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Horst Seehofer

Seehofer: "Liebe Sabine"

München - Der 60. Geburtstag von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bringt eine neue Top-Nachricht: Koalitionsfriede ist möglich.

Knapp drei Jahre nach dem Start der von periodischen Stürmen umtosten CSU/FDP-Koalition sind die kampferprobte FDP-Landesvorsitzende und CSU-Chef Horst Seehofer jetzt endlich per Du. “Liebe Sabine“, sagt Seehofer am Mittwoch bei strahlendem Sommerwetter im Schlosscafé Nymphenburg zur Jubilarin. Die FDP-Politiker und Journalisten im Publikum rätseln: “Seit wann denn?“ Die Jubilarin antwortet: “Ganz kurz.“ In den Sitzungen des Koalitionsausschusses siezten sich die beiden bisher. “Ich habe schon mit vielen Menschen gestritten“, sagt Seehofer nun zur hochverehrten Frau Bundesministerin. “Aber ich kann mich nicht an einen richtigen Streit mit Ihnen, mit Dir erinnern.“ Manche FDP-ler im Publikum lächeln erheitert. Es ist richtig, dass Seehofer und Leutheusser-Schnarrenberger sich nie persönlich gestritten haben. Doch Seehofer hat in den vergangenen drei Jahren immer wieder - manchmal zum Ärger von CSU-Parteifreunden - den Streit mit der FDP angeheizt. “Ich habe da eine partiell andere Erinnerung“, meint ein amüsierter Gast aus der FDP.

Doch von der CSU ist keineswegs nur Seehofer gekommen, um Leutheusser-Schnarrenberger zu gratulieren: Im Publikum sitzen Innenminister Joachim Herrmann, Justizministerin Beate Merk, Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Und viele andere Gäste: der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher, die Grünen-Landesvorsitzenden Theresa Schopper und Dieter Janecek, Landesbischof Johannes Friedrich. Sie alle stehen nun einträchtig unter großen weißen Sonnenschirmen im Schlosspark, und die Kapelle “Free Beer and Chicken“ spielt mit gebremster Lautstärke sanfte Partymusik.

Seehofer stand ursprünglich gar nicht auf der Gästeliste - und schon gar nicht auf der Rednerliste. Allein seine Anwesenheit ist ein Zeichen des Friedens. Er wolle in seiner Geburtstagsansprache die Wirklichkeit darstellen, betont der Ministerpräsident schon vor Beginn der Festivitäten. “Ich kämpfe nur noch für die Realität, nicht für die Kunst“, kommentiert er die vielen Medienberichte über Streit und Spannungen in den Koalitionen in München und Berlin. Schon vergangene Woche bläute Seehofer CSU-Vorstand und -Landesgruppe ein, es dürfe kein Sommertheater geben.

Realität ist, dass Union und FDP Gemeinsamkeit bitter nötig haben, und deswegen nun Regierungskunst gefragt ist. Denn bei der Bundestagswahl 2013 werden die beiden Koalitionspartner aller Voraussicht nach gemeinsam gewinnen oder gemeinsam untergehen. Denn andere Koalitionsoptionen sind sehr unwahrscheinlich - die FDP hat gar keine Wahl, und die Union eigentlich auch nicht. Denn sollte es bei der Union 2013 für eine Koalition mit der FDP nicht reichen, könnten sich nach den gängigen arithmetischen Spekulationen sehr wahrscheinlich starke Grüne zwischen SPD und Union entscheiden. Doch die Grünen würden in einem solchen Falle immer zur SPD gehen, vermuten die Strategen in der CSU.

Genscher ist es, der die Gäste daran erinnert, dass Harmonie zwischen Schwarz und Gelb nicht unbedingt der Normalzustand ist: Am Tage nach seiner Geburt habe in der Zeitung gestanden, dass die Liberalen wieder einmal der bayerischen Staatspartei nachgegeben hätten, sagt der 84-Jährige. Er habe seinen Eltern aus der Wiege versprochen, dass das nicht wieder vorkomme, scherzt Genscher. Die Gäste lachen stürmisch. Doch erst einmal herrscht schwarz-gelber Sommerfriede - ob Realität, ob Kunst.

dpa

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