+
CSU-Chef Horst Seehofer: "Wir werden nur mit Angela Merkel diesen Wahlkampf gewinnen." Foto: Tobias Hase

"Gewinnen nur mit ihr"

Seehofer: Angela Merkel ist unser größter Trumpf

Er kann auch anders. Nach erbitterten Vorwürfen und Drohungen wegen der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin schaltet der CSU-Chef jetzt auf Lob und Anerkennung. Er meint: Sie soll so bleiben, wie sie ist.

Berlin (dpa) - CSU-Chef Horst Seehofer hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trotz der tiefgreifenden Auseinandersetzung mit ihr um die Flüchtlingspolitik als größten Trumpf der Union bezeichnet: "Wir werden nur mit Angela Merkel diesen Wahlkampf gewinnen."

"Das ist unser größter Trumpf. Und mit niemandem sonst", sagte Seehofer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Das sage ich als jemand, der auch die ein oder andere Debatte mit ihr hat."

Man müsse ihre wichtige Funktion in einer aufgewühlten Welt als "Stabilisator, als Führungskraft gegenüber den Amerikanern und anderen, insbesondere auch in Europa sehen". Er fügte hinzu: "Und innenpolitisch kann sie ja für sich reklamieren, dass es Deutschland noch nie so gut ging wie in der Gegenwart." In der Geschichte der Bundesrepublik habe es nie eine bessere wirtschaftliche Lage gegeben.

Das heiße nicht, dass es nicht auch künftig einmal unterschiedliche Auffassungen geben werde wie etwa über die CSU-Forderung nach bundesweiten Volksentscheiden. "Da werden wir ein bisschen Schwierigkeiten haben, zu einer gemeinsamen Auffassung zu kommen. Aber ansonsten funktioniert das jetzt sehr gut."

Er betonte, die Union wolle Wähler zurückgewinnen, die sich für die Alternative für Deutschland (AfD) entschieden hätten. "Und deshalb glaube ich, kann es überhaupt keine Diskussion geben, dass wir nur mit Angela Merkel die Bundestagswahl gewinnen können. Und ich sage Ihnen: Wir werden sie gewinnen." Er könne keine Wechselstimmung zugunsten der SPD feststellen. "Die Wahl im Saarland war ja ein Indiz dafür."

Merkel sei nicht müde oder amtsmüde. "Sie ist in der Früh um zwei Uhr, wenn wie zuletzt der Koalitionsausschuss noch tagt, nach meinem Eindruck noch bedeutsam fitter und konzentrierter als ich zum Beispiel, aber auch als viele andere Teilnehmer. Unheimlich, wie stabil und wie zäh sie ist." Sie sprühe geradezu vor Ideen für den Bundestagswahlkampf. Er betonte: "Sie ist eine authentische Persönlichkeit, und sie sollte auch so bleiben, wie sie ist."

Der Streit um die Zuwanderung sei berechtigt gewesen. "Wir wollen eine Begrenzung der Zuwanderung. Da gab es über die Wege und das Tempo Auseinandersetzungen. Das ist weitgehend überwunden und jetzt arbeiten wir als bürgerliche Parteien gut zusammen", sagte Seehofer.

Der CSU-Chef hatte Merkel im Zuge der Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge 2015 unter anderem mit Verfassungsklage gedroht und ihr eine "Herrschaft des Unrechts" vorgeworfen. Nun sagt Seehofer: "Was mir das Wichtigste ist, aber auch ihr, dass es ehrlich funktioniert. Wir inszenieren jetzt nichts für die Bevölkerung, sondern es ist eine ehrliche Zusammenarbeit, die auch inhaltlich getragen wird."

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„... das stimmt nicht, weil er vor allem Politiker ist“: Putin von Trump nach Treffen überzeugt
Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich am Montag zum mit großer Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki. Wir berichten auch am Tag danach noch über die Nachwehendes …
„... das stimmt nicht, weil er vor allem Politiker ist“: Putin von Trump nach Treffen überzeugt
Wegen Seehofer, Merkel und Söder: FDP-Vize Kubicki rechnet mit herber Niederlage der CSU in Bayern
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht Innenminister Horst Seehofer indirekt für schlechte CSU-Umfragewerte verantwortlich. In der Partei gärt es nach den …
Wegen Seehofer, Merkel und Söder: FDP-Vize Kubicki rechnet mit herber Niederlage der CSU in Bayern
„Ich wurde entführt und nackt ausgezogen!“ Abgeschobener Sami A. erhebt heftige Vorwürfe
Am Freitag wurde der frühere Bin-Laden-Leibwächter Sami A. abgeschoben - trotz gerichtlichen Verbots. Jetzt muss er nach Deutschland zurückgeholt werden. Doch das ist …
„Ich wurde entführt und nackt ausgezogen!“ Abgeschobener Sami A. erhebt heftige Vorwürfe
Kein Treffen von Seehofer mit NRW-Flüchtlingsminister Stamp
Das Gespräch von Seehofer und dem NRW-Flüchtlingsminister war seit längerem geplant. Thema sollten etwa schnellere Asylverfahren sein. Der umstrittene Fall Sami A. hätte …
Kein Treffen von Seehofer mit NRW-Flüchtlingsminister Stamp

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.