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Als Initiator des Rauchverbots zieht Sebastian Frankenberger bis heute viel Zorn auf sich.

Fast zehn Jahre nach dem Rauchverbot

Jeden Monat neue Morddrohungen: Rauchgegner Frankenberger erlebt noch immer Shitstorm

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Rauchgegner Sebastian Frankenberger erhält noch heute Morddrohungen. Sein Volksbegehren zum Rauchverbot in Bayern spaltete die Gemüter im Freistaat.

Bayern - Als Initiator eines geschichtsträchtigen Volksbegehrens zog Sebastian Frankenberger vor acht Jahren den Zorn vieler Bayern auf sich - danach wurde der ehemalige Politiker der Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) sogar deutschlandweit zu einer echten Hassfigur. 

Grund für die Wut vieler Bayern war Sebastian Frankenbergs Volksbegehren „Für echten Nichtraucherschutz!“, das 2010 zum absoluten Rauchverbot in der bayerischen Gastronomie führte. Andere Bundesländer zogen schließlich nach und verboten die Zigarette ebenfalls ohne Ausnahmen. Diese Entscheidung spaltet bis heute die Gemüter. Vor allem bei Gastronomen und Kneipenbesuchern sorgt sie immer noch für Unmut.

Von Passau ins „Exil“ nach Linz: Das macht Sebastian Frankenberger heute

In einem Gespräch mit dem Magazin Vice berichtete der ehemalige deutsche Politiker nun, dass er einige Zeit nach der Durchsetzung des Verbots von seiner Heimat Passau ins „Exil“ nach Linz ging. Denn in Niederbayern fühle er sich aufgrund der vielen Anfeindungen nicht mehr sicher: "Ich traue mich dort nicht mehr in die Öffentlichkeit."

Auch in Linz, wo Frankenberger heute als Fremdenführer arbeitet, sieht er sich allerdings noch Anfeindungen ausgesetzt - seine Wohnung ist alarmgesichert. Letztes Jahr flog er dort aus einem Wirtshaus. „Du blödes Arschloch, schleich di!“, habe der Wirt gerufen. Für alle Fälle trägt Frankenberger immer Pfefferspray bei sich. 

Sebastian Frankenberger: Morddrohungen hören nicht auf

Die meisten Menschen, die einen Shitstorm erleben, trifft die volle Wucht des Hasses einige Tage, vielleicht Wochen. Sebastian Frankenberger taumelt seit acht Jahren durch einen Shitstorm. 

Über 1200 Morddrohungen hat er in dicken Ordnern gesammelt. Noch immer kommen jeden Monat neue dazu. "Einmal hat jemand meinen Kopf auf das Foto einer Terrorleiche montiert und es mit meiner Adresse im Internet veröffentlicht", sagt er. Darunter stand: "Wer tut es ihm endlich an?"

Auf der anderen Seite verstummten viele Rebellen bereits nach einigen Jahren und sahen die positiven Seiten des Volksbegehrens - das zeigte eine Bilanz nach fünf Jahren Rauchverbot.

So kam es zum Rauchverbot in Bayern

Im Freistaat galt 2008 der strengste Nichtraucherschutz Deutschlands: ohne Raucherräume, Raucherclubs oder andere Ausnahmen. Doch im gleichen Jahr ließ die CSU genau diese Ausnahmen wieder zu, um dem Koalitionspartner FDP entgegenzukommen. Frankenberger, ein unbekannter ÖDP-Politiker, sah seine Chance gekommen. 

"Wir wollten nicht nur alle vier Jahre ein Kreuz machen, um danach das Wahlschaf zu sein, das den eigenen Schlächter gewählt hat", sagt er. Die Mehrheit habe das strengere Rauchverbot eigentlich besser gefunden. Das perfekte Thema für ein Volksbegehren. 

"Außerdem habe ich, seit ich sechs bin, lange Haare und es hat mich gestört, wenn die nach Rauch stinken." Fast 1,3 Millionen Menschen trugen sich für das Volksbegehren ein. Weil der Landtag den Gesetzentwurf trotzdem ablehnte, kam es 2010 zum Volksentscheid "Nichtraucherschutz". Am Ende stimmten 61 Prozent der Wähler in Bayern für Frankenbergers ÖDP-Entwurf, gegen den Widerstand der mächtigen Tabaklobby, der Gastwirte und der Raucher.

Sebastian Frankenberger: „Hass musst du dir verdienen“

Seitdem sind Restaurant- und Kneipenbesuche für Frankenberger wie Zugfahren ohne Ticket: Hoffentlich erwischt mich keiner. Hoffentlich kein Rausschmiss. 2014 stieg er schließlich aus der deutschen Politik aus.„Ich habe eigentlich keine Freunde“, sagt er heute. Nur noch Bekannte seien ihm geblieben.

Bereits vor einem Jahr hatte Frankenberger ein Interview über sein Leben nach dem Rauchverbot gegeben - dabei bezeichnete er sich selbst als „Spaßbremse“. 

Trotz des so lange anhaltenden Shitstorms kann es Frankenberger nicht lassen: Auch in Österreich, wo in vielen Cafés und Bars noch geraucht wird, möchte er für ein Verbot eintreten. „Wir haben ein Volksbegehren gestartet. Ich berate aber nur im Hintergrund“, sagt Frankenberger. Er tritt dazu aber auch in den österreichischen Medien auf.

 Warum er sich das noch einmal antut? „Ich bin da ganz entspannt. In Österreich tauge ich als Bayer eh nicht zur Galionsfigur", so Frankenberger. Obwohl er auch dort bereits Morddrohungen erhält, möchte er den Kampf um das Zigarettenverbot weiterführen. „Hass ist etwas, das du dir verdienen musst“, erklärt der ehemalige ÖDP-Politiker abschließend. 

nema

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