Armin Laschet (CDU, v.l.n.r.), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD), Kanzlerkandidaten ihrer Parteien bei der kommenden Bundestagswahl, nehmen an einer Diskussion teil.
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Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz lösen nicht ganz so viel Begeisterung bei den Wahlberechtigten aus.

Scholz kann sich über Zuwachs freuen

Neue Umfrage: SPD springt auf Augenhöhe mit Baerbocks Grünen - und Laschets Werte im Sinkflug

Die Bundestagswahl steht vor der Tür und der Wahlkampf nimmt Fahrt auf. In einer neuen Umfrage legen Olaf Scholz und die SPD deutlich zu.

Berlin – Vor einigen Wochen gab es noch Spott für die Kanzlerambitionen des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, jetzt scheinen die Umfragewerte für ihn zu sprechen. Laut dem aktuellen ZDF-„Politbarometer“ hat Olaf Scholz mit seinem Wahlkampf aktuell die Nase vorn – im Vergleich zu der Umfrage vor zwei Wochen hat er deutlich zugelegt. 59 Prozent der Befragten trauen ihm demzufolge das Amt des Bundeskanzlers zu, ergab die am Freitag (13. August) veröffentlichte Umfrage. Für ihn bedeutet das ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten – und für seine Konkurrenz: Zeit für Handlungsbedarf, wenn sie sich vor einem weiteren Abstieg bewahren will.

Der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und seine Konkurrentin, Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, befinden sich auf dem absteigenden Ast. Nur 28 Prozent der Befragten halten den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten demnach aktuell für einen geeigneten Kandidaten – ein Minus von sieben Prozentpunkten –, die Grünen-Kandidatin findet auf die Frage, ob sie als Kanzlerin geeignet sei, sogar nur bei 23 Prozent der Befragten Anklang – und liegt damit abgeschlagen auf Platz Drei.

Scholz contra Laschet contra Baerbock - ein Kanzlerkandidat ist aktuell klarer Favorit

Auch bei der K-Frage hat Scholz seinen Vorsprung weiter ausgebaut. Wenn die Bevölkerung ihren Kanzlerkandidaten direkt ins Amt wählen könnte, würden 44 Prozent der Befragten für den SPD-Mann als Kanzler stimmen – 10 Prozentpunkte Zuwachs! Platz zwei besetzt Laschet, der nur 21 Prozent der Befragten überzeugen kann (-8). Auch Baerbocks Zustimmung hat abgenommen (-4): Nur 16 Prozent wollen die Grünen-Politikerin als Kanzlerin. Zwar kann der Kanzler oder die Kanzlerin in Deutschland nicht direkt gewählt werden, die Beliebtheit der Kandidaten kann das Wahlergebnis aber durchaus beeinflussen.

Unter der Annahme, die Bundestagswahl fände bereits kommenden Sonntag statt, käme CDU/CSU laut Umfrage nur noch für 26 Prozent (-2) infrage. Dem entgegen hat neben Scholz auch die SPD stark zugelegt. Mit einem Zuwachs von drei Prozentpunkten überzeugt die Partei damit 19 Prozent der befragten Wählerschaft, den Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben und kann den besten Wert seit fast drei Jahren feiern. Die Grünen büßen ein und erhalten nur noch 19 Prozent der Stimmen, ein Verlust von zwei Prozentpunkten. AfD und Linke bleiben unverändert bei elf beziehungsweise sieben Prozent, die FDP würde einen Prozentpunkt gewinnen und bei elf Prozent landen.

  • CDU/CSU: 26 Prozent (-2)
  • SPD: 19 Prozent (+3)
  • Grünen: 19 Prozent (-2)
  • AfD: 11 Prozent (unverändert)
  • FDP: 11 Prozent (+1)
  • Die Linke: 7 Prozent (unverändert)

Umfrageergebnisse zeigen: SPD und Scholz legen stark zu

Die neuen Entwicklungen zeigen starke Dynamiken – nach momentanem Stand hin zu den Sozialdemokraten und weg von der Unionspartei, die mittlerweile seit 16 Jahren die Regierung stellt. Nach aktueller Auswertung wäre eine Zweierkoalition nicht länger möglich: für die CDU bedeutet das Macht- und Einflussverlust. Wenn sie ihre Zustimmungswerte halten und es auch zur Bundestagswahl noch in eine Koalition schaffen, müssten sie ihren Platz dort mit wenigstens einer weiteren Konkurrenz teilen.

Was die Beurteilung nach Sympathie und Leistung deutscher Politikerinnen und Politiker betrifft, scheint es zwischen den möglichen Amtsträgern kaum Konkurrenz zu geben. Auf einer Skala von +5 bis -5 galt es für die Befragten einzuordnen, wo sie die Persönlichkeiten der deutschen Politik verorten: Angela Merkel liegt mit dem Durchschnittswert 2,5 weiterhin auf Platz Eins der Sympathieskala, gefolgt – wenn gleich mit weitem Abstand – von Olaf Scholz (Durchschnittswert 1,4). Auch hier fallen Laschet (-0,3) und Baerbock (-0,4) weit zurück in den Negativbereich. Gerade aufgrund Laschets schlechter Werte kommen auch innerparteilich immer mehr Überlegungen auf, den Stab an den Kollegen der Schwesterpartei CSU abzugeben.

Unzufriedenheit mit Grünen und CDU - Zustimmung zu Coronamaßnahmen

Unabhängig vom Wahlkampfprogramm und den Wählerkampagnen konkurrierender Parteien liefert die Umfrage auch neue Ergebnisse zur Bewertung des Umgangs der Regierung mit der Corona-Pandemie. Hier ist ein Zuwachs in der Zufriedenheit mit den Maßnahmen zu verzeichnen: So finden 56 Prozent die aktuell geltenden Maßnahmen genau richtig (+4) und auch die Lockerungen für Geimpfte stoßen bei 67 Prozent der Befragten auf Zustimmung (+7). Dreiviertel der Befragten befürworten es, dass Corona-Schnelltests in Zukunft selbst bezahlt werden müssen. Gegner des neuen Beschlusses der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag sind vor allem Anhänger der AfD.

Bei der repräsentativen Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zum Politbarometer wurden von Dienstag bis Donnerstag 1252 Wahlberechtigte telefonisch befragt. Die Fehlertoleranz liegt bei zwei bis drei Prozentpunkten.

Allgemein sind Wahlumfragen immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. So kann sich vor allem in der heißen Phase des Wahlkampfs – etwa in der Zeit vier Wochen vor den Wahlen – das Blatt noch einmal wenden und völlig andere Wahlergebnisse liefern. (dpa/klb)

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