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Der CSU-Mann für die leiseren Töne: Vize-Generalsekretär Markus Blume.

Vize-General Markus Blume

Seehofer hält große Stücke auf ihn: Er könnte das neue CSU-Sprachrohr werden 

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Im CSU-Personal-Nebel hoffen viele auf einen Aufstieg. Die meisten wohl vergeblich. Der Münchner Markus Blume kann hingegen mit einerBeförderung rechnen. Kleines Problem dabei: Seehofer und Söder wollen ihn jeweils für sich.

München – Für viele in der CSU wäre das ein Hochamt, für ihn sollte man es etwas diplomatischer eine „Herausforderung“ nennen. Schlussredner in Passau, die Aschermittwochshalle zwischen dritter Mass und Bayernhymne nochmal zum Kochen bringen, als Finale die derbsten Grobheiten. „Ja“, beginnt Markus Blume vorsichtig, „liebe Freunde“. Es folgen 17 Minuten, die nicht schlecht sind, aber auch nicht richtig gut. In denen er der Halle in einem Atemzug das Wesen des Konservatismus erklären will und im nächsten, dass alle anderen Parteien Versager sind. Recht viel, recht lang.

Eine Woche ist das nun her, ordentlich über die Bühne gebracht, aber doch bleibt die Erkenntnis: Der Mann fürs Treten und Zetern ist dieser Blume nicht. Der 43-Jährige gilt in der CSU als einer der Nachdenklichen. Ohne Buhei entwickelte er mit einer Kommission 2016 das neue CSU-Grundsatzprogramm, er modernisierte die Eckwerte vorsichtig, machte sich Gedanken über den Wandel in der Gesellschaft und die Reaktion seiner Partei. Er sei ein seltenes Beispiel, dass auch in der CSU jemand „im 21. Jahrhundert angekommen“ sei, lobten ihn die Grünen mal.

Ein vergiftetes Lob, klar, doch auch freundliche Sätze von Parteifreunden brachten Blume lange nichts. In der CSU gilt er seit Anfang des Jahrzehnts als Talent, ging bei Ämtern aber oft leer aus. Weil sonst nichts frei war, ließ Horst Seehofer vor 13 Monaten wenigstens das Amt eines Vize-Generalsekretärs wiederauferstehen – und berief den Münchner wegen dessen „ganz vorzüglicher Arbeit“.

Im Schatten Scheuers hat Blume an Format gewonnen

Vize kann viel sein oder nix, im Fall Blume beides. Um Schlagzeilen, Talkshows, Interviews kümmerte sich der kantige General Andreas Scheuer. Im Schatten gewann Blume aber an Format. Spannend zu beobachten in den Koalitionsverhandlungen: Die Runden mit FDP und Grünen verfolgte er am Fernseher. Nach dem Scheitern rückte er für die Gespräche mit der SPD zumindest in die große Verhandlungsrunde. In der legendären Nacht, als die Koalition abwechselnd stritt, schlief, schniefte und schrie, war Blume schon in den Kreis der obersten vier CSU-Verhandler aufgerückt – endlose Stunden bei der Kanzlerin. Der mit Fremdlob sparsame Seehofer sagt, die Entscheidung, ein Innen- und Heimatministerium zu erfinden und zu greifen – der Durchbruch für die Verhandlungen –, gehe auf Blume zurück.

Und jetzt? In der CSU sagt jeder Blume eine Beförderung voraus, die nicht recht auf ihn zu passen scheint. Wenn Scheuer Bundesverkehrsminister wird, will Seehofer den Münchner zum neuen Generalsekretär ernennen. Intern kündigte der CSU-Chef das bereits an, er allein hat das Vorschlagsrecht. Ein Landespolitiker, jung, modern, in der Parteizentrale gut vernetzt – formal spricht vieles für Blume, wäre da nur nicht seine Abneigung gegen Polterei. „Ethische Skrupel für den Job als General sind nicht unbedingt förderlich“, witzelt einer, der das Amt gut kennt.

Hinzu kommt, dass ihn Markus Söder auch gern in sein Kabinett holen würde, falls er sich zu einer großen Neuaufstellung durchringt. Wirtschaftsminister? Staatskanzleichef? Blume ist es in den Wirren des Machtkampfs gelungen, zu Söder wie Seehofer eine Vertrauensbasis zu halten, ohne sich einem zurechnen zu lassen. Wenn Söder Input braucht, etwa für sein Zehn-Punkte-Programm, fragt er oft Blume. Wahlkampfthemen durchplanen könnte er wohl auch aus der Staatskanzlei; so wie Angela Merkel 2017 ihre Strategie aus dem Kanzleramt heraus entwickeln ließ (allerdings mit mäßigem Erfolg).

Dann fallen für den Generals-Posten die Namen von Innenpolitiker Florian Herrmann (46), JU-Chef Hans Reichhart (35) oder, etwas verschachtelt, der Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (39) – die Unterfränkin könnte sich mancher sehr gut in München vorstellen.

Seehofer und Söder werden da doch mal miteinander reden müssen. Möglich, dass Blume dann Generalsekretär auf Zeit wird, die Wahl 2018 managt und danach in ein Kabinett rückt. Er wäre sicher nicht traurig, wenn das noch vor dem Aschermittwoch 2019 sein könnte.

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