+
Die Ceska 83, 7,65 Browning mit Schalldämpfer. Sie soll die erste Tatwaffe der NSU-Mordserie gewesen sein.

"Ceska" stammt aus der Schweiz

Schweizer Justiz lehnt Videovernehmung mit mutmaßlichem NSU-Terrorhelfer ab

München - Woher hatten die NSU-Terroristen ihre Waffen? Das ist auch nach fast drei Jahren Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer überwiegend rätselhaft. Das Gericht müht sich hartnäckig um Aufklärung.

Die Schweizer Justiz hat eine Anfrage des Oberlandesgerichts München zur Videovernehmung eines mutmaßlichen NSU-Terrorhelfers abgelehnt. Das gab der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Mittwoch im NSU-Prozess bekannt. Das Münchner Gericht hatte die Schweizer Behörden gebeten, einen mutmaßlichen Helfer bei der Beschaffung der Mordwaffe vom Typ „Ceska“ über eine Videoleitung zu vernehmen. Das habe die Justiz im Kanton Bern abgelehnt. Einer Ladung nach München war der Mann nicht gefolgt.

Mit der „Ceska“ sollen die beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun ihrer zehn Mordopfer aus rassistischen Motiven erschossen haben. Die Opfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende. Als einzige Überlebende des NSU-Trios ist Beate Zschäpe wegen Mittäterschaft angeklagt.

Verdacht: Schweizer Staatsbürger überließ "Ceska" einem Jenaer Neonazi

Die „Ceska“ stammte aus der Schweiz und wurde nach Jena geschmuggelt. Einer der Mitangeklagten im NSU-Prozess hatte gestanden, die Pistole in einem Jenaer Szeneladen gekauft und an Mundlos und Böhnhardt übergeben zu haben.

Das Gericht brachte am Mittwoch außerdem mehrere Schriftstücke über die „Ceska“ formell als Beweismittel in den Prozess ein. In den Unterlagen geht es um den Verdacht, ein Schweizer Staatsbürger, der einige Jahre in Apolda (Thüringen) lebte, habe die Pistole einem Jenaer Neonazi überlassen.

Einziger Zeuge war am Mittwoch ein Untersuchungsrichter. Er hatte in der Schweiz die staatsanwaltschaftliche Vernehmung der Ehefrau eines weiteren Mannes verfolgt, durch dessen Hände die „Ceska“ gegangen sein soll. Die Frau habe sich nur noch an wenige Einzelheiten erinnert, sagte er. Etwa daran, dass ihr Mann einmal ein Paket erhalten und ungeöffnet weitergereicht habe.

Auch am Donnerstag will sich das Gericht mit den Waffen des NSU beschäftigen und hat einen Ermittler des Bundeskriminalamtes als Zeugen geladen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Höchst unangemessen“ - Kardinal Marx geht auf Söder und Seehofer los
Am Freitag wurde der frühere mutmaßliche Bin-Laden-Leibwächter Sami A. abgeschoben - trotz gerichtlichen Verbots. Im Asylstreit übt Kardinal Marx Kritik an Markus Söder …
„Höchst unangemessen“ - Kardinal Marx geht auf Söder und Seehofer los
Wirbel um Trump-Versprecher: Merkel reagiert sehr zurückhaltend
Noch immer sorgt das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin beim Gipfel in Helsinki für Schlagzeilen. Wir berichten weiter über die Nachwehen des Gipfels im …
Wirbel um Trump-Versprecher: Merkel reagiert sehr zurückhaltend
NSU-Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben ist frei
Der NSU hat zehn Menschen ermordet. Eine Pistole dafür hat der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben besorgt - urteilte das Oberlandesgericht in München. Trotzdem kommt …
NSU-Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben ist frei
Söders Grenz-Truppe: „Großes Signal“ oder reine Symbolpolitik? 
Bayerische Polizisten dürfen seit Mittwoch an der Grenze zu Österreich kontrollieren - wenn auch nicht völlig eigenmächtig. Markus Söder feiert seine neue Einheit, trotz …
Söders Grenz-Truppe: „Großes Signal“ oder reine Symbolpolitik? 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.