Vernehmung in der Schweiz

NSU-Zeuge bestreitet "Ceska"-Schmuggel

München - Ein Schweizer Staatsbürger soll die Mordwaffe des NSU-Trios nach Deutschland geschmuggelt haben. Weil er nicht zum Gerichtstermin nach München kam, muss er sich in der Schweiz den Fragen eines Staatsanwalts stellen.

Ein mutmaßlicher Helfer der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ hat bestritten, bei der Beschaffung der Mordwaffe vom Typ „Ceska“ geholfen zu haben. Der Mann wurde am Dienstag in Thun bei Bern von einem Schweizer Staatsanwalt vernommen.

Aus Deutschland waren Verteidiger von mehreren NSU-Beschuldigten angereist, darunter die Anwälte von Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben, außerdem Vertreter der Bundesanwaltschaft und einiger Nebenkläger. Das Oberlandesgericht München hatte vergeblich versucht, den Zeugen zum NSU-Prozess nach Deutschland vorzuladen, und darum die Schweizer Behörden um die Vernehmung gebeten.

Auf die Frage, ob er Waffen nach Deutschland verkauft habe, antwortete der Zeuge mit „Nein“, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus der nichtöffentlichen Befragung. Er habe außerdem nie eine Pistole des Typs „Ceska“ besessen. Allerdings sollen seine Angaben nicht widerspruchsfrei gewesen sein. An anderer Stelle habe er gesagt, er habe zwar mehrere „Ceska“-Pistolen besessen, allerdings keine des passenden Kalibers.

Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Zeuge die Tatwaffe nach Deutschland brachte, mit der die mutmaßlichen NSU-Täter Böhnhardt und Mundlos neun fremdenfeindliche Morde begangen haben sollen.

Der Zeuge lebte in den 90er Jahren in Thüringen und betrieb dort einen Handel mit gebrauchten Autoteilen. Dort habe er Enrico T. kennengelernt, einen Jugendfreund von Uwe Böhnhardt, der immer wieder bei ihm Ersatzteile gekauft habe. Sie hätten sich angefreundet und hielten bis heute Kontakt.

T. soll die Verbindung zwischen dem Zeugen und der Szene geknüpft haben. Das bestritt der Zeuge. Den Behörden hielt er vor, sie wollten ihn und Enrico T. in „etwas hineinziehen“. Das sehe man daran, dass die Behörden versuchten, T. „einen Kindermord unterzujubeln“. Enrico T. wird von einem Szene-Aussteiger beschuldigt, er habe möglicherweise etwas mit dem Mord an dem neun Jahre alten Bernd Beckmann im Jahr 1993 zu tun.

Am Donnerstag findet in der Schweiz eine weitere Vernehmung mit dem mutmaßlichen Vorbesitzer der „Ceska“ statt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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