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In den höchsten Tönen spricht Horst Seehofer von dem Niederbayern Manfred Weber (r.).

Lob für Europaabgeordneten

Seehofer entdeckt den Anti-Gauweiler

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München - In den höchsten Tönen spricht Horst Seehofer von dem Niederbayern Manfred Weber - und der ist immerhin CSU-Europaabgeordneter. Er trete in die Fußstapfen der großen CSU-Europäer, so Seehofer.

Für einen Moment gerät Horst Seehofer in ungewohnte Schwärmerei. „Es ist“, sagt der CSU-Chef, „ein un-heim-lich schönes Gefühl“. Was ihn so freut, sind seine Europaabgeordneten – ausgerechnet jene Gruppe, die ihm früher eher unheimliche als schöne Gefühle bescherte. Unter der „Brüsseler Käseglocke“ würden bayerische Interessen nicht mit genug Nachdruck vertreten, grollte man jahrelang an hoher Stelle in München. Farblos und blass sei die Truppe. Alles vorbei – jetzt stehen die Brüsseler Parlamentarier bei Seehofer ganz hoch im Kurs.

Vor allem Manfred Weber soll die prägende CSU-Figur in Europa sein, machte Seehofer bei einem gemeinsamen Auftritt in München deutlich. Der neue Fraktionschef der Konservativen im Parlament, fast einstimmig gewählt, trete „in die Fußstapfen der großen CSU-Europäer“ Strauß, Waigel, Stoiber: „Und das bei einem Politiker, der gerade mal die 40 überschritten hat.“

Die Hymnen sind eine späte Genugtuung für Weber, der mit dem Wahlkampf dieses Jahr schwer gehadert hat. Er ist ein überzeugter Proeuropäer, eher still, doch international eng vernetzt. In der CSU dominierte aber lange der EU-kritische Gegenkurs rund um den von Seehofer ins Amt gehievten Parteivize Peter Gauweiler. Ungehört blieb Webers Flehen, die CSU solle weniger schimpfen und nörgeln und mehr auf ihre Gestaltungskraft verweisen. Sogar in Passau, der Heimat des 42-Jährigen, durfte Gauweiler beim Aschermittwoch in Seehofers Auftrag über die EU-„Flaschenmannschaft“ herziehen. Webers Zähneknirschen wurde nur mühsam vom Gläserklirren der Maßkrüge übertönt.

Nach der 40-Prozent-Klatsche vom Wahlabend hat sich in der CSU die Stimmung gedreht. Jetzt ist Weber plötzlich hipp. Er passt Seehofer mehrfach gut ins Konzept. Der Parteichef bemüht sich, die Personalie Gauweiler vergessen zu machen – war da was? Das Spitzenamt für Weber, auf höchster Ebene mit der Kanzlerin und den Staatschefs ausgekartelt, kann zudem über die Schrumpfung der CSU hinwegtäuschen, die statt acht nurmehr fünf Abgeordnete stellt – nicht mal ein Prozent im Parlament. Das hilft auch bei den Inhalten: Immerhin spricht sich die konservative Fraktion nach nur sechs Wochen unter Weber nun gegen eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei aus, für den Stoiber-Bürokratieabbau und gegen jede Aufweichung des Stabilitätspakts.

Nicht zuletzt trifft sich die Beförderung mit Seehofers Idee, die CSU solle mehr außenpolitisches Profil zeigen. „Es ist ein Vorteil für uns, wenn man gestalten kann“, sagt Seehofer, der Satz könnte auch von Weber sein. Der CSU-Chef will den Parteitag im Winter zur Hälfte mit Außenpolitik gestalten, er ordnet die internationalen Gremien neu und will zu den Europäern kommen. „Eine Reise nach Brüssel“, verspricht Seehofer für Herbst, „ein paar Tage, nicht nur hin und weg.“ Für die CSU-Abgeordneten, die Seehofer dort jahrelang nie zu Gesicht bekamen, sicher ein un-heim-lich schönes Gefühl.

Christian Deutschländer

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