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Emma Gonzalez bei der Demonstration für strengere US-Waffengesetze in Washington

„Marsch für unsere Leben“ in Washington

Das Schweigen der Emma Gonzalez: Diese Schülerin bewegt die USA

Ein Streit um das Waffenrecht entzweit die USA. Eine 18-Jährige setzte am Samstag vor Hunderttausenden ein Ausrufezeichen - mit simplem Schweigen. Emma Gonzalez ist das Gesicht der Proteste.

Washington - Minutenlang steht Emma Gonzalez schweigend am Mikrofon. Ihr Blick ist geradeaus gerichtet auf die gewaltige Menschenmenge, die sich in Richtung des Weißen Hauses erstreckt. Tränen laufen der jungen Überlebenden des Massakers vom Valentinstag die Wangen hinab. Auch manche in der Menge weinen.

Das Schweigen der Emma Gonzalez ist einer der eindringlichsten Momente der US-Großdemonstrationen an diesem Samstag für ein schärferes Waffenrecht. Der Schmerz, der zum Anstoß der neuen Protestbewegung wurde, bekommt in diesen Minuten seinen Raum. Ihr Schweigen bricht Gonzalez sechs Minuten und 20 Sekunden nach Beginn ihres Bühnenauftritts ab - so lang hatte das Blutbad an ihrer Schule in Parkland im Bundesstaat Florida gedauert.

Eine der emotionalsten Großdemonstrationen der jüngeren Geschichte

"In wenig mehr als sechs Minuten sind uns 17 unserer Freunde genommen" und sei das Leben von jedem an ihrer Schule "für immer verändert worden", hatte die junge Frau mit dem kurzgeschorenen Haar zu Beginn ihres Auftritts gesagt.

Mit tränenüberströmtem Gesicht steht Emma Gonzalez dann lautlos auf der Bühne in Washington. Bis ein Timer piept und die junge Schülerin ihr Schweigen bricht. 

„Seit ich hier heraufgekommen bin (auf die Bühne), sind sechs Minuten und 20 Sekunden vergangen. Der Schütze hat aufgehört zu schießen und wird bald sein Gewehr zurücklassen, sich unter die Schüler mischen, während sie fliehen, und eine Stunde lang frei herumlaufen, bevor er verhaftet wird. Kämpfe um dein Leben, bevor es die Aufgabe eines anderen wird“, sagt Gonzalez, bevor sie von der Bühne marschiert.

„Wir nennen das Bullshit“

Gonzalez, 18 Jahre alt, ist Schülerin der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland im US-Bundesstaat Florida. Sie überlebte den Überfall des Ex-Schülers Nikolas Cruz am Valentinstag. 14 Schüler und drei Erwachsene nicht. Schon im Februar war Gonzalez mit einer aufgebrachten, klug gebauten Rede zu einer prägenden Gestalt des Protests geworden. Leidenschaftlich, wütend und organisiert.

Lesen Sie auch: Nach dem Massaker - tränenreiche Rückkehr in den Schulalltag

Gonzalez demaskierte damals die mächtige Waffenlobby NRA ebenso wie deren Profiteure in der Politik. „An jeden Politiker, der Spenden von der NRA annimmt: Schande über euch!“, rief sie vor Hunderten. „Sie sagen, dass striktere Waffengesetze nichts an Waffengewalt ändern würden - wir nennen das BS!“, rief sie, BS ist die Abkürzung für Bullshit.

„Sie sagen, dass ein guter Mensch mit einer Waffe einen bösen Menschen mit einer Waffe stoppen kann - wir nennen das BS! Sie sagen, dass strengere Waffengesetze nicht zu weniger Waffengewalt führen: Wir nennen das BS! Sie sagen, dass Waffen einfach Werkzeuge sind wie Messer und so gefährlich wie Autos: Wir nennen es BS!“ „Genug ist genug!“ rief Gonzalez und wischte sich die Tränen aus den Augen.

Sie vertritt eine von Schulmassakern geprägte Generation

Emma Gonzalez gehört zu einer Generation von Schülern, die mitgeprägt wurde vom Massaker an der Columbine High. Als Eric Harris und Dylan Klebold 1999 zwölf Schüler und einen Lehrer ermordeten, war ein solcher Horror noch eine Seltenheit. Heute gehören Schüsse an Schulen in den USA zum Alltag. Das wollen Teile der jungen Generation, gestützt auch von ihren Eltern, nicht mehr hinnehmen. Anders als früher, haben Gonzalez und ihre Altersgenossen über TV-Interviews und soziale Medien andere Möglichkeiten, Druck aufzubauen.

Schulleiter Ty Thompson pries im Februar über Twitter Gonzalez' leidenschaftlichen Einsatz, ihre Intelligenz und ihrer Eloquenz. Die Schülerzeitung weist Gonzalez als Vorsitzende der einer Allianz von Homo- und Heterosexuellen aus. Die Haare trägt sie erst seit kurzem raspelkurz: Die Pflege der langen sei ihr zu aufwändig und zu teuer geworden, außerdem sei es schlicht zu warm gewesen. Womöglich hilft der 18-Jährigen nun auch diese pragmatische Entscheidung, das Gesicht der Proteste in den USA zu werden.

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AFP/dpa/fn

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