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Wer wird CSU-Spitzenkandidat? Dobrindt, Herrmann, Seehofer oder doch wer anders?

Die Partei lässt sich Zeit

Seehofer: Dann wird der CSU-Spitzenkandidat benannt

München - Die CSU lässt sich Zeit, um den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu benennen. Chef Horst Seehofer gibt jetzt zumindest ein Datum bekannt.

„Schicksalsschläge“ und „Geduld“ sind für CSU-Chef Horst Seehofer die wichtigsten Begriffe des Jahres. Und mit Blick auf die seit Monaten die Parteibasis nervenden Personalfragen wird zumindest der zweite auch 2017 wichtig bleiben. „Wir führen die Gespräche über unsere Mannschaftsaufstellung für die Bundestagswahl im neuen Jahr, wir schließen das im Mai ab“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München. Derzeit sei es noch viel zu früh dafür. „Wir haben drei Landtagswahlen vor uns bis Mai, die werden die politische Stimmung in Deutschland bestimmen. Und dann gibt es eine ganz neue Phase, mit der Bundestagswahl.“

Am 6. Mai will die CSU dem Vernehmen nach ihre Liste für die Bundestagswahl aufstellen. Aus CSU-Kreisen ist zu hören, dass Seehofer den spätestmöglichen Zeitpunkt nicht schlecht findet. Offen ist jedoch, wer die Spitzenkandidatur übernimmt. Sollte Seehofer keinen Interessenten finden, könnte sein Name am Ende oben stehen.

Seehofer nach Berlin? „Himmel müsste zusammenbrechen“

Erst am Freitag hatte die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf die CDU-Spitze berichtet, Seehofer wolle künftig Bundesinnenminister werden. Dieser dementierte umgehend. Seehofer war bereits viele Jahre Teil der Bundesregierung: unter anderem als Gesundheitsminister und Landwirtschaftsminister. Um wieder nach Berlin zu wechseln, müsste er sein Amt als bayerischer Ministerpräsident noch vor der Wahl 2018 aufgeben. Dies gilt aber als unwahrscheinlich: „Dann müsste schon der Himmel über Bayern zusammenbrechen“, sagte Seehofer etwa noch im Oktober.

Laut Seehofer sind das alles haltlose Spekulationen. „Ich habe noch kein einziges Gespräch geführt, um beantworten zu können, wer was macht. Ich weiß nur: Wir brauchen ein Team von Nationalspielern.“ Neben Seehofer selbst kursieren als potenzielle Kandidaten für den Spitzenposten auch immer wieder die Namen von Finanzminister Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann und - spätestens nach der Einigung zur Pkw-Maut - auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt durch die Gerüchteküche. Öffentlich geäußert hat sich dazu bislang nur Söder, der einen Wechsel nach Berlin kategorisch ablehnt.

Angefacht hat die Personaldebatte auch Seehofer selbst, indem er sich für eine Trennung der Ämter des Parteichefs und des bayerischen Ministerpräsidenten stark macht. Seehofer findet, der CSU-Chef müsse mit Blick auf seinen bundespolitischen Einfluss Mitglied des Berliner Kabinetts sein. Diese Ansicht ist in der CSU nicht unumstritten.

Seehofer: „Wirkungsmacht auch aus München entfalten“

Solange er selbst den Posten des Parteichefs inne habe, sei die Berliner Lösung auch nicht zwingend: „Ich muss, das habe ich jetzt über acht Jahre gezeigt, nicht unbedingt in Berlin sitzen - und strebe das auch nicht an. Aufgrund der Besonderheit meiner politischen Biografie kann ich Wirkungsmacht auch aus München entfalten“, betonte Seehofer und fügte hinzu: „Aber das ist jetzt weder eine Zu- noch eine Absage.“ Fest stehe aber: „Wir brauchen in Berlin Nationalspieler. Regionalliga-Format reicht nicht.“

Kritiker der Ämterteilung führen an, dass ein CSU-Chef als Bundesminister an die Kabinettsdisziplin gebunden sei und deshalb nicht auf Augenhöhe mit CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel agieren könne, lässt Seehofer nicht gelten: „Das ist eine Theorie, die mit der Realität nichts zu tun hat. Wenn ein Parteivorsitzender im Kabinett widerspricht, dann wird es keinen Beschluss geben.“

Neben Söder sind Dobrindt und Herrmann in Seehofers Plan wichtig: „Beide haben ohne Zweifel das Format zum Nationalspieler. Aber das ist alles völlig offen.“ Er sei sich sicher, dass die CSU am Ende „eine gute Lösung“ hinbekomme. „Wir müssen ja nicht auch noch eine Reservebank mit elf Leuten zusammenstellen, sondern es reicht eine Handvoll herausgehobener Politiker und Politikerinnen - die dann aber für jedes wichtige Ressort infrage kommen. Wir brauchen Personen, für die man ein klassisches Ressort einfordern kann.“

Dobrindts Maut-Erfolg

Bei Dobrindt ist die Frage nicht schwer - innerhalb der CSU hat der einstige Generalsekretär durch die Pkw-Maut viel Reputation zurück gewonnen. Ob er jedoch auch das Format zum Parteichef hat, sieht die Basis eher skeptisch. Dobrindt habe sich zu sehr von Bayern entfernt und entfremdet, heißt es etwa in der Landtagsfraktion. Auch Herrmann genießt ein hohes Ansehen, bei der CSU-Basis wie der CDU-Spitze.

Sollte Seehofer niemanden für den von ihm gewünschten organischen Generationswechsel finden, müsste er wohl selbst über 2018 hinaus weitermachen - notfalls als Doppelspitze. „Ich hinterlasse kein Scherbengericht, sondern ich möchte den Erfolg weitergeben.“

dpa

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