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"Eine gewisse Grundnervosität": Alexander Dobrindt, neuer CSU-Generalsekretär.

CSU-Generalsekretär

Der Schützenkönig ohne Freischuss

Der neue General landet im kalten Wasser. Binnen weniger Wochen muss Alexander Dobrindt zwei große CSU-Wahlkämpfe organisieren. Sein Parteichef hat volles Vertrauen in ihn. Die meisten Wähler allerdings rätseln: Wer ist dieser Dobrindt?

Er hat seine Berufung etwas kryptisch per SMS-Nachricht erfahren: "Komme in die Landesleitung! Horst Seehofer", las Alexander Dobrindt am Montagmorgen, 6.30 Uhr, auf seinem Handy. Er kam, wenig später stand er auf der Bühne vor drei Dutzend Kameras und wurde als neuer CSU-Generalsekretär vorgestellt - so schnell geht’s.

Die Republik staunte über die Berufung, nur zwei wundern sich nicht: Parteichef Seehofer, weil er Dobrindt schon länger im Blick hat, und Dobrindt selber, weil er mit kräftigem Selbstbewusstsein ausgestattet ist. Der junge Abgeordnete aus Peißenberg war schon vor drei Monaten, als sein Vorgänger Guttenberg berufen wurde, heißer Kandidat für den Posten als Parteimanager. "50:50", sagt Seehofer über die damalige Entscheidung.

Das mag leicht übertrieben sein. Tatsächlich aber hat Seehofer die Auftritte des 38-Jährigen genau verfolgt. Der Parteichef schätzt Dobrindt: "Er leistet sich eine Meinung, das werde ich noch schmerzhaft zu spüren bekommen." Dobrindt bezieht Stellung, notfalls ohne Rücksicht auf Beulen. Im Machtkampf um den oberbayerischen CSU-Vorsitz beispielsweise stellte er sich 2007 klar auf die Seite von Thomas Goppel, während die meisten Parteifreunde öffentlich schüchtern schwiegen. Es war am Ende die unterlegene Seite, hat dem Peißenberger aber nicht geschadet.

Er gilt als gut vernetzt und gesprächig. Modern, indem er an manchen Tagen über 100 Kurznachrichten tippt, im Schnitt eine vierstellige Zahl pro Monat. Und altmodisch, indem er sitzen bleibt: Parteifreunde staunen, dass Dobrindt kaum eine Runde vorzeitig verlässt. Politiker wissen: Solange man dabeisitzt, wird nicht über einen gelästert. Allenfalls zum Rauchen geht er raus, Marlboro light.

Den Alex treibe riesiger Ehrgeiz, sagt ein Kollege. "Er hat eine gewisse Grundnervosität." Groß in die Öffentlichkeit geschafft hat es der Abgeordnete damit selten, eigentlich nur zweimal. Er gehörte zu jenen CSU-Abgeordneten, die zum Ärger mancher Parteifreunde ein noch konservativeres Familienbild anmahnten. Und im Bundestag stimmte er gegen den Lissabon-Vertrag, was ihm den Groll der Europaabgeordneten einbringt. Zwei Vorstöße, die er bis heute verteidigt.
Jetzt steht er im Rampenlicht - mit allen Schattenseiten. Dobrindt will sein Privatleben vor indiskreten Fragen schützen. Ehefrau Tanja ist zwar CSU-Ortsvorsitzende von Huglfing und führt eine kleine Firma, die Hochzeiten organisiert - doch schwülstige Hochglanz-Homestorys als christsoziales Erfolgspärchen soll es nicht geben.

Beruflich aber muss er voll einsteigen. Die Anforderungen an den Diplom-Soziologen sind hoch. In vier Monaten ist Europawahl, bisher ist nicht mal ansatzweise ein Konzept für eine CSU-Kampagne ersichtlich. Die Landesleitung ist noch nicht optimal aufgestellt, von ihm wird erwartet, das rechtzeitig zu verbessern. Und die Parteikasse hat nach der verkorksten Landtagswahl Löcher - kein leichter Start.

Gleichzeitig muss er als Abgeordneter so oft in Berlin präsent sein, dass Mitarbeiter in München bereits in der ersten Woche leise mosern, sie bekämen den neuen Chef nie zu Gesicht.

Dobrindt wird als General wohl ein Mittelding aus seinen Vorgängern Söder und Guttenberg. Er will Guttenbergs Pläne für mehr Basis-Beteiligung in der CSU weiterverfolgen, wohl aber nicht dessen mitunter aristokratisches Geschwurbel. Der gelernte Wirtschaftspolitiker Dobrindt ist zu kräftiger, sehr kräftiger Aussprache fähig, wenn es um CDU, SPD oder Opposition geht. "Ich kann ganz deutlich werden, wenn es nötig ist", verkündet er.

Die Leberkäs-Etage hat der Neugeneral jedenfalls nie verlassen. Er hört "Nena", macht Urlaub am Gardasee. "Der redet mit den Leuten. Das ist keiner, der arrogant ist oder unnahbar", sagt seine JU-Kreisvorsitzende Alexandra Langer. Knapp 60 Prozent der Erststimmen holte er 2005 im Wahlkreis, dort, wo er zur Schule ging und wo ihn die ganz alten Freunde "Dopsi" nennen dürfen.

Beim örtlichen Schützenverein VSG ist Dobrindt Stammgast. "Er ist da reine Privatperson, da geht es nie um Politik", erzählt der 1. Schützenmeister Robert Halbritter. Zumindest dort hat Dobrindt eine beängstigend sichere Hand: Im Januar wurde er am Luftgewehr zum dritten Mal Schützenkönig. Eine bleischwere Kette durfte er mit nach Hause nehmen. "Wir befürchten", sagt Halbritter, "dass er heimlich in Berlin irgendwo trainier."

Christian Deutschländer

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