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Horst Seehofer versetzt Becksteins Regierungssprecher Michael Ziegler (l.).

CSU-Spitze formiert neue Mannschaft

Seehofer löst Regierungssprecher ab

München - Das Duo greift durch. Der neue CSU-Chef Horst Seehofer und sein Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg planen etliche Korrekturen in Staatskanzlei und Parteizentrale. Die Fehler ihrer Vorgänger wollen sie keinesfalls wiederholen.

Seehofer ist Herr der zwei Häuser: Als Ministerpräsident ist er Boss in der Staatskanzlei, als Parteivorsitzender Chef in der CSU-Landesleitung. Als noch das Tandem Huber/Beckstein regierte, standen beide Häuser mitunter in Konkurrenz zueinander. Seehofer will alle Reibungsverluste vermeiden. Der neue Regent zieht in beiden Büros die Zügel an.

Schrittweise holt sich Seehofer Vertraute in sein Umfeld. Der hochrangigste Wechsel: Regierungssprecher Michael Ziegler verlässt die Staatskanzlei. Der 50-jährige Jurist war einer der engsten Beckstein-Mitarbeiter und diente ihm seit 1995 als Pressesprecher, zunächst im Innenministerium.

Ziegler ist bei Journalisten für seine offene, stets seriöse Art geschätzt, tappte aber mit Beckstein im Wahlkampf in etliche mediale Fettnäpfchen - etwa mit der Masskrug-Diskussion. Ziegler geht ins Innenministerium, als Leiter der Kommunalabteilung. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte Seehofer. Es sei keine "politische Versetzung". Man habe sehr harmonisch zusammengearbeitet, die "ruhige Art" Zieglers habe gut zu ihm gepasst, sagte Seehofer. Jetzt will er einen Nachfolger suchen. Hinzu kommt ein Vize-Sprecher, den der Koalitionspartner FDP vorschlagen will.

Aufregung herrscht in der Parteizentrale. Hier gibt Seehofer seinem General freie Hand für einen Umbau. Guttenberg installiert in der Landesleitung einen engen Vertrauten: Philipp Wolf Christoph Freiherr von Brandenstein, bisher Leiter seines Berliner Abgeordnetenbüros, soll die Parteiarbeit beaufsichtigen, wenn Guttenberg in der Hauptstadt ist.

Der junge Adelige (32), der derzeit über die argentinische Außenpolitik promoviert, zieht bereits nach München um und unterschreibt heute seinen Vertrag. Formal soll er kurz vor den entscheidenden Europa- und Bundestagswahlen Chef eines verstärkten Strategie-Stabes der CSU werden. Informell wird auf den Fluren an der Nymphenburger Straße über einen "Herrn Chefverwalter in Schloss Nymphenburg" gelästert.

Seinen Berliner Büroleiter holt auch Seehofer nach München: Reiner Meier (55) führt ab Januar das neue Büro des Parteichefs.

Huber und seine damalige Generalsekretärin Christine Haderthauer hatten die Landesleitung kaum angetastet - also auch nicht auf sich zugeschnitten. Guttenberg will das anders machen. Gestern Nachmittag zitierte er einzeln die Abteilungsleiter der Parteizentrale zu sich und erläuterte die neue Aufstellung.

In der Landesleitung wird der Umbau mit Argusaugen verfolgt. Mehrere junge Mitarbeiter verlassen das Haus. Guttenberg bemüht sich, Bedenken zu zerstreuen. Zum Einstand spendierte er Leberkäse - eine symbolische Abgrenzung zur angeblichen Kaviar-Etage. Ja, es werde strukturelle Änderungen im Haus geben, sagt der Generalsekretär, aber definitiv keine Entlassungen. "Kein Mitarbeiter muss um seinen Arbeitsplatz fürchten."

Die Zukunft von Landesgeschäftsführer Markus Zorzi (43), der als ranghöchster Mitarbeiter sogar im Parteipräsidium sitzt, ist offen. Zorzi hatte bisher die Aufsicht über die Strategie-Abteilung. Guttenberg sagt, Zorzi solle bleiben: "Ich würde auf ihn sehr, sehr ungern verzichten."

Christian Deutschländer und Steffen Habit

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