Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

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Ungewöhnlich freundlich: Markus Söder und Horst Seehofer in Nürnberg.

Streit um Lehrstuhl-Verlagerung

Seehofer plant eigene Uni für Nürnberg

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Horst Seehofer hat bei der Sitzung des Kabinetts in Nürnberg wohl einen Durchbruch in dem für Markus Söder zunehmend unangenehmen Standort-Streit um die mittelfränkischen Hochschulen geschafft. Nürnberg soll eine eigene Uni bekommen.

Nürnberg – Es ist ein seltenes Ereignis in Bayerns Staatsregierung: Horst Seehofer tut Markus Söder einen Gefallen, einen richtig großen sogar. Der Ministerpräsident und sein Finanzminister, eigentlich Parteifreunde im Endstadium, verzichten dafür einen Tag lang auf die sonst üblichen Rempeleien. Stattdessen ein Händedruck vor den Kameras und sogar eine gemeinsame Pressekonferenz.

Tatsächlich hat Seehofer bei der Sitzung des Kabinetts in Nürnberg wohl einen Durchbruch in dem für Söder zunehmend unangenehmen Standort-Streit um die mittelfränkischen Hochschulen geschafft. Seit Monaten wächst der Ärger zwischen Erlangen und Nürnberg, welche Lehrstühle wohin verlagert werden. Der Disput innerhalb der Metropolregion klingt von Außen nach kleinteiligen Befindlichkeiten, hat aber große Schärfe gewonnen. „Ein Streit der Städte, als ginge es um Feindesland“, titelten sogar die Nürnberger Nachrichten. Hinzu kommt Frust, weil der Weltkonzern Siemens über 1500 Arbeitsplätze von Nürnberg nach Erlangen verlagert. Nach dem Aus von AEG und Quelle hat Söders Heimatregion eh schon die höchste Arbeitslosigkeit in Bayern. Zuletzt scheiterten Anläufe, Ersatz-Nutzungen für das AEG-Areal zu finden.

Die Staatsregierung reagiert nun mit der Uni-Offensive. Der Ministerrat leitete ein Förderprogramm für die Stadt in dreistelliger Millionenhöhe ein. Nürnberg soll eine eigene, neue Universität bekommen. Eine Neugründung, bis zu 6000 Studienplätze, rund 100 Professuren – das ist selbst im verwöhnten Bayern ein großes Projekt. Vielleicht werde das eine historische Entscheidung, sagt Seehofer.

Vielleicht? Tatsächlich hat das Projekt Unwägbarkeiten. Ob Uni oder große „hochschulübergreifende Einrichtung“ (was weniger spektakulär klingt), lassen die Minister bis zur nächsten Beratung im Juli offen. Sicher ist, dass sich das neue Haus gezielt um „technische Zukunftsfelder“ kümmern soll, Mobilität der Zukunft, Energieforschung, Robotik, IT-Sicherheit zum Beispiel. Nürnberg soll einen neuen Campus im Süden bekommen, der Ort ist aber noch nicht final geklärt. Siemens wird sich irgendwie einbringen, auch hier sind Details noch offen. Der Zeitrahmen ist noch nicht fixiert.

Die Grundlinie ist aber klar: Seehofer beendet den Streit Erlangen/Nürnberg, indem er die umstrittenen Lehrstuhl-Umzüge stoppt und stattdessen in Nürnberg einfach eine neue Universität plant – in der Hoffnung, dass dann keiner mehr mault. Und dass die Investitionen in die Wissenschaft auf Dauer die Wirtschaft in der ganzen Region ankurbeln. Nebenbei verhindert er, dass sich der Zoff in seinem Kabinett fortpflanzt: zwischen dem Nürnberger Söder und dem Erlanger Joachim Herrmann. Die sind nun beide zufrieden, Söder dankt Seehofer sogar öffentlich mehrfach. Nürnbergs Selbstbewusstsein täte eine Uni gut, macht der Minister deutlich. Bisher hat Bayerns zweitgrößte Stadt keine eigene Universität, München aber zwei. „Nürnberg hat darunter gelitten“, sagt Söder sogar.

Momentan also Entspannung im Verhältnis Seehofer-Söder. Die Rivalität hat nach der Ankündigung des Regierungschefs, über 2018 in den Ämtern zu bleiben, eh an Brisanz verloren. Söder sicherte seine Loyalität dafür zu.

Ewigen Frieden garantiert aber auch das Auswärtsspiel in Nürnberg nicht. Zu gut passt der Vorgang in Seehofers Lesart, um alles Wichtige müsse er sich immer selbst kümmern. Er war es auch, der Siemens-Boss Joe Kaeser ans Telefon bekam und ihm entscheidende Zusagen abnahm. Der Ministerpräsident vergisst bei seinem Auftritt mit Söder nicht, das zu erwähnen.

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