Montagsspiele der Bundesliga sollen abgeschafft werden - und dafür an anderem Tag stattfinden

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Die schwarze Bastion umwirbt große Männer

- München - Postleitzahl 00120, Città del Vaticano, adressiert an "Seine Heiligkeit": Per Brief versucht der Katholische Männerverein Tuntenhausen, ein neues Mitglied zu werben. Papst Benedikt XVI. möge doch einen Eintritt in Erwägung ziehen, schreibt der Vorstand, er wäre das 1000. Mitglied, Aufnahme-Erklärung liegt bei. Für den legendären Verein, über Jahrzehnte im Ruf zwischen Geheimbund und bayerischem Schattenkabinett stehend, wäre ein Mitglied Joseph Ratzinger eine Sensation. Und das heißt was.

Die Nähe zur Macht ist selbstverständlich zu Füßen der Doppel-Spitztürme des Dorfes bei Bad Aibling. Hier treffen sich seit 1869 die Konservativen und sehr Konservativen, die etwas zu sagen haben in Bayern. Alois Hundhammer, Max Streibl und seit 1989 Hans Zehetmair führten die Tuntenhausener nach dem Krieg.

Wer den Verein leitet, hat Gewicht in der Landespolitik - und umgekehrt. Wichtige Entscheidungen in der Landwirtschaftspolitik fielen nicht im Münchner Ministerium, sondern im Tuntenhausener Hinterzimmer.

Über Jahrzehnte lief das alles recht diskret ab. Als im Jahr 2000 erstmals ein Pressesprecher berufen wurde, schrieb "Bild" aufgeregt von einer "Revolution" im Marienwallfahrtsort.

Mit dem Umstürzlerischen kämpft die schwarze Bastion freilich weniger als mit dem Abbröckeln. Einst hatte der Verein 7000 Mitglieder. Das schmolz auf ein Zehntel zusammen. Sich womöglich mit päpstlicher Hilfe wieder über die 1000 zu schwingen, wäre schon ein großer Erfolg. Wer, wenn nicht die Tuntenhausener, könnte vom wachsenden Interesse an Werten und Traditionen profitieren?

Schwer im Magen liegt den Männern ein anderes Problem: die Chefsuche. Zehetmair, der sich aus der Tagespolitik zurückgezogen hat, sucht einen Nachfolger. Profil: konservativ, katholisch, männlich, mächtig und aus Oberbayern. Zehetmair sucht einen, "der das nicht aus Kalkül macht" oder aus Postenhuberei. All das würde zwar ganz gut auf den Papst passen, schränkt das realistische Bewerberfeld aber arg ein.

Ein Kandidat war vor Monaten zu Gast. Kultusminister Siegfried Schneider (50) überzeugte 2005 bei der Herbstkundgebung des Vereins. Schneider gilt als ehrgeizig, aufstrebend, aber gut verwurzelt im Wertefundament. Nur Anstalten, Ende des Jahres in Zehetmairs Fußstapfen zu treten, macht er keine. Zehetmair hat sich nun intern bereit erklärt, nochmal zu kandidieren.

Der Verein im Internet: www.kmvt.de

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