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Nach langem Schweigen rügt Fraktionschef Thomas Kreuzer die Huber-Abrechnung mit dem Regierungschef Horst Seehofer: „Die Debatte zur Unzeit schadet uns allen“.

Nach Huber-Abrechnung

Seehofer: Flankenschutz aus der Fraktion

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München - Nach langem Schweigen rügt Fraktionschef Thomas Kreuzer die Huber-Abrechnung mit dem Regierungschef Horst Seehofer: „Die Debatte zur Unzeit schadet uns allen“.

„Diese ganze Personenbeschreibung“, brummt Horst Seehofer, „hat mit der Realität nichts zu tun.“ Hinter ihm huscht in diesem Moment Erwin Huber vorbei, breit grinsend. Von ihm kommt die Personenbeschreibung, die eines autokratischen, wendigen, umstrittenen Ministerpräsidenten, der mit „Befehl und Gehorsam“ herrsche. Zum ersten Mal seit der herben Abrechnung Hubers mit seinem Intimparteifeind per „Spiegel“-Interview treffen die beiden im Landtag aufeinander. Seehofer nutzt den Tag zum Gegenschlag.

In der Sitzung der Landtagsfraktion, wo Huber brav in der letzten Reihe ausharrt, ergreifen erst Fraktionschef Thomas Kreuzer und dann Seehofer selbst das Wort. Kreuzer, der eine halbe Woche in der Debatte über Seehofers Führungsstil geschwiegen hatte, schlägt sich nun auf die Seite des Regierungschefs. „Eine Personaldebatte zur Unzeit schadet uns, der Partei und der Fraktion“, zitieren ihn Zuhörer. Kreuzer redet den Abgeordneten ins Gewissen, dass sie Seehofer die Alleinregierung zu verdanken hätten – das maue Europawahl-Ergebnis hin oder her.

Die Sitzung der Landtagsabgeordneten hat für Seehofer strategisch hohe Bedeutung. Die Fraktion gilt als Machtzentrum der CSU – über Wohl und Wehe Seehofers wird einmal hier entschieden werden. Er ergreift deshalb auch selbst das Wort, warnt vor weiteren Debatten. Und erklärt Gerüchte, er wolle 2017 Alexander Dobrindt an die Parteispitze rücken, zum „totalen Quatsch“. Die Abgeordneten reagieren mit sehr viel Beifall, wird übereinstimmend berichtet.

Seehofer versucht an diesem Tag eine Doppelstrategie: Vertraute sollen sich für ihn aussprechen. Kreuzer eben, am Vortag Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt; aber auch Generalsekretär Andreas Scheuer soll demnächst zu einem Frühstück in die Fraktion kommen (was früher für Generale selbstverständlich war). Dass das Kabinett am Vortag Seehofers Ausführungen zu Huber wortlos angenommen hatte, deutet Seehofer auch als Geste: „Zustimmendes Schweigen ist eine besondere Form der Souveränität.“

Gleichzeitig gibt sich Seehofer nach außen möglichst gelassen. „Des dauert jetzt noch a paar Tage“, spielt er die Stil-Debatte herunter. Es seien ja noch ein paar potenzielle Kritiker da, die sich über ihn äußern könnten. „Der überragende Wunsch aller“ sei aber, „dass wir unsere Arbeit machen“. Ob er sich ändern müsse, fragen ihn Journalisten: „Ich bin so, wie Sie mich kennen.“ Und er bleibe so.

Der Name „Huber“ fällt in all diesen Sitzungen nie. Der Ex-CSU-Chef nimmt die Ansprachen ebenso gelassen hin. Er betont, auch aus der Parteibasis viel Unterstützung und viel Kritik zu erfahren.

Am 28. Juni trifft sich der CSU-Vorstand in München zur eintägigen Klausur. Seehofer will bis dahin auch Vorschläge zu einer Parteireform abwägen. Die Zukunftskommission soll neu formiert werden und binnen zwei, drei Jahren ein neues Grundsatzprogramm vorlegen. Ein Arbeitskreis „Integration“ soll die Parteiarbeit verbreitern. Seehofer will zudem die CSU-Kommunikation modernisieren, was vor allem für den „Bayernkurier“ einschneidend ausfallen könnte.

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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