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Seehofer bei Putin

Nächstes Treffen

Seehofer bei Putin: 20 Minuten fürs Geschäftliche

Vergangene Woche Ukraine, nun wieder ein Gespräch mit Putin: Horst Seehofers Reiseplan sieht aus wie der eines Staatschefs. Diesmal geht es aber vor allem ums Geschäft.

St. Petersburg - Und wieder sitzen sie nebeneinander, schon zum zweiten Mal in diesem Jahr: Russlands Präsident Wladimir Putin und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Diesmal auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Eine Messehalle, ein großer Raum, Putins Staatsgäste kommen und gehen fast schon im Minutentakt, kurz vor Seehofer war UN-Generalsekretär António Guterres da. Und dann bekommt auch der Ministerpräsident 20 Minuten.

Ausgesprochen gut gelaunt sei Putin gewesen, berichtet Seehofer unmittelbar nach dem Gespräch im kleinen Kreis. „Wir verstehen uns gut. Wir brauchen nicht allzu lange zu reden, um uns zu verstehen.“

Mittler in der Ukraine-Krise?

Keinen anderen ausländischen Staats- oder Regierungschef hat der CSU-Chef in der jüngeren Vergangenheit häufiger getroffen, jedenfalls nicht in den vergangenen Monaten. Im März war er bei Putin in Moskau, wie schon im Februar 2015. Und wenn man weiß, bei wem Seehofer vor einer Woche zu Gast war, könnte man meinen, er zöge Außenpolitik und internationale Krisendiplomatie dem Bundestagswahlkampf zu Hause vor: Da wurde Seehofer vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Kiew empfangen, in dessen Privathaus, mit allem Drum und Dran.

Will Seehofer, als Außenpolitiker bislang eher unerfahren, nun also so etwas wie ein Mittler zwischen Putin und der Ukraine sein? Nein, er wolle seine Position nicht überhöhen, sagte er vorab im Flugzeug.

Ein Deal muss eingefädelt werden

Das Gespräch mit Putin auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg dürfte eine Lösung im Ukraine-Konflikt ohnehin kaum näher bringen. Anlass für das Treffen ist nämlich ein Milliarden-Geschäft: zwischen dem Industriegase- und Anlagenbau-Unternehmen Linde und einem russischen Konzern

Linde soll an einem Petrochemie-Standort in der russischen Teilrepublik Tatarstan eine sogenannte Olefinanlage bauen - einen Anlagenkomplex, in dem Ausgangsstoffe für die Kunststoffherstellung produziert werden. Zuletzt war von einem Auftragsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro die Rede gewesen - Tendenz: ausbaufähig. Denn parallel unterzeichnet Linde gleich noch eine Vereinbarung über eine strategische Zusammenarbeit mit der russischen Unternehmensgruppe, zu der der Auftraggeber gehört.

Seehofers Kurztrip

Wegen dieser Vertragsunterzeichnung ist Seehofer nach St. Petersburg gereist - ein echter Kurztrip: Morgens Abflug in Berlin, nach Ministerpräsidentenkonferenz und Unions-Treffen zum Wahlprogramm am Vortag. Später Vormittag Ankunft in St. Petersburg. Im Eiltempo zum Wirtschaftsforum. Gespräch mit Putin. Vertragsunterzeichnung. Und dann gleich wieder weg, zurück zum Flughafen, zurück nach Bayern. Doch die nächste Reise steht schon fest: Im Herbst will Seehofer mit einer größeren Wirtschaftsdelegation direkt nach Tatarstan reisen.

Den echten Außenminister Sigmar Gabriel, der sich ebenfalls in St. Petersburg angesagt hat, bekommt Seehofer nicht zu Gesicht. Seehofer und seine kleine Delegation, unterwegs in einer kleinen Chartermaschine, sind schon wieder weg, als Gabriel mit der Regierungsmaschine landen soll. Der SPD-Politiker hatte für Freitagabend noch einen Termin beim russischen Präsidenten bekommen.

dpa

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