich derzeit noch die Union halten - doch die CSU ist, was den Wahlkampf angeht, zurzeit eher missgelaunt.

„Sechs Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl und ein paar Prozente mehr, und es reicht. So wie es für die Sozialdemokraten in Dänemark, Schweden und Finnland gereicht hat. Es ist durchaus realistisch, dass die SPD die Wahl gewinnt“, sagt Scholz voller Optimismus. „Insgesamt kann ich mich nicht beschweren, was Umfragewerte angeht.“ (Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie im Endspurt Richtung Bundestagswahl stets auf dem Laufenden.)

SPD-Kanzlerkandidat Scholz gibt sich siegessicher - „Selbst auf Platz zwei kann man Kanzler werden“

An riesige Stimmzahlen des Gewinners glaubt er eh nicht: „Bei dieser Wahl wird selbst die erfolgreichste Partei wohl nur etwas mehr als 20 Prozent erringen. Ich glaube, dass wir diese Partei sein könnten.“ Aktuell ist es zwar noch nicht so weit, aber das lässt Scholz nicht minder siegessicher erklingen: „Selbst auf Platz zwei kann man Kanzler werden. Das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik schon häufiger gegeben.“ Traditionell geht der Auftrag für eine Regierungsbildung nach der Wahl zuerst an die stärkste Partei. Die lädt dann zu Sondierungsgesprächen. Das hält jedoch andere Parteien nicht unbedingt davon ab, selbst ihre Chancen auszuloten.

Olaf Scholz könnte beispielsweise, wenn seine Partei vor den Grünen liegt, versuchen, eine sogenannte Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP zu bilden. Die Liberalen scheinen laut aktuellen Umfragen sowieso immer wieder in der Position des Kanzlermachers. FDP-Chef Christian Lindner hat bereits mehrfach betont, dass er gern Scholz in seinem Ministerium beerben würde - also in der nächsten Legislaturperiode Finanzminister werden möchte. Mit solchen Spekulationen kann Scholz aber wenig anfangen: „Offenbar ist es Mode geworden, im Tagesrhythmus neue Ministerien zu erfinden, statt zu sagen, worum es inhaltlich eigentlich gehen soll. Und dann gibt es auch schon die Ersten, die sagen, welche Jobs sie dann haben wollen“, sagte er gegenüber dem Spiegel weiter.

Bundestagswahlkampf dreht sich mehr um persönliche Fehltritte statt um Inhalte

Was die derzeitige Wahlkampf-Führung angeht: Scholz findet da „manches ein wenig übertrieben, was da öffentlich diskutiert wurde“. Am Ende helfe aber kein Lamentieren: „Wer die nächste Bundesregierung führen und die Verantwortung für das größte Land der Europäischen Union übernehmen will, wird auf Herz und Nieren geprüft, ob er oder sie das Zeug dazu hat.“

Und die drei Kanzlerkandidaten mussten in diesen Wahlkampf-Wochen wie gewöhnlich einige Berichte über sich ergehen lassen. Baerbock patzte kürzlich wieder mit einem Tweet zum Mauerbau, Elon Musk lachte über einen Laschet-Kommentar vor laufenden Kameras, Scholz und die SPD mussten einen Wahlkampf-Spot zurücknehmen. (cibo)

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