Verfassungsänderung geplant

Schweiz: Handschlag soll Pflicht werden - auch für Muslime

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Basel - Muslimische Schüler verweigern ihrer Lehrerin den Handschlag: Der Fall sorgte in der Schweiz für Aufregung. Jetzt will ein Kanton die Pflicht zum Handschlag in die Verfassung schreiben. 

Müssen Schüler ihren Lehrern zur Begrüßung die Hand reichen? In der Schweiz wird darüber seit dem Frühjahr kontrovers diskutiert. Der Anlass: Zwei muslimische Schüler (14 und 16) hatten sich geweigert, ihrer Lehrerin die Hand zu reichen. Religiöse Gründe sprachen für die beiden Jugendlichen dagegen - reiche man einer Frau die Hand, degradiere man sie als Sexobjekt, argumentierten sie.

Die Schulbehörde akzeptierte das Verhalten der beiden Brüder aus einer strenggläubigen Familie nicht. Sie entschied, dass im Kanton Basel-Landschaft kein Schüler mehr den Handschlag verweigern darf, wenn eine Lehrerin diesen einfordert. Bei Missachtung drohen Bußgelder von rund 4500 Euro und Disziplinarmaßnahmen - im Extremfall der Schulausschluss.

Pflicht zum Handschlag soll in die Verfassung

Jetzt will die Regierung des Kantons einen Schritt weiter gehen: Sie will die Erfüllung „bürgerlicher Pflichten“, wie zum Beispiel die Pflicht zum Handschlag, in die Kantons-Verfassung schreiben. In die Verfassung soll der Grundsatz aufgenommen werden, dass „weltanschauliche Auffassungen und religiöse Vorgaben nicht von der Erfüllung bürgerlicher Pflichten entbinden“, berichtet die Basler Zeitung. 

Die Kantonsregierung will außerdem das Bildungsgesetz ändern: Schüler müssen an „hiesigen gängigen Ritualen wie namentlich den Handschlag“ teilnehmen, sofern dies eingefordert werde, heißt es im Gesetzesentwurf. Und: Schulen sollen verpflichtet werden, Integrationsschwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern an die Ausländerbehörde zu melden.

Es gibt Kritik: Was sind „gängige Bräuche“?

Doch die geplanten Gesetzesänderungen sind umstritten, vor allem unter Staatsrechtlern und linken Politikern. Kritik hagelt es vor allem an den Formulierungen „bürgerliche Pflichten“ und „hiesige gängige Rituale“. Was fällt darunter und was nicht? Können muslimische Schüler künftig verpflichtet werden, beim Krippenspiel mitzuwirken? Und müssen katholische Kinder an heidnischen Bräuchen wie dem Fasnachtsumzug teilnehmen? Parteien, Kantone und Interessensgruppen diskutieren nun über den Entwurf, dann sollen das Parlament und schließlich die Bürger darüber abstimmen.

In Deutschland gab es ähnlichen Fall

Auch in Deutschland wurde bereits einen Fall von Handschlag-Verweigerung bekannt: Ein Imam verweigerte einer Berliner Lehrerin während eines Elterngesprächs aus religiösen Gründen den Handschlag - und zeigte dann die Lehrerin an, nachdem diese das Handreichen vehement eingefordert hatte. 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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