Große Betreuungslücke

Schwesig will Familienpolitik lebensnäher machen

Berlin - Die Familienministerin will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter stärken. Eine aktuelle Studie zeigt: Aktive Familienpolitik kann dazu einen großen Beitrag leisten, gerade bei Müttern.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will den gesetzlichen Anspruch auf Kinderbetreuung weiter ausbauen. Die SPD-Politikerin forderte am Donnerstag in Berlin einen Rechtsanspruch auf Schuldkindbetreuung am Nachmittag. Familienpolitik müsse dem Lebensalltag von Menschen gerecht werden, sagte sie. Es gebe eine große Betreuungslücke, sobald Kinder in die Schule kommen.

Ganztagsbetreuung sei für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig, aber auch für die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit bei Kindern. Bereits seit August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder unter drei Jahren.

Der am Donnerstag veröffentlichte „Zukunftsreport Familie 2030“ des Forschungsinstituts Prognos unterstützt die Forderung der Ministerin. 70 Prozent der Bevölkerung wünschen sich mehr Betreuungsangebote mit längeren und flexibleren Betreuungszeiten, wie die vom Familienministerium in Auftrag gegebene Studie ermittelte. Aufgrund der steigenden Erwerbstätigkeit von Müttern würden es 62 Prozent der Bevölkerung begrüßen, wenn Staat und Unternehmen sich gemeinsam für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen.

Keine Frage des Geldes, ob Kinderbetreuung genutzt wird

Der Report untersuchte weitere gesellschaftliche Trends: Zum einen bleibe die Familie für die Bevölkerung das wichtigste im Leben, gleichzeitig werden kleine Kinder häufiger außerhalb der Familie betreut. Außerdem wollten immer mehr Eltern Familien- und Erwerbsarbeit partnerschaftlich aufteilen. Väter verbringen demnach tatsächlich mehr Zeit mit der Familie, Mütter arbeiten häufiger mit größerem Stundenpensum.

Die Erwerbstätigkeit von Müttern kann der Studie zufolge durch eine aktive Familienpolitik gesteigert werden. Auch die Zahl armutsgefährdeter Kinder könne sinken, das Bruttoinlandsprodukt spürbar wachsen, erklärte Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff. „Es darf keine Frage des Geldes sein, ob Kinderbetreuung genutzt wird“, betonte Schwesig.

Kindergeld wird um zwei Euro erhöht - Kritik aus Verbänden und Opposition

Die Pläne des Finanzministeriums zur Erhöhung des Kindergelds hält die Ministerin hingegen für nicht ausreichend. Sie forderte zudem erneut, den Unterhaltsvorschusses für Alleinerziehende zeitlich zu entgrenzen und die Altersgrenze auf 18 Jahre zu erhöhen. Die staatliche Unterstützung wird derzeit gezahlt, wenn der andere Elternteil keinen Unterhalt zahlt - sie ist allerdings auf sechs Jahre begrenzt und wird nur bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres gezahlt. Der Staat lässt sich diesen Vorschuss in der Regel vom unterhaltspflichtigen Elternteil erstatten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte der vergangene Woche angekündigt, das Kindergeld um zwei Euro im Monat zu erhöhen, auch der Kinderfreibetrag soll leicht steigen. Verbände und Opposition kritisierten Schäubles Pläne heftig. Das Kindergeld war zuletzt im Januar um zwei Euro im Monat angehoben worden.

Schwesig bezeichnete die Erhöhung als „tröpfchenweise“. Die Familien würden sich fragen, ob die Politik eigentlich wisse, wie teuer das Leben mit Kindern sei.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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