„Totale Unterstützung“: Horst Seehofer bekennt sich im CSU-Vorstand klar zu seinem General Andreas Scheuer. Foto: dpa

„Kein Donnerwetter“:

Seehofer stellt sich hinter Scheuer

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München - Die CSU-Spitze gibt Andreas Scheuer Rückendeckung in der Doktor-Affäre  - trotz zwei eher unglücklicher Auftritte des Generalsekretärs, der sich erstmals zu den Vorwürfen äußerte.

Der Tag beginnt für den Generalsekretär mit realem Frost und politischem Glatteis. In Eiseskälte vor der Pforte der CSU-Zentrale stellt sich Andreas Scheuer zum ersten Mal in seiner Doktor-Affäre den Kameras. Eigentlich will er nur kurz sagen: Er habe sich korrekt verhalten, führe den Titel nun aber nicht mehr und lasse die Arbeit prüfen, um alle Vorwürfe zu entkräften. Dann aber begibt er sich aufs Eis.

Er „wundere sich“ über die Medien, die auf der Titelseite „in epischer Breite“ berichten, was seit acht Jahren bekannt sei, sagt er auf Nachfrage. Und zur Kritik des Passauer Professors Heinrich Oberreuter kontert er verärgert, es gebe ein Buch „Die Übermacht der Medien – erstickt die demokratische Kommunikation?“ Das „empfehle ich Ihnen zum Lesen“, sagt Scheuer den Journalisten. Autor des Buches: Oberreuter.

Eine Medienschelte, neuer Wirbel? Taktisch wäre das für Scheuer, der ja deeskalieren wollte, ein Fehler. Vier Stunden später lädt er deshalb zur Pressekonferenz, betont da, er habe niemanden kritisieren wollen, sondern sich nur gewundert. Auch dieser Auftritt endet nicht glücklich: Als Journalisten fortwährend kritisch nachfragen, warum Scheuer seinen umstrittenen Doktortitel von der Universität Prag nicht viel früher ablegte, bricht sein Sprecher höflich, aber bestimmt die Pressekonferenz ab. Termingründe.

So bleibt der Eindruck eines nervösen Generals. Die Partei aber stellt sich hinter ihn. Zwischen den zwei Auftritten tagt der Parteivorstand, hört Scheuer an und endet ohne Nachfragen mit demonstrativem Beifall. „Mein Generalsekretär hat meine totale Unterstützung“, sagt Parteichef Horst Seehofer anschließend. „Da gibt es bei uns keine Debatte.“ Auch Seehofer betont, dass die Vorwürfe seit Jahren bekannt sind. „Es gab kein Donnerwetter, keine Anweisung“, sagt er über Scheuers zweifachen Presse-Auftritt und den Verzicht auf den Titel. Der niederbayerische CSU-Bezirksvorsitzende Manfred Weber stellt sich ebenso hinter den General aus Passau.

Zwei Fragen sind bisher noch offen. Durfte Scheuer als bundesweit auftretender Politiker seinen Titel führen, obwohl der Prager Abschluss nur in Bayern und Berlin so anerkannt wird? Und enthält seine Arbeit Plagiate? Letzteres überprüft seit Freitag die Universität Prag selbst mit einer Software. Bisher haben private Plagiatsjäger in der Arbeit nur fünf verdächtige Stellen gefunden.

Jenseits des Doktor-Ärgers stellte der Vorstand am Montag die Weichen für die Europaliste. Wie berichtet, will Seehofer dem Parteitag am Samstag in München vorschlagen, Markus Ferber zum Spitzenkandidaten zu machen. Ihm sollen auf aussichtsreichen Plätzen Angelika Niebler, Weber, Monika Hohlmeier, Albert Dess, Bernd Posselt, Martin Kastler und Barbara Becker folgen. Gefallen fand auch Seehofers Plan, den EU-Kritiker Peter Gauweiler als Hauptredner beim Politischen Aschermittwoch zu präsentieren.

Christian Deutschländer

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