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Zerbrochene Idylle: Ein Polizist untersucht den Tatort eines Einbruchs in München.

Immer mehr Einbrüche

Reaktion auf Raubzüge: Förderung für Haus-Sicherheit? 

München - Einbrecherbanden ziehen kreuz und quer durch Europa. Sie machen meist kleine Beute, richten aber großen Schaden an – auch psychologisch bei den Opfern. Effektiv hilft dagegen wohl nur eine Aufrüstung der Häuser.

Die Täter suchten ihr Werkzeug dreist im Gartenhaus des Nachbarn. Sie fanden einen Spaten und eine schwere Spitzhacke und begannen, auf die Eingangstür einzuschlagen. Sie hielt. Das Küchenfenster nebendran barst zwar, ließ sich aber trotzdem nicht öffnen, die Fenstergriffe waren mit Schlössern geschützt. Die Einbrecher mussten, wohl auch als Nachbarn hellhörig wurden, ablassen und in die Dunkelheit flüchten.

Zurück blieben an der Doppelhaushälfte in Grafing (Landkreis Ebersberg) Scherben, Ärger über die Osterfeiertage und ein vierstelliger Versicherungsschaden. Aber für die Bewohnerin, eine Rentnerin, wenigstens eine befriedigende Erkenntnis: Nachrüsten hilft. 15 Monate zuvor war eine Einbrecherbande noch mühelos ins exakt gleiche Haus eingestiegen und hatte Beute gemacht.

Vermutlich sind bessere Haustürschlösser, Sicherheitsglas, Kameras und Riegel vor den Fenstern der effektivste Schutz gegen die in Bayern stark steigende Zahl der Einbrüche. Das allerdings geht ins Geld. In der Politik wächst deshalb die Bereitschaft, den Privathaushalten einen Steuerbonus für die Aufrüstung anzubieten. Als prominentester Bundespolitiker geht damit nun Innenminister Thomas de Maizière in die Offensive. „Die Sicherungsmaßnahmen müssen steuerlich absetzbar sein“, sagte der CDU-Politiker am Osterwochenende. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) spricht sich dafür aus.

Als Vorbild für ein mögliches Modell könnte der Handwerkerbonus gelten. Der Lohn für Handwerker kann unter engen Bedingungen – genaue Nachweise, keine Barzahlung – von Wohnungsbesitzern und Mietern zu einem Teil von der Steuerschuld abgezogen werden. Beim Einbruchschutz könnten auch Materialkosten einbezogen werden. Herrmann hält es für realistisch, schon ab Januar 2016 einen Steuerbonus für den Einbruchschutz zu gewähren.

Details wie die Höhe sind bei den Fachpolitikern noch nicht ausgemacht. In der Koalition zeichnet sich aber eine Einigung ab. Die steigende Zahl der Einbrüche sei ein „gravierendes Problem“ und verunsichere viele Bürger, sagte der innenpolitische Sprecher des SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, der „Welt am Sonntag“. Er zeigte sich offen für den Bonus-Vorschlag. Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) wirbt dafür: „Einbrecher hören auf, wenn ihr Versuch nicht in wenigen Minuten zum Erfolg führt.“

Hinter vorgehaltener Hand räumen Politiker ein: Viele andere wirksame Möglichkeiten gibt es nicht. Herrmann beschreibt, dass die Polizei in Bayern schon fast alle Register ziehe: „Wir haben die Polizeistreifen in Wohngebieten deutlich verstärkt und setzen dafür auch die Bereitschaftspolizei ein. Es gibt mehr Kontrollen an den Straßen, um international operierende Einbrecherbanden etwa aus Südosteuropa vor der Ausreise zu stoppen.“ Herrmann lässt zudem in den Großräumen München und Nürnberg eine Software einsetzen, die stundenaktuell „Prognosen über laufende Beutezüge und die nächsten Ziele“ liefern soll.

Auch de Maizière hofft auf die Hightech-Hilfe – die Zahlen steigen dennoch. Sie nähern sich bundesweit dem Anfang der 90er-Jahre erreichten Höchstwert von 250 000. In einigen Städten – etwa Bremerhaven – war schon jede 70. Wohnung Ziel eines Einbruchs. Aufgeklärt werden ingesamt höchstens 15 Prozent der Taten.

Dass die Ängste der Bevölkerung ernst genommen werden sollten, mahnt auch der „Weiße Ring“, der sich um Opfer kümmert. Obwohl Einbruchsopfer meist keine direkte Gewalt erfahren haben, sind sie traumatisiert. Derzeit kämpft der Verein dafür, dass ein Wohnungseinbruch ebenfalls als Tatbestand in das Opferentschädigungsgesetz aufgenommen wird. „Ein Einbruch ist eine sehr schlimme Sache“, sagt Albert Porth, einer der ehrenamtlichen Helfer des Vereins. „Die Betroffenen leiden und müssen unterstützt werden.“

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER / AMELIE RICHTER

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