Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, spricht im Rahmen der Wien-Wahl im Rathaus
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Sebastian Kurz ist Bundeskanzler von Österreich und Parteiobmann der Neuen Volkspartei

Der Bundeskanzler von Österreich im Überblick

Leben und Karriere von Sebastian Kurz 

Sebastian Kurz zwischen Politik und Familie – Das Leben und die Karriere des Bundeskanzlers von Österreich

  • Sebastian Kurz ist Bundeskanzler von Österreich und Parteiobmann der Neuen Volkspartei.
  • Er wurde bereits 2017 zum ersten Mal ins Amt gewählt, musste nach einem Misstrauensvotum aber den Posten räumen, bevor er 2020 erneut gewählt wurde.
  • Privat ist der junge Politiker, der mit seinem Alter bereits jetzt Geschichte schrieb, mit seiner Jugendliebe Susanne Thier glücklich.

Der österreichische Politiker Sebastian Kurz wurde am 27. August 1986 in Wien geboren und ist heute Bundeskanzler der Republik Österreich und Obmann der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Mit seinem Amtsantritt im Alter von nur 31 Jahren ging er als jüngster Bundeskanzler des Landes in die Geschichte ein.

Politisch steht Kurz für Neuanfänge, Reformen und einen jungen, frischen Wind. Genauso wird er aber wegen seiner Kontrollsucht der Medien, seiner Selbstdarstellung und auch Vorfällen wie der Ibiza-Affäre kritisiert. Aktuell regiert er nach dem Bruch der türkis-blauen Regierung durch den Skandal mit der ersten türkis-grünen Regierung Österreichs.

Sebastian Kurz: Kindheit und Ausbildung

Sebastian Kurz wuchs als Sohn des Ingenieurs Josef Kurz und der Lehrerin Elisabeth Kurz auf. Von 1992 bis 1996 besuchte der Junge eine Volksschule in Wien-Liesing, verbrachte einen Großteil seiner Ferien aber bei seinen Großeltern in Zogelsdorf in der Gemeinde Burgschleinitz-Kühnring. Seine Großmutter mütterlicherseits, Magdalena Müller, war 1944 im Krieg aus dem heutigen Serbien dorthin geflohen und hatte den Landwirt Alois Döller geheiratet. 2017 bekam Kurz von der Gemeinde den Titel des Ehrenbürgers verliehen.

Dass seine Großmutter selbst einmal ihr Zuhause verlassen und in ein anderes Land fliehen musste, prägte auch die Kindheit des jungen Kurz. Seine Familie nahm deshalb in den 90er-Jahren eine Flüchtlingsfamilie aus Jugoslawien auf mit dessen Kindern der Politiker gemeinsam aufwuchs und spielte.

Als Jugendlicher besuchte Kurz das Bundesgymnasium und Realschulgymnasium Erlgasse in Wien, das er 2004 mit der Matura, dem österreichischen Abitur, abschloss. Bis 2005 leistete er danach seinen Präsenzdienst beim Militär, bevor er an der Universität von Wien Rechtswissenschaften studierte. Das Studium brach er allerdings ab und wandte sich stattdessen unter der Anleitung seines Mentors Markus Figl der Politik zu.

Sebastian Kurz‘ politische Laufbahn und Ämter

Bereits 2003 wurde der spätere Bundeskanzler Österreichs Mitglied der Jungen Volkspartei (JVP) in Wien, dessen Vorsitz er 2008 übernahm. 2009 wurde er außerdem zum Bundesobmann, also zum Bundesvorsitzenden, der Jugendpartei gewählt. Das Wahlergebnis gewann er damals mit 99% der Stimmen. Bis 2011 führte Sebastian Kurz das Amt des Landesobmanns der JVP in Wien aus und übergab es dann an seinen Nachfolger Stefan Schnöll. Bundesobmann der JVP bleib er bis 2017, als er Obmann der Hauptpartei ÖVP wurde.

Schon im Jahr 2011 wurde Kurz zum Staatssekretär im Bundesministerium für Inneres ernannt. In dieser Position arbeitete er vor allem darauf hin, den Dialog mit Religionsgemeinschaften für eine bessere Integration auszubauen. Er schlug auch Maßnahmen wie ein weiteres Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachdefiziten als Unterstützung für Einwanderer-Familien vor und setzte sich für die Religionsfreiheit und den Ausbau von Deutschkursen ein. Den Posten als Staatssekretär hatte er bis Ende 2013 inne und wechselte dann in das Amt des Bundesministers für europäische und internationale Angelegenheiten.

Ende Februar 2014 verließ er auch dieses Amt und übernahm stattdessen den Job als Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres. Damals war Kurz erst 27 Jahre alt und somit der jüngste Außenminister in der Geschichte des Landes. In seiner politischen Arbeit war ihm vor allem eine gute Beziehung zum Westbalkan, der Heimat seiner Großmutter, und zu Israel wichtig. Seinen ersten Auslandsbesuch in seiner Position als Außenminister absolvierte Sebastian Kurz deshalb in Kroatien und kurz danach in Belgrad.

Sebastian Kurz‘ erste Amtszeit als Bundeskanzler

Bereits einige Jahre vor seiner tatsächlichen Kandidatur wurde gemunkelt, dass sich Sebastian Kurz in den kommenden Jahren in Richtung Bundeskanzleramt bewegen würde. Nachdem sich der vorherige Parteiobmann Reinhold Mitterlehner 2016 sowohl innerparteilich als auch mit seiner Bundespolitik Konflikten gegenübersah und die Partei in Umfragen auf unter 20% gesunken war, entschloss sich die Partei, stattdessen auf Kurz zu setzen. Als Mitterlehner am 10. Mai 2017 sowohl von seinem Amt als Parteiobmann als auch als Minister und Vizekanzler zurücktrat, wurde Kurz sein Nachfolger als Parteivorsitzender.

Den Posten als Vizekanzler lehnte er aber ab, stattdessen kandidierte er bei der kommenden Nationalratswahl in Österreich am 15. Oktober 2017 direkt für den Posten des Bundeskanzlers. Mit 31,5% der Stimmen gewann die ÖVP, die sich nun „Liste Sebastian Kurz – Die neue Volkspartei“ nannte, die Wahl und bildete nach Koalitionsgesprächen mit der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) eine gemeinsame Regierung. Am 18. Dezember wurde Kurz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen offiziell zum Bundeskanzler ernannt und angelobt. Damals war der Politiker gerade einmal 31 Jahre alt und somit nicht mehr nur der jüngste Außenminister in der Geschichte Österreichs, sondern auch mit großem Abstand der jüngste Bundeskanzler.

Sebastian Kurz‘ zweite Amtszeit als Bundeskanzler

Von seinem Amt musste sich Sebastian Kurz aber nach nur 1,5 Jahren zunächst schon wieder verabschieden. Seine Koalitionsregierung von ÖVP und FPÖ zerbrach im Mai 2019, als ein Video veröffentlicht wurde, das den damaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und den Nationalratsabgeordneten Johann Gudenus (FPÖ) bei korrupten Verhandlungen mit einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen zeigten. So war herausgekommen, dass die beiden Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs Korruption und Gesetzeswidrigkeiten zu Gunsten der Pateifinanzierung nicht abgeneigt waren, woraufhin beide am nächsten Tag den Rücktritt von ihren Ämtern verkündeten. Nach Rücksprache mit Van der Bellen erklärte Sebastian Kurz außerdem, dass die Koalition beendet sei und am 28. Mai enthob der Bundespräsident nach einem Misstrauensvotum durch den Nationalrat sämtliche Regierungsmitglieder, inklusive Kurz, ihren Ämtern. Der Vorfall wurde von den Medien auch als „Ibiza-Affäre“ bezeichnet.

Der ehemalige Vizekanzler Hartwig Löger (ÖVP) sprang zunächst als Bundeskanzler ein und übernahm kurzzeitig den Vorsitz in der Bundesregierung, bevor am 30. Mai die Juristin und parteilose Politikerin Brigitte Bierlein als Bundeskanzlerin der Übergangsregierung eingesetzt wurde. Am 29. September 2019 erfolgte eine vorgezogene Nationalratswahl, bei der die FPÖ eine Vielzahl von Stimmen, knapp 10%, einbüßte. Die ÖVP hingegen gewann das Vertrauen der österreichischen Wähler und bekam 6% mehr Stimmen als noch 2017. Ebenfalls ein Gewinner der Misere waren die Grünen, die es 2017 nicht in den Nationalrat schafften, 2019 aber mit 13,90% der Stimmen viertstärkste Kraft waren und schließlich mit der ÖVP die neue Regierungskoalition, die erste türkis-grüne auf Bundesebene, unter Kurz bildeten. Am 7. Januar wurde Sebastian Kurz wieder als Bundeskanzler angelobt.

Sebastian Kurz: Erfolge, Kritiken und politische Positionen

Insgesamt kann Sebastian Kurz‘ gesamte politische Karriere in seinem jungen Alter als Erfolg gewertet werden. Dennoch musste er auch schon einige Kritik über sich ergehen lassen. Er gilt als Wahltaktiker und Kontrollfreak, der zum Beispiel seine Fangemeinde im Notfall auch mal ein wenig größer darstellt als sie ist. Außerdem kam er wegen weitreichender anonymer Datenvernichtung, unerlaubten Großspenden und zum Beispiel wegen eines Gesetzentwurfes seiner Partei, der das heimliche Filmen in Tierfabriken im Zuge von investigativem Journalismus gegen Tierquälerei bestrafen sollte, schon oft negativ in die Schlagzeilen.

Politisch hat er aber auch schon einige Meilensteine für seine Partei erreicht. Durch die Koalition mit den österreichischen Grünen baute er zum Beispiel eine Regierung auf, die einen Schwerpunkt auf Klimaschutz und Wirtschaftspolitik legt. Außerdem konnte er durch diese bisher nie dagewesene Koalition das Image seiner Partei, sich auch mit rechten Parteien zu verbinden, ausbessern.

Generell steht Sebastian Kurz politisch für Neuanfänge. Bereits als Außenminister schaffte er die Kernwaffen ab und 2018 führte er eine Digitalsteuer für die Finanzierung einer Steuerreform ein. Außerdem sprach er sich gegen die Kürzung von kleinen und normalen Renten aus, will aber die großen Privileg-Renten einschränken und angleichen. Gleichstellen will er darüber hinaus Arbeiter und Angestellte und die Arbeitszeiten sollen flexible werden. Noch in seinem ersten Kabinett mit der FPÖ als Koalitionspartner führte er die lange umstrittene Flexibilisierung der Arbeitszeit ein, nach der die tägliche Höchstarbeitszeit unter bestimmten Bedingungen auf bis zu 12 Stunden angehoben werden kann.

Ein großer Kritikpunkt an Kurz‘ Politik ist seine Regulierung der Kommunikation mit den Medien. Die Mitteilungen von Regierung und Ministern an Presse und Journalisten werden in Österreich seit Kurz kontrolliert, reguliert und vereinheitlicht, sodass kein Regierungsmitglied durch individuelle Positionen aus der Reihe tanzen kann. Diese Methoden der sogenannten „Message Control“ werden von den Medien stark kritisiert und Einflussnahme auf die Berichterstattung empfunden.

Sebastian Kurz: Familie und Privatleben

Privat ist Sebastian Kurz glücklich mit seiner Jugendliebe Susanne Thier, die er bereits aus der Schulzeit kennt und auch schon genau so lange liebt. Das Paar lebt gemeinsam in Meidling, einem Vorort von Wien. Verheiratet sind die beiden noch nicht, aber eine Hochzeit wolle der Bundeskanzler schon irgendwann einmal feiern – wenn auch nur im kleinen Kreis. Mit der Familienplanung will sich da Paar allerdings noch ein wenig Zeit lassen und die jeweiligen Karrieren verfolgen. Thier arbeitet als Wirtschaftspädagogin beim Finanzministerium und ist als Kommissärin Beamte im öffentlichen Dienst.

Zum Rest der Familie hat der junge Politiker ein gutes Verhältnis. Er besucht noch immer regelmäßig seine Großeltern, geht gern mit seinem Vater radeln oder spielt mit seinen Freunden Tennis. Eine besondere Bezugsperson aus der Familie ist für Kurz auch seine Cousine Marlene, mit der er gemeinsam aufwuchs und die ihm als Einzelkind eine Art Geschwisterersatz war.

In den sozialen Medien, wie zum Beispiel auf seinem Instagram-Profil hält der Bundeskanzler seine etwa 350.000 Abonnenten über seine politische Arbeit auf dem Laufenden. Er postet dort zum Beispiel Videos von seinen Reden, Einblicke in seine beruflichen Termine, aber auch Nachrichten und Apelle an das österreichische Volk. Nach dem blutigen Attentat in Wien Anfang Oktober 2020 teilte der Staatschef seinem Volk über den sozialen Kanal zum Beispiel mit, dass er mit seiner Politik weiter für den Frieden kämpfen und dass Österreich dem Hass keinen Raum geben werde. Er betonte gegenüber seinen Followern auch, dass es sich nicht um einen Konflikt von Religionen handele, sondern um einen Konflikt von Menschen, die Krieg wollen, und Menschen, die den Frieden bewahren wollen.

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