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Auch der Münchner Christkindlmarkt am Marienplatz steht unter Beobachtung der Behörden.

Terroralarm in Deutschland

Zum Schutz: Mehr Kontrollen und Überwachung auf Christkindlmärkten

München - Wegen der wachsenden Terrorgefahr will die Polizei Weihnachtsmärkte stärker schützen. Es soll mehr Polizeipräsenz, Taschenkontrollen und Videoüberwachung geben.

Mehr als 30 Kilogramm Chemikalien, Drähte, Wecker – die Männer, die Ende 2000 in Frankfurt festgenommen wurden, hatten sich für ihren Plan voll ausgestattet. In Straßburg im Elsass wollten sie eine Bombe auf dem Weihnachtsmarkt explodieren lassen. Die Islamisten aus Algerien wurden gestoppt und zu langen Haftstrafen verurteilt. Doch das Terrorszenario ist seitdem bei Sicherheitsbehörden präsent.

Fünfzehn Jahre später ist die Debatte um die Sicherheit auf Christkindlmärkten wieder hochaktuell. Nach den Terroranschlägen in Paris stehen die bevorstehenden Märkte unter besonderer Beobachtung. Das Schreckensszenario: ein Sprengsatz oder ein Attentäter im dichten Gewimmel zwischen Bratwurstgrill und Glühweinstand. In mehreren Bundesländern haben Sicherheitsbehörden mehr Präsenz angekündigt. Dazu kommen Sicherheitsmaßnahmen der Marktbetreiber durch mehr Wachleute.

In Bayern hatte die Polizei die Christkindlmärkte schon in den vergangenen Jahren besonders im Blick. „Das ist jetzt natürlich nicht entspannter“, sagt Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Der Christkindlesmarkt in Nürnberg, die Christkindlmärkte in München und Regensburg – alle stehen unter Beobachtung. „Ich gehe davon aus, dass es diesmal etwas mehr Polizeipräsenz sein wird“, sagt Herrmann. Es könne sein, dass Taschen auf Waffen oder Sprengstoff kontrolliert würden. Alle Behörden betonen allerdings: Konkrete Hinweise auf eine Bedrohung gibt es nicht.

Man habe „ein wachsames Auge“ auf die Sicherheit der Marktbesucher, betont der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä. Islamistische Gefährder würden intensiv beobachtet, zudem seien „verdeckte Maßnahmen“ in der Szene geplant. Mit den Veranstaltern stehe die Polizei in ständigem Kontakt. Auch in Regensburg will die Polizei auf dem Christkindlmarkt mehr Präsenz zeigen und verstärkt Streife gehen. In Nürnberg und Würzburg werde es mehr Taschenkontrollen als sonst und teilweise auch mehr Videoüberwachung geben, teilen die jeweiligen Behörden mit. In Nürnberg gibt es zudem seit Jahren einen SMS-Alarm, der die Markthändler im Notfall warnt. Trotz allem rufen die Behörden dazu auf, sich ganz normal zu verhalten. „Wir wollen aber das Angstgefühl nicht schüren“, sagt ein Münchner Polizeisprecher.

Auch in den anderen Bundesländern kündigen Behörden mehr Präsenz und Wachsamkeit an. Man werde die Sicherheitslage „sehr sorgfältig mit den Veranstaltern besprechen“, sagt Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD). Sein Thüringer Ressortkollege Holger Poppenhäger (SPD) spricht von Sicherheitskonzepten und mehr Polizeipräsenz. Allerdings dürfe der Charakter der Märkte nicht gestört werden. Deshalb kämen auch Polizisten in Zivil zum Einsatz. Aber wie in Bayern betont man: Keine Panik, bloß nicht verunsichern lassen. „Vorsicht ist geboten, Angst wäre jedoch ein falscher Ratgeber. Wenn wir uns jetzt nicht mehr vor die Tür trauen würden, hätten die Terroristen gewonnen“, betont Berlins Innensenator, Frank Henkel (CDU).

Der News-Ticker vom Donnerstag zur Terrorgefahr in Deutschland und weiteren Entwicklungen in Frankreich

Außerhalb Deutschlands zieht man dagegen schon stärkere Konsequenzen aus den Pariser Anschlägen. Die Eröffnung des Weihnachtsmarktes in der französischen Hauptstadt wurde abgesagt. In Wien fiel zumindest die traditionelle Eröffnung flach – einschließlich des feierlichen Einschaltens der Christbaumbeleuchtung. Die Stände haben allerdings geöffnet.

Konsequenzen, die für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nicht in Frage kommen. „Wir wollen diese Weihnachtsmärkte wieder feiern“, betont er. „Und ich selbst werde sie auch gerne wieder besuchen.

Til Huber

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