Corona in Österreich: Kanzler Sebastian Kurz will mit Selbstests den Weg aus der Krise finden.
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Corona in Österreich: Kanzler Sebastian Kurz will mit Selbstests den Weg aus der Krise finden.

Österreichs Kanzler im Merkur-Interview

Kanzler Kurz rät den Deutschen: Mehr testen, weniger zögern - und bitte keine Grenzkontrollen mehr

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Österreichs Kanzler Sebastian Kurz rät Deutschland im Merkur-Interview, sich an seiner Corona-Strategie zu orientieren. Er verlangt die weitestmögliche Rückkehr zur Normalität für Geimpfte, Genesene und Getestete.

München – Deutschland berät, Österreich macht’s einfach: So ist die Lage bei den neuen Schnelltests und Selbsttests gegen Corona*. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur erklärt Bundeskanzler Sebastian Kurz (34, ÖVP) sein Konzept, Massentests anzubieten und dafür trotz noch hoher Inzidenzen Teile von Schulen und Handel zu öffnen. „Unser Motto lautet: Testen, testen, testen, und dafür mehr an Freiheit.“ Österreich mit neun Millionen Einwohnern führe nun jede Woche über 2,5 Millionen Tests durch – in Schulen, Betrieben, in Teststraßen im ganzen Land. Mittlerweile gibt es laut Kurz in Apotheken auch gratis Selbsttests für Zuhause.

Kurz: Selbsttests für Schulen - jedes Kind wird zweimal pro Woche getestet

Die Selbsttests kommen auch an Schulen zum Einsatz. Ein negativer Test gilt 48 Stunden, sagt Kurz im Interview. Zweimal pro Woche werde jedes Schulkind getestet. „Tests am Montag und am Mittwoch ermöglichen uns vier Werktage sicheren Schulbetrieb.“ Kurz betont, anfangs habe es dagegen auch heftige Widerstände gegeben.

Die rechtsgerichtete FPÖ habe von „Zwang“ und „Ständestaat-Methoden“ gesprochen. Kurz kontert: „Mittlerweile werden die Tests sehr gut angenommen. Weil sie uns trotz Pandemie mehr Freiheit geben. Es funktioniert, am Markt sind genügend Tests verfügbar, und 99 Prozent der Eltern unterstützen die Test-Aktion.“

Kurz für Gratis-Tests: „Jeder Tag Lockdown kostet mehr als unendlich viele Tests“

Österreichs Regierungschef rät dazu, die Tests kostenlos anzubieten. „Jeder Tag Lockdown kostet mehr als unendlich viele Tests. Für uns war die Entscheidung einfach: Wir bieten die Tests gratis an und sind jedem Bürger dankbar, der sich testen lässt.“

Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag will Sebastian Kurz den zweiten Teil seines Lockerungsplans vorlegen. Er verlangt einen digitalen Impfpass, der in ganz Europa gilt. „Wir brauchen wieder ein Europa, in dem der Binnenmarkt funktioniert, in dem sich jeder frei bewegen kann, geschäftlich oder für den Urlaub“, sagt der ÖVP-Politiker. „Die Menschen mussten jetzt schon ein Jahr lang extrem viel ertragen. Sie wollen zurecht eine Perspektive, wann man auch wieder Kultur, Sport, Gastronomie genießen kann.“ Sein Plan: ein EU-weiter digitaler grüner Pass, „wo jeder mit dem Handy einfach nachweisen kann, ob er geimpft*, genesen oder frisch getestet wurde. Damit sollte man überall vollen Zutritt haben.“

Corona in Österreich und Deutschland: Kurz argumentiert gegen Grenzkontrollen

Kurz muss da noch die deutsche Kanzlerin überzeugen, dem Vernehmen nach gibt es auch Widerstände in Frankreich. Der Bundeskanzler sagt uns: „Es gibt da und dort noch etwas Skepsis. Ich glaube, dass es ein sinnvolles Projekt für Europa ist. Wenn das nicht gelingt, werden wir das national in Österreich umsetzen.“

Noch etwas schreibt der Österreich-Chef den Deutschen* ins Aufgabenheft: Er argumentiert deutlich gegen Grenzschließungen und –kontrollen. Ein Sicherheitsnetz mit Masken und Tests sei sinnvoll. „Aber Maßnahmen, die dazu führen, dass der Binnenmarkt gefährdet wird, Menschen nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz kommen und Familien auseinandergerissen werden, halte ich nicht für sinnvoll. Ich hoffe, dass Europa bald ein einheitliches Vorgehen an den Grenzen zustande bringt.“ - Christian Deutschländer - *Merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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