Bundeskanzler von Österreich: Sebastian Kurz von der ÖVP.
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Bundeskanzler von Österreich: Sebastian Kurz von der ÖVP.

Kanzler als „Brückenbauer“

„Schlichtweg absurd“: Kurz bekommt am Tegernsee „Freiheitspreis der Medien“ - Kritiker toben

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Der „Freiheitspreis der Medien“, vergeben von einem deutschen Verlag, soll an Sebastian Kurz gehen. Die Jury würdigt Österreichs Kanzler als Brückenbauer - Kritiker zeigen sich aber fassungslos.

Wien - Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erhält in Deutschland einen „Freiheitspreis“: Der „Freiheitspreis der Medien“ wird beim jährlichen „Ludwig-Erhard-Gipfel“ am Tegernsee an den österreichischen Bundeskanzler verliehen. Die Jury lobte in ihrer Begründung Kurz als „Brückenbauer“. Bei Kurz‘ Kritikern in Österreich stieß die Wahl allerdings auf teils herbes Unverständnis.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch bezeichnet die Preisvergabe am Donnerstag als „schlichtweg absurd“: Er wolle daran erinnern, dass Kurz „die unabhängige Justiz am laufenden Band attackiert, Medien unter Kontrolle bringen möchte und nicht einmal davor zurückschreckt, der Kirche unverhohlen zu drohen“. Österreich sei zuletzt gar im Ranking zur Lage der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Platz 18 abgerutscht. 

Das österreichische Portal zackzack.at verwies in einem Artikel auf eine Nähe des Verlegers der veranstaltenden Weimer Media Group (WMG), Wolfram Weimer, zur ÖVP. Der Verleger sei unter anderem im April 2019 bei einer ÖVP-Veranstaltung zu Gast gewesen und habe dort vom „Comeback der Bürgerlichen“ gesprochen, begründete die Webseite ihre These. In jedem Fall hatte Weimer schon vor Jahren Kurz als cleveren Politiker in der Pose des Demokratieverteidigers gelobt - im Magazin TheEuropean, das der Verleger herausgibt. Der Journalist war in der Vergangenheit unter anderem als Chefredakteur von Welt und Cicero tätig.

Sebastian Kurz: „Freiheitspreis der Medien“ für Österreichs Kanzler - „Lager konstruktiv eingebunden“

Die Jury lobte Kurz in ihrer Vergabe-Begründung naturgemäß. „Schon als Integrationsminister setzte sich Kurz frühzeitig für eine ausgleichende Migrationspolitik ein und gründete den Österreichischen Integrationsfonds. Als Außenminister suchte er einen Ausgleich der zunehmenden Spannungen innerhalb der Europäischen Union“, hieß es in der Begründung. Auch innenpolitisch sei es Kurz „gelungen, lange verfeindete politische Lager in unterschiedlichen Regierungskoalitionen demokratisch konstruktiv einzubinden“.

Der ÖVP-Politiker hatte zunächst eine Koalition mit der rechtspopulistischen FPÖ angeführt. Nach dem Scheitern des Bündnisses im Zuge der Ibiza-Affäre und Neuwahlen schmiedete er ein Bündnis mit den Grünen. Auf EU-Parkett hatte Kurz im vergangenen Jahr wiederholt für Aufsehen gesorgt - etwa mit starkem Widerstand bei Corona-Hilfen und einem Impfstoff-Bündnis mit mehreren osteuropäischen Ländern.

Kurz soll die Auszeichnung am 11. Mai auf dem von der WMG veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel erhalten, der in diesem Jahr wegen der Corona-Krise als Fernseh- und Streamingformat in den Bavaria Filmstudios in München stattfindet. Die Laudatio soll der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis halten. „Mit Sebastian Kurz würdigen wir einen Brückenbauer Europas und Kommunikator der Freiheit“, betonten die WMG-Verleger Christiane Goetz-Weimer und Wolfram Weimer.

Sebastian Kurz: Preisverleihung für Österreichs Kanzler am Tegernsee - Söder und Lindner dabei

Normalerweise findet der Ludwig-Erhard-Gipfel immer am Tegernsee statt. Unter den geladenen Gästen in diesem Jahr sind unter anderem auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und FDP-Chef Christian Lindner.

Vor Kurz haben bereits Michail Gorbatschow, Reinhard Kardinal Marx, Christian Lindner, Jens Weidmann, Jean-Claude Juncker und Fürst Albert II. von Monaco den Preis erhalten.

Der Preis wird in diesem Jahr zum siebten Mal verliehen und geht immer an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in besonderer Weise für die freie Meinungsäußerung, das gesellschaftliche Miteinander, den politischen Dialog und die Demokratie einsetzen. (fn/dpa)

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