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Ein Mann, der polarisiert: Sebastian Frankenberger.

Eifersüchteleien in der Partei

Sebastian Frankenberger: Deshalb höre ich auf

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München - Sebastian Frankenberger ist das bekannteste Gesicht der ÖDP, seit er einen Volksentscheid über das Rauchverbot erkämpft hat. Nach der Europawahl, spitzt sich ein parteiinterner Streit zu – und Sebastian Frankenberger wirft das Handtuch.

Sebastian Frankenberger ist das bekannteste Gesicht der ÖDP, seit er im Namen der Kleinpartei einen Volksentscheid über das Rauchverbot erkämpft hat. Doch in der Öko-Partei hat der 32-jährige Bundesvorsitzende schon länger einen schweren Stand: Es gab Eifersüchteleien. „Nicht immer nur der“, wurde hinter vorgehaltener Hand gegiftelt, wenn Frankenberger mal wieder bundesweite Aufmerksamkeit bekam. In den Landtagswahlkampf im vorigen Herbst zog die ÖDP erstmals ohne Spitzenkandidat – um zu verhindern, dass der einzige Partei-Promi nominiert wird? „Es menschelt überall“, erklärte dieser damals knapp. Doch jetzt, nach der Europawahl, spitzt sich der Streit zu – und Sebastian Frankenberger kündigt im Gespräch mit unserer Zeitung Konsequenzen an.

Sie sind das bekannteste Gesicht der ÖDP. Jetzt zieht der relativ unbekannter Münchner Klaus Buchner ins EU-Parlament ein. Warum waren Sie nicht der Spitzenkandidat für die Europawahl?

Das hat zwei Gründe. Ich wurde gefragt, ob ich als Bundesvorsitzender weitermachen würde, wenn ich ins Europa-Parlament komme. Das habe ich klar verneint, ich will meine Energie zu 100 Prozent auf eine Aufgabe konzentrieren. Einige konnten mich aus diesem Grund nicht wählen, weil sie wollten, dass ich als Parteichef mit der Umstrukturierung und Professionalisierung der Parteiorganisation weitermache. Die zweite Sache ist, dass es ein Grüppchen gab, das geschickt Fäden gezogen hat, um mich zu verhindern.

Ein Komplott? Warum? Und wer sind denn Ihre Gegner?

Das waren größtenteils meine politischen Ziehväter, die mich in die Partei gebracht haben, die ich im Laufe des Nichtraucherschutz-Volksbegehrens mehr oder weniger überholt habe. Da habe ich Fehler gemacht, aber auch andere. Die Gräben, die entstanden sind, sind anscheinend einfach nicht mehr zu überwinden. Ich habe immer wieder versucht, durch Gespräche eine Lösung zu finden. Das fruchtet nicht. Bislang habe ich nach außen und auch nach innen viel auf mich genommen und mich stark zurückgehalten, auch, um die Motivation in der Partei nicht zu schwächen. Jetzt sind die Wahlen vorbei.

Und jetzt, wo Sie es von Listenplatz zwei nicht ins EU-Parlament geschafft haben, rechnen Sie mit ihren Parteikollegen ab?

Es war von vornherein klar, dass wir – wenn überhaupt – nur einen Sitz holen werden. Das hat mich nicht enttäuscht. Nachdenklich stimmt mich eher, dass wir kein besseres Ergebnis haben, obwohl die Drei-Prozent-Hürde weggefallen ist. Was mich momentan mehr bewegt, ist, wie es bei uns parteiintern in den letzten eineinhalb Jahren gelaufen ist.

Was ist denn konkret „gelaufen“?

Zum Beispiel wurde mir mehrfach gesagt, dass ich in meiner Heimatstadt Passau nichts mehr zu suchen habe und mich angeblich 80 Prozent der Passauer hassen.

Dort war Ihr Gesicht ja weder auf Plakaten für die Landtagswahl noch für Europawahl zu sehen...

Ja, ich war nicht plakatiert. Für die Plakatierung ist der Kreisverband verantwortlich. Da kann man sich seinen Teil denken, wenn der Bundesvorsitzende, der auf Platz 2 der Liste kandidiert, nirgendwo auf einem Plakat auftaucht. Mehr brauche ich nicht zu sagen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Der Burgfrieden ist vorbei, die Probleme werde ich offen ansprechen. Dennoch hege ich keinen Groll, ich glaube, dass alles seinen Sinn hat, auch wie die letzten Jahre gelaufen sind. Ich habe beschlossen, dass ich mich jetzt vorerst aus der aktiven Parteiarbeit zurückziehe. Ich werde überdenken, wo ich meine Energie künftig reinstecken möchte. Ob ich mich im Herbst noch einmal zur Wahl des Bundesvorsitzenden stelle? Derzeit glaube ich das eher nicht.

Gehen Sie vielleicht zu einer anderen Partei?

Ich frage mich schon auch, ob eine Partei oder Parteiarbeit überhaupt das Richtige für mich ist. Ich habe in den vergangenen Jahren so viel Energie in Innerparteiliches investiert, um dort zu reformieren und zu kitten. Ich arbeite eigentlich lieber sachorientiert. Vielleicht hat unser Parteiensystem ausgedient, vielleicht haben Volksbegehren mehr Zukunft oder ich werde eher in der Jugendarbeit gebraucht, um von unten in der Gesellschaft etwas zu verändern. Ich bleibe auf jeden Fall engagiert.

Interview: Carina Lechner

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