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Horst Seehofer besucht Karin und Edmund Stoiber in ihrem Privathaus in Wolfratshausen.  

Wolfratshausen

Seehofer lauscht bei Stoiber und der Basis

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Wolfratshausen - Formal ist es nur eine Basiskonferenz, ein Plausch mit den Ortsvorsitzenden. Politisch aber steckt mehr dahinter: Bei einem Treffen in Wolfratshausen fühlt Horst Seehofer vor, wie zufrieden seine CSU ist – und wie lange sie ihn noch als Chef mag.

Er steht locker in der Halle, nicht hinter dem Pult wie sonst, sondern direkt vor seinen Parteifreunden, das Mikro in der rechten Hand. Die Botschaft, die Horst Seehofer mitbringt, ist aber hart und kantig: Die Union sei in der schwierigsten Lage ihrer Geschichte. „Es ist etwas eingetreten, was einst unvorstellbar war – eine Partei rechts der CDU kommt auf über zehn Prozent.“ Dieser AfD-Virus, warnt der CSU-Vorsitzende, „könnte uns auch befallen“, also die CSU Stimmen kosten. Er wolle „ungeschminkt“ die Basis hören.

Ungeschminktes aus der Basis und für die Basis: Das ist das Ziel der Dialog-Serie, die Seehofer am Freitagabend in Wolfratshausen eröffnet hat. In einer politisch heiklen Phase will er sich rückversichern, die CSU hinter sich zu haben, deshalb die insgesamt sechs Treffen bis Mitte Mai mit hunderten Orts- und Kreisvorsitzenden in Wolfratshausen, später in Fürstenfeldbruck, dann auch in Schwaben und Franken. Gesprächsbedarf dürfte reichlich bestehen. Die Flüchtlingskrise hat das Land polarisiert wie lange nicht mehr, in Teilen der CSU brodelt die Wut auf CDU-Kanzlerin Merkel, bundesweit sinkt die Union in Umfragen steil ab. Gleichzeitig ist in der CSU ein Wettlauf um Seehofers Nachfolge in vollem Gange. Der von ihm nicht übermäßig geschätzte Markus Söder liegt vorn.

Seehofer will keinen Beliebtheitswettbewerb

Natürlich werde er nach jedem Dialog-Abend ablesen können, „wo stehe ich“, sagt Seehofer kurz vor dem Treffen. Aber keinesfalls wolle er einen „Beliebtheitswettbewerb nach dem Motto ,Liebst Du mich?‘“ Dass es am Ende schon um seine Beliebtheit gehen wird, glauben seine Parteifreunde trotzdem. In Wolfratshausen wird Seehofer mit viel Beifall bedacht, auch seine Bilanz für Bayern. Kritik richtet sich vor allem Richtung Berlin – an die Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik, aber auch an die Berliner CSU, die die Pkw-Maut nicht durchgesetzt habe. Die Außendarstellung der Bundesregierung in dieser Frage sei „jämmerlich“, heißt es.

Vor dem Termin in der Halle stand übrigens am Freitagabend ein halbprivater Besuch bei Edmund Stoiber. Der CSU-Ehrenvorsitzende (74) musste sich vor zehn Tagen einer Knieoperation unterziehen, ist aber nach eigenen Angaben auf dem Weg zu voller Fitness. Stoiber empfing Seehofer vor der Haustür (sogar an der Autotür), bat ihn dann ins Wohnzimmer. Seehofer witzelte anschließend mit Blick auf das berühmte Wolfratshauser Frühstück Stoibers mit Angela Merkel 2002: „Wolfratshausen ist ja berühmt für solche Begegnungen - aber mir wurde heute kein Amt angeboten.“

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