+
Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz äußert sich am Rande der Regionalkonferenz in Berlin vor der Presse. Foto: Gregor Fischer

Kritik an Jamaika-Sondierung

Schulz will SPD als Alternative zur "Schwampel" aufbauen

Berlin (dpa) - SPD-Chef Martin Schulz will die SPD als inhaltliche Alternative zu einer von ihm als "Schwampel" bezeichneten Jamaika-Koalition aufbauen.

Die Verhandler von CDU, CSU, Grünen und FDP "schwampeln so dahin", ohne Konkretes zu bieten, sagte Schulz nach einer Regionalkonferenz der SPD in Berlin. Bei den vier Parteien stelle sich immer mehr heraus, dass sie "Klientelparteien sind, die versuchen, für ihre Wähler Claims abzustecken". Dabei stellten sie fest, dass das ziemlich schwierig sei.

Es werde über die Positionen der CSU, der Grünen und der FDP geredet, doch es werde nicht über die CDU geredet", so Schulz. "Kein Wunder, das ist eine inhaltsentleerte Partei", kritisierte Schulz. Bei einem Misserfolg der Jamaika-Unterhändler stehe die SPD nicht bereit. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe im Wahlkampf Schwarz-Gelb oder Schwarz-Grün haben wollen. "Jetzt hat sie beides. Wenn Merkel den Regierungsauftrag nicht erfüllen kann oder will, dann sind die Wähler am Zug", betonte Schulz.

Auch andere SPD-Spizenpolitiker verschärften ihre Kritik an Union, FDP und Grünen. "Es droht eine Koalition des Minimalkompromisses, die für unser Land nichts voranbringt", sagte die Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Andrea Nahles, der "Welt".

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf den Jamaika-Parteien die Bedienung von "Klientelinteressen" vor. "Wenn die schwarze Ampel so regiert, wie sie sondiert, ist eine Regierung der Formelkompromisse und des kleinsten gemeinsamen Nenners zu erwarten." Heil sagte der "Welt": "Es drohen Stillstand und wechselseitige Blockaden."

Johannes Kahrs, Sprecher des Seeheimer Kreises in der SPD, sagte der Zeitung, die Umfragen zeigten zu Recht, dass die Unionsparteien in der Wählergunst wegbrächen. "Merkel hat keine Vorstellungen über den Tag hinaus. Der Kaiser ist nackt." Seit der verlorenen Wahl im September ist die SPD größte Oppositionspartei im Bundestag.

Zu der Regionalkonferenz in Berlin waren nach Schulz' Worten etwa 800 Mitglieder aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gekommen. Es sei eine "mutmachende Veranstaltung mit einem sensationellen Ergebnis" gewesen. "Ich spüre den Willen der Parteibasis, aus dem Tal rauszukommen." Das sei bewegend. Schulz unterstrich erneut, dass die Debattenbeiträge der Basis in den Leitantrag der SPD-Spitze für den Bundesparteitag Anfang Dezember einfließen sollen.

Informationen zu den SPD-Dialogforen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Streit um Tempolimit: Klima-Treffen platzt mitten in der Nacht
Bis in den frühen Morgen hinein saß die Klimaschutz-AG für den Verkehrsbereich zusammen. Ein paar Kompromisse gelingen - aber für das Klimaschutzziel im Verkehr reicht …
Streit um Tempolimit: Klima-Treffen platzt mitten in der Nacht
„Wahlwerbung für Rechtspopulisten“: JU-Chef rechnet mit Merkel ab - und erntet Zorn aus eigener Partei
Der neue JU-Chef Tilman Kuban will das Profil der CDU schärfen - und schießt dabei übers Ziel hinaus. Sein Zitat von der „Gleichschaltung“ in der Partei sorgt für Zoff.
„Wahlwerbung für Rechtspopulisten“: JU-Chef rechnet mit Merkel ab - und erntet Zorn aus eigener Partei
Merkel trifft Xi Jinping, Juncker und Macron in Paris
Paris (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird heute in Paris zu einem Vierer-Treffen mit dem chinesischen Präsident Xi Jinping, Frankreichs Staatschef Emmanuel …
Merkel trifft Xi Jinping, Juncker und Macron in Paris
Umfrage-Knall vor Landtagswahl in Sachsen: Plötzlich sind die Karten neu gemischt
Am 1. September wählen die Sachsen einen neuen Landtag. Eine neue Umfrage bringt nun Bewegung in den Wahlkampf, denn es hat sich kräftig etwas getan. 
Umfrage-Knall vor Landtagswahl in Sachsen: Plötzlich sind die Karten neu gemischt

Kommentare