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Christian Deutschländer

Kommentar

Seehofer und seine CSU: Die Unruhigen

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München - Das Geschehen beim CSU-Parteitag am Wochenende kommentiert Christian Deutschländer, Redakteur des Münchner Merkur.

In der ersten Rede fehlte ihm die Stimme. In der zweiten fehlten ihm die Worte. Zwei teils kuriose Auftritte lieferte Horst Seehofer an diesem Parteitags-Wochenende, gipfelnd in der Ansage, er wolle niemanden aufhalten und sich jetzt wieder gemütlich hinsetzen. Sein Ziel hat er damit trotzdem erreicht: die Parteibasis zu beruhigen oder, je nach Sichtweise, die Delegierten zu sedieren.

In Wahrheit herrscht in der CSU nämlich alles andere als Ruhe. Noch immer treibt der Kurs der CDU-Kanzlerin einen Spalt durch die Basis. Kenner der Partei sehen eine Drittelung: Ein Teil schwer versöhnlicher Merkel-Gegner, ein Teil, der ihre Flüchtlingspolitik unterstützt, dazwischen ein nachdenklicher Mittelblock. Seehofer tat klug daran, seinen schroffen Umgang mit Merkel Ende 2015 – leicht selbstironisch – zu bedauern, ohne sich dafür zu entschuldigen. Und gleichzeitig inhaltlich keinen Meter zu weichen. Schnell auflösbar ist der Konflikt in der Union nicht, jedenfalls nicht glaubwürdig. Seehofer bleibt wohl nur, mit dem Ruf nach einer Obergrenze als Dissenspunkt zur CDU in den Wahlkampf zu ziehen. Man ahnt: Er wird die Bundestagswahl im Herbst 2017 zur Volksabstimmung darüber in Bayern hochstilisieren.

Offen lässt der Parteitag auch die Nachfolgefrage. Seehofer erbat „Grundvertrauen“ in seine Strategie, die Delegierten signalisierten mit langem Beifall: Ja, mach mal. Mehr aber nicht. Der Konflikt mit Söder schwelt, die Ungeduld und das Knurren über Seehofers wiederholte, vage Andeutungen wachsen. Schon in den ersten Monaten 2017 wird er eine festere Stimme und klarere Worte brauchen, um die CSU unter Kontrolle zu halten.

Sie erreichen den Autor unter

Christian.Deutschlaender@merkur.de

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