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Politiker und Bürger erhalten jeweils andere Schweinegrippe-Impfstoffe.

Schweinegrippe: Politiker und Bürger anders geimpft

Berlin - Eine Woche vor Beginn der Massenimpfung gegen die Schweingrippe sorgt die Beschaffung unterschiedlicher Präparate für Politiker und die Bevölkerung für Aufregung.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte, so entstehe der falsche Eindruck einer Zweiklassenmedizin. Die Informationspolitik von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sei “sehr dumm und in der Außenwirkung verheerend“ gewesen. Der Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, sprach im “Spiegel“ von einem Skandal, der den Menschen kaum zu vermitteln sei. Kanzlerin Angela Merkel, die Mitglieder ihres Kabinetts und Beamte der Ministerien sowie nachgeordneter Behörden sollen mit einem Impfstoff ohne Verstärker vor der Schweinegrippe geschützt werden. “Wir haben 200.000 Dosen des nicht-adjuvantierten Impfstoffes Celvapan der Firma Baxter gekauft“, sagte Christoph Hübner, Sprecher des Bundesinnenministeriums, dem “Spiegel“. Anders als das Präparat von GlaxoSmithKline (GSK), das ab dieser Woche in 50 Millionen Dosen für die Bevölkerung ausgegeben wird, enthält der Baxter-Impfstoff keinen Wirkverstärker (“Adjuvans“) und wird den für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zuständigen Staatsdienern gespritzt.

Lauterbach wirbt für Impfung

Das Paul-Ehrlich-Institut, das wiederholt seine Entscheidung verteidigt hat, der Bevölkerung die GSK-Vakzine zu beschaffen, widersprach allerdings der Darstellung des “Spiegels“, wonach auch für seine Mitarbeiter das Präparat ohne Wirkverstärker vorgesehen sei: Die zu den vorrangig zu impfenden Personengruppen zählenden Mitarbeiter erhielten den Impfstoff Pandemrix, erklärte die Behörde am Sonntag. Der SPD-Politiker Lauterbach sagte “Bild am Sonntag“, Schäuble habe nicht das notwendige Gespür gehabt.

Im “Münchner Merkur“ erläuterte er, das Bundesinnenministerium habe den verträglicheren Impfstoff für die Regierung bereits bestellt, als noch nicht klar gewesen sei, dass es zu einer weltweiten Pandemie kommen würde und große Teile der Bevölkerung geimpft werden müssen. Erst später sei ein anderer Impfstoff für die Bevölkerung geordert worden, der aber genauso wirksam und sicher sei. Die Regierung müsse jetzt in die Öffentlichkeit gehen und die Menschen von der Notwendigkeit der Impfung überzeugen.

“Auf Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen“

Ludwig sagte, er sei über die ganze Impfkampagne unglücklich. Sie werfe zahlreiche Probleme auf und ihr Nutzen sei ungewiss: “Die Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen, die mit einer vermeintlichen Bedrohung schlichtweg Geld verdienen wollten.“

Offene Rebellion herrscht laut “Spiegel“ unter Allgemeinmedizinern und Kinderärzten. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Michael Kochen, rät den Hausärzten von der Impfung ab. “Das Schadensrisiko überwiegt den Nutzen“, sagte der Göttinger Professor. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, warf der Bundesregierung “wissenschaftliche Falschaussagen“ vor. Wie bei Schwangeren so gelte auch für Kinder unter drei Jahren: “Der Impfstoff ist an ihnen noch überhaupt nicht getestet, deshalb ist das Risiko einfach zu groß, ihn jetzt bedenkenlos einzusetzen.“

AP

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