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Habeck und Spreng zu Gast bei Markus Lanz.

TV-Talk im ZDF

CSU-Experte bei Lanz: „Seehofer, Söder und Dobrindt werden bestraft, da wette ich...“

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Markus Lanz talkte am Donnerstagabend im ZDF. Großes Thema: Der Asylstreit zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer. Ein ehemaliger CSU-Insider rechnet dabei mit der Parteiführung ab.

München - Michael Spreng war lange Jahre Chef der Bild am Sonntag, galt als einer der best-informierten Journalisten und beriet sogar Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten 2002. Neben unzähligen Anekdoten aus früheren Tagen schoss sich Spreng im TV-Talk bei Markus Lanzvor allem auf die Partei ein, der er damals diente.

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Der am Tag zuvor 70 Jahre alt gewordene Spreng erklärte: „Wir erleben das Endstadium der bayerischen Macho-Kultur. Horst Seehofer, Markus Söder und Alexander Dobrindt werden bestraft, denn die Landtagswahl wird ein Desaster, da bin ich bereit große Wetten einzugehen. Und immer wenn es ernst wird, schicken sie die Frauen wie Dorothee Bär oder Ilse Aigner zu den TV-Sendungen. Die müssen sich dann die Schläge abholen, die eigentlich die Männer verdient hätten.“

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Die Wähler würden sich angewidert ab- und der AfD zuwenden. „Die CSU rennt jetzt das dritte Mal mit dem Kopf gegen die Wand und holt sich blutige Beulen ab“, sagt Spreng. Bei der Europawahl hätten die Christsozialen einen nahezu europafeindlichen Wahlkampf geführt, bei der Bundestagswahl dann einen mit Obergrenze und Anfeindungen gegen Kanzlerin Angela Merkel. Beide Male hätte die AfD davon profitiert. „Das ist mir ein Rätsel“, meint Spreng fassungslos.

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„Seehofer und Co. befinden sich in eine Art Überbietungswettbewerb“, meint Spreng bei Markus Lanz

„Bloß, wer treibt in der CSU wen?“, will Markus Lanz wissen. „Seehofer, Söder und Dobrindt treiben sich gegenseitig. Die befinden sich in eine Art Überbietungswettbewerb: Der eine kommt mit der ‚Anti-Abschiebe-Industrie‘, der nächste mit ‚Asyltourismus‘ und der andere macht‘s mit Merkel persönlich.“ Der Zweck, dass Leute deshalb nicht die AfD, sondern die CSU wählen würden - daran glaube doch kein Mensch. Der einzig Vernünftige in der Parteiführung sei der Parteivize Manfred Weber, so Spreng bei Lanz.

Über alle aktuellen Entwicklungen in der Asyl-Debatte halten wir Sie in unserem News-Ticker auf dem Laufenden.

Wäre Merkel beinahe gestürzt worden? „Durch die Maßlosigkeit der Angriffe der CSU hat das zu einer Solidarisierung innerhalb der CDU für Merkel geführt. Anfangs war das etwas kippelig. Doch mit den Attacken hat sich die CSU geschadet“, glaubt der ehemalige Journalist.

Habeck fürchtet eine an Trump angelehnte CSU 

Der andere Gast, Robert Habeck, Grünen-Vorsitzender und derzeit großer Politik-Aufsteiger, fürchtet, dass der von der CSU eingeschlagene Weg kein strategisches Manöver wegen der Landtagswahl in Bayern sei, sondern, „dass gewisse Akteure eine andere CSU wollen. Vielleicht eine an Orban oder Trump angelehnte Partei.“ Habeck: In einer Partei überlege man sich anhand von Umfrageergebnissen, ob man den eingeschlagenen Weg ändert oder nicht. Wenn man das nicht täte, deute das darauf hin, dass man einen anderen Weg im Sinne habe: „Und dann wird es echt ernst“, so Habeck. Denn dann würde das Parteiensystem in Deutschland ins Wanken kommen, glaubt er.

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Stoiber präsentiert Wahlkampfmanager Spreng.

Habeck sieht Seehofer stark geschwächt. Auf diesem Niveau spiele man nicht mit seinem Rücktritt, findet er und erklärt: „Dobrindt ist der einzige, der unbeschadet aus dem Machtgerangel herauskomme.“

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„Das wird Seehofers letzter Dienst für die CSU sein“, mischt sich Spreng wieder ein

Will Dobrindt also Seehofer ablösen? „Seehofer wird noch gebraucht - nämlich nach der Wahl, als Sündenbock. Das wird sein letzter Dienst für die CSU sein“, mischt sich Spreng wieder ein. Viel hält er offenbar nicht vom CSU-Landesgruppenchef. Dobrindt habe sich permanent verändert. Zunächst sei er dick gewesen, dann habe er abgenommen, karierte Anzüge getragen, mittlerweile trage er aber gedeckte Anzüge - wie ein Staatsmann: „Bei Menschen, die so oft die Rolle wechseln, bin ich misstrauisch, ob sie einen wirklichen Kern haben“, sagt Spreng.

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Sprengs Rat an Seehofer und Merkel? „Kein Öl ins Feuer gießen.“ Dafür sei die Debatte zu emotional.

Fazit: Ein letztlich einseitiger Talk, der zur Abrechnung mit Seehofer und Co. diente.

Meldung vom Donnerstag: Kritik an Seehofer wegen Äußerung zu Abschiebungen hält an

Die Kritik an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wegen seiner Äußerung zu Abschiebungen hält an. Bayerns Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze warf Seehofer am Donnerstag "Zynismus" vor und forderte ihn zum Rücktritt auf. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, mahnte die "Achtung vor jedem Menschen an". Die AfD wies die Kritik an Seehofer dagegen zurück.

Seehofer war mit Äußerungen über den jüngsten Abschiebeflug nach Afghanistan auf zum Teil scharfen Widerspruch gestoßen. Der Innenminister hatte gesagt, ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag seien 69 Menschen abgeschoben worden - "das war von mir nicht so bestellt". Nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Suizids eines der abgeschobenen Afghanen forderten Politiker von Linken und FDP am Mittwoch den Rücktritt von Seehofer gefordert, was dieser zurückwies.

"Der Zynismus von Horst Seehofer kotzt mich an", sagte die Grünen-Politikerin Schulze nun der "Welt". "Der Mann reduziert bedrückende menschliche Einzelschicksale auf eine Zahl und - hurra, hurra: zufällig sein Lebensalter. Das ist widerlich und lässt ganz tief blicken." Seehofer sei "dem Amt charakterlich nicht gewachsen. Er muss als Innenminister zurücktreten."

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel nahm Seehofer dagegen in Schutz. "Die Kritik an Horst Seehofer ist heuchlerisch und verlogen", erklärte Weidel. "Dem Bundesinnenminister ist nicht vorzuwerfen, dass er Recht und Gesetz anwendet, sondern allenfalls, dass dies nur punktuell und nicht konsequent und durchgängig geschieht."

Wie nun bekannt wurde, soll der abgeschobene Afghane Monate vor dem Suizid unter psychischen Problemen gelitten haben.

Was sagt die Kanzlerin vor der Sommerpause?

Update vom 20. Juli 2018: Bevor die Politik in Berlin in einen Sommerurlaub geht, steht für die Kanzlerin ein traditioneller Termin auf dem Plan. In der Sommer-Pressekonferenz werden von Angela Merkel auch Aussagen über Asylstreit und Horst Seehofer erwartet.

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