+
Merkel stellt Schröder Biografie vor (2015).

Alt-Kanzler zum Streit in der Union

Schröder geht auf Merkel und Seehofer los - und nennt drei Nachfolge-Kandidaten

Altkanzler Gerhard Schröder hat seiner Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) Führungsschwäche im Asylstreit mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeworfen.

Niemals dürfe sich ein Kanzler ein Ultimatum von einem Minister setzen lassen. „Gelegentlich ist ein Basta notwendig“, sagte der SPD-Mann dem Magazin „Stern“. Richtlinienkompetenz heiße, „dass der Kanzler etwas vorgibt, auch per Einzelweisung, und der Minister hat das dann umzusetzen“. Zum Verhalten Merkels gegenüber Seehofer sagte Schröder: „Aus einer Richtlinienkompetenz wurde eine Nichtlinienkompetenz.“

Der Konflikt zwischen Kanzlerin und Innenminister, in dessen Verlauf Seehofer mit Rücktritt drohte und die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU an den Rand des Bruchs geriet, war erst vergangene Woche abgeräumt worden. Seehofer hatte verlangt, dass anderswo in der EU bereits registrierte Asylbewerber an der Grenze zurückgeschickt werden. Merkel bestand dagegen auf europäische Absprachen.

Der Asylstreit im TICKER

Bei einem nicht auflösbaren Streit habe der Kanzler zwei Möglichkeiten, sagte Schröder. „Entweder er zwingt den Widersacher über die Verbindung der Vertrauensfrage mit einer Sachfrage in die Solidarität. Oder er entlässt den Minister.“ Die SPD hätte auf diese Vertrauensfrage im Bundestag dringen müssen, befand er. Zum politischen Kurs der CSU sagte der Altkanzler, das Kalkül, durch das Hochziehen des Konflikts die AfD bekämpfen zu können, werde sich als „schauriger Irrtum“ erweisen.

Drei Politiker haben nach Einschätzung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) das Zeug zum Kanzler: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet für die CDU sowie Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil für die SPD. In der CDU sehe er nur Laschet als geeigneten Anwärter auf die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel, sagte Schröder dem Magazin „Stern“. „Sein Politikkonzept ist gar nicht so schlecht“, kommentierte er. „Er hat enge Kontakte in die Wirtschaft. Daneben aber betont er auch die soziale Frage.“ Insofern sei er ein schwieriger Gegner, mit dem man in der SPD rechnen solle.

Nato-Gipfel: Trump attackiert Deutschland - Merkel kontert

Die SPD habe immer nur dann Erfolg, wenn der Kanzlerkandidat auch wirtschaftliche Kompetenzen vorzuweisen habe, sagte Schröder. „Und da sehe ich gegenwärtig zwei: Olaf Scholz, den Finanzminister, und Stephan Weil, den Ministerpräsidenten von Niedersachsen.“ Zugleich erinnerte Schröder daran, dass qua Amt in der SPD der oder die Parteivorsitzende traditionell das erste Zugriffsrecht habe, wenn es um eine Kanzlerkandidatur gehe. Schröder plädierte zugleich für eine Begrenzung der Amtszeit des Bundeskanzlers. „Zwei Perioden, acht Jahre. Ich finde, das wäre nicht schlecht“, sagte er.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Robert Habeck: Grünen-Vorsitzender will nicht Kanzler werden - Privatleben und Karriere
Grünen-Parteichef Robert Habeck (49) gilt als Kandidat für den Posten des Bundeskanzlers. Wir verraten, wer der Politiker ist und was seine Ziele sind.
Robert Habeck: Grünen-Vorsitzender will nicht Kanzler werden - Privatleben und Karriere
Hamburg-Wahl 2020: Prognose und Hochrechnung - FDP und AfD müssen zittern
Die Prognosen und Hochrechnungen für die Bürgerschaftswahl in Hamburg 2020 liefern zwei klare Sieger. Die CDU ist historisch schwach, FDP und AfD müssen zittern.
Hamburg-Wahl 2020: Prognose und Hochrechnung - FDP und AfD müssen zittern
Hanau-Morde: AfD rückt ins Visier - Mehrheit gibt der Partei Mitverantwortung für rechte Gewalt
Schreckliche Bluttaten in Hanau (Hessen): Elf Menschen verloren ihr Leben. Es gibt neue Details zu Täter und Tathergang. Auch die AfD rückt ins Visier. Alle Infos im …
Hanau-Morde: AfD rückt ins Visier - Mehrheit gibt der Partei Mitverantwortung für rechte Gewalt
Debakel in Hamburg und Erfurt: Grünen-Politiker attackiert die CDU - und macht sich über die Partei lustig
Die Bürgerschaftswahl in Hamburg gilt 2020 als Stimmungsbild für die deutschen Parteien. Besonders nach dem Wahldebakel in Thüringen könnte es für einige Parteien harte …
Debakel in Hamburg und Erfurt: Grünen-Politiker attackiert die CDU - und macht sich über die Partei lustig

Kommentare