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Kreml-Chef Wladimir Putin bekommt für die Annexion der Krim nachträglich Schützenhilfe vom deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

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Schröder verteidigt Krim-Annexion: Ganz tief gesunken

  • Georg Anastasiadis
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Gerhard Schröder verteidigt die Annexion der Krim durch Russland. Diese Handlangerdienste für Moskau sind ein beispielloser Verrat an zentralen Völkerrechtsnormen, meint Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

So tief ist noch kein (ehemaliger) deutscher Kanzler gesunken. Gerhard Schröder verteidigt die Annexion der Krim durch Russland als Wiedereingliederung „alten russischen Territoriums“. Mit demselben Argument könnte Berlin Anspruch auf das alte Königsberg erheben. Was der gute Freund im Kreml dazu wohl zu sagen hätte? Na ja: Vermutlich würde er herzhaft lachen angesichts der drei Dutzend einsatzfähigen Panzer, über die Berlin gebietet.

Putins Saat geht in Deutschland auf

Selbst gemessen an den Maßstäben, die in Deutschland heute an den Putin-Spezl Schröder angelegt werden, ist dessen Verrat an zentralen Völkerrechtsnormen und der europäischen Nachkriegs-Friedensordnung beispiellos. Für Putin war es eine gute Woche. Die Saat, die er seit vielen Jahren in Deutschland legt, geht auf: Ein ehemaliger höchster Repräsentant der Bundesrepublik sagt und tut, wofür er von Moskau gut bezahlt wird; ein amtierender sächsischer Ministerpräsident reist in den Kreml und fordert dort die Aufhebung der Sanktionen ohne Vorbedingung – weil er fürchtet, andernfalls von Putins fünfter Kolonne in Ostdeutschland, der AfD, nach der Landtagswahl im Herbst aus dem Amt getrieben zu werden. Und die Vorsitzende der CDU erlebt in den Medien eine Art Shitstorm, weil sie davor warnt, die unterdrückerischen Regime in Moskau und Peking mit Trumps Amerika gleichzusetzen.

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Aber was soll man auch anderes erwarten in einem Land, das seine Unfähigkeit, in die eigene Verteidigungsfähigkeit zu investieren, als moralische Heldentat und Akt des Ungehorsams gegen Trump feiert? Annegret Kramp-Karrenbauer ist klug genug zu wissen, dass sich mit Bekenntnissen zur deutsch-amerikanischen Freundschaft hierzulande nur noch schwer Wahlen gewinnen lassen; dafür sorgt schon die Trump-Administration selbst mit ihren rüpelhaften Methoden. Es spricht aber für ihre Redlichkeit, dass sie’s, anders als die Kanzlerin, umgekehrt nicht mit billigem Trump-Bashing versucht und auch nicht mit Anbiederei an den Autokraten im Kreml. Für Handlangerdienste a la Schröder sollte sich eigentlich auch die stolze alte Arbeiterpartei SPD zu schade sein.

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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