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„Er schwadroniert nicht“: Horst Seehofer und Stanislaw Tillich im Wahlkampf in Plauen.

Lob für CDU-Mann

Seehofer hilft Tillich im Sachsen-Wahlkampf

Plauen - Finale im sächsischen Wahlkampf: CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich kämpft um sein Amt. Gute Wirtschaftsdaten helfen dabei. Und sogar Nachbar Seehofer meint es gut mit ihm.

„Der Schtanislaf“, hebt Horst Seehofer auf dem Marktplatz in Plauen an, und das Volk staunt. Schtanislaf nennt er ihn also, so urbayerisch ausgesprochen, als hießen Kinder in Oberbayern seit Jahrhunderten so, Rufname „Schtani“ vielleicht. Hier sagt man eigentlich Stanislaw, mit nordisch-kühlem S-t, aber die Plauener anerkennen die seltsame Aussprache als Sympathiebekundung.

Seehofer ist nach Sachsen gekommen, um in den Landtagswahlkampf einzugreifen. Sein dienstältester Kollege Stanislaw Tillich kämpft um die Wiederwahl. Der CDU-Mann liegt in Umfragen eigentlich uneinholbar vorn, die Politik hat aber den Glauben an Umfragen verloren. Deshalb gießt Seehofer kurz vor diesem Wahlsonntag nochmal kübelweise Lob aus über den Schtanislaf und seine Sachsen, zur Sicherheit sozusagen.

„Hier leben Menschen, die Selbstvertrauen haben und nicht Selbstmitleid“, sagt Seehofer. Der Fortschritt in der Republik spreche sächsisch und bayerisch. „Tiefwurzler“ sei man eben. Den Plauenern schildert er seine Bayern nicht, wie sonst daheim gerne, als Überflieger und Musterschüler, sondern räumt ein, auf einigen Politikfeldern habe Sachsen schon überholt – „für uns die härtesten Konkurrenten“.

Verbale Schmuseleien sind das, doch von den Zahlen gedeckt. Unter den Ost-Ländern hat Sachsen die besten Daten, ein Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit (8,5 Prozent), ist Bundessieger im Bildungsmonitor, tilgt Schulden – obwohl aus dem Osten des Landes Jahr für Jahr Zigtausende abwandern. Im Länderfinanzausgleich ist Sachsen zwar Empfänger, aber sogar da springt Seehofer über seinen Schatten und beteuert, er zahle gerne: „Wenn wir Bayern über die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs reden, meinen wir nicht die Aufkündigung der Solidarität mit Sachsen, sondern das Land Berlin und den erfolgreichsten Flughafen-Architekten aller Zeiten, Klaus Wowereit.“

Die Plauener begeistert das. Sie haben lange keinen witzelnden Ministerpräsidenten mehr reden hören. Ihr Tillich wirkt eher freundlich-brav, betont seriös, ein Anti-Marktschreier auf dem Marktplatz. Dass die Plauener Schützenmusikanten kurz vor seinem Auftritt noch „Dschinghis Khan“ intonieren, ist eine leichte Übertreibung. Bundespolitische Ambitionen hat der zweifache Familienvater nicht – aber vermittelt so den Eindruck, sich voll und ganz um sein Sachsen zu kümmern. Von „unser Hände Arbeit“ spricht er in seinen Reden. „Mit Mut. Mit Weitsicht. Miteinander“ steht auf seinen Plakaten.

In der jüngsten Umfrage reicht das für 40,5 CDU-Prozent. Erst bei 19 Prozent folgt die Linke im ZDF-Politbarometer, dann SPD (15), AfD (7), Grüne (5,5), NPD (5) und FDP (3). Für Tillich würde das bedeuten, dass sein bisheriger Koalitionspartner FDP wegbricht. Er würde dann wohl mit der SPD und ihrem pragmatischen Anführer Martin Dulig, sechsfacher Vater und 40 Jahre jung, koalieren. Den 3,4 Millionen Wählern wär’s überwiegend recht. 65 Prozent wollen den Ministerpräsidenten behalten, nur 13 Prozent den Linke-Spitzenkandidaten Rico Gebhart. Der, früher SED-Mitglied, hofft auf ein rot-rot-grünes Bündnis.

Dass es zu Schwarz-Grün in Sachsen kommt, ist unwahrscheinlich – die Grünen kämpfen massiv gegen den umstrittenen Braunkohleabbau. Ein Bündnis mit der AfD, die zum ersten Mal in einen Landtag einziehen könnte, hat Tillich nicht explizit ausgeschlossen, strebt es aber auch nicht an. Zu nahe sei die AfD in einigen Fragen der NPD, sagen seine Leute.

Tillich sei „ein Politiker, der nicht schwadroniert“, sagt Seehofer. Tatsächlich verbindet die Duz-Freunde mehr als ein professionelles Miteinander. Bei Verhandlungen in Berlin stehen sie oft an einer Seite, mitunter der Kanzlerin gegenüber. „Für uns beide kommt immer erst das Land, dann der Bund“, sagt Seehofer, der übrigens 1998 mal das Angebot ausschlug, Minister in Dresden zu werden.

Dass Sachsen auf diesem Kurs bleibt, liegt auch in seinem Interesse. Das prosperierende südwestliche Sachsen hinter der Grenze zum strukturschwachen Hof kann auch die bayerische Region etwas mitziehen. Eine Art politische Freistaaten-Achse scheint sich zu bilden. Das passt, weil ja die einstige Südachse Bayerns mit Baden-Württemberg gerade zerbricht, nicht zuletzt wegen der CDU-Revolte gegen die Maut. Tillich übrigens stichelt nicht gegen die Maut.

Christian Deutschländer

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