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Der Chef macht ernst. Horst Seehofer hat die Liste der neuen Träger des Bayerischen Verdienstordens vorgelegt – tatsächlich wird kein einziger Landespolitiker ausgezeichnet. Murren traut sich kein Betroffener, aber die Opposition.

Eine Frage der Ehre

Seehofer verleiht 50 neue Verdienstorden

München - Der Chef macht ernst. Horst Seehofer hat die Liste der neuen Träger des Bayerischen Verdienstordens vorgelegt – tatsächlich wird kein einziger Landespolitiker ausgezeichnet. Murren traut sich kein Betroffener, aber die Opposition.

Es wird ein Festakt, schillernd wie immer. Im wunderschönen Antiquarium der Residenz, Bayerns wohl bezauberndstem Saal, zeichnet der Ministerpräsident am Mittwoch 50 verdiente Bayern aus. Was diesmal fehlt, wird auf den ersten Blick kaum auffallen: Politiker. Tatsächlich aber verzichtet Horst Seehofer auf die sonst allfällige Ehrung langjähriger Abgeordneter. Kein einziger, von keiner Partei, bekommt den ersehnten Verdienstorden.

Seehofer hatte das Ordens-Moratorium im Wahljahr kürzlich in unserer Zeitung angekündigt. Um sich nicht in den Ruch zu begeben, CSU und FDP ein paar der begehrten Orden zuzuschanzen. Und wohl auch, weil turnusgemäß zufällig Protagonisten der Verwandten-Affäre im Landtag an der Reihe gewesen wären – ein Orden für sie wäre der Öffentlichkeit kaum vermittelbar gewesen.

Die Staatskanzlei hat nun die Liste der zu Ehrenden vorgelegt. Tatsächlich: keiner aus dem Landtag. Statt dessen „herausragende Vorbilder“ wie Dirigent Kent Nagano, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick oder der Kinderbuchautor Max Kruse. Freya von Stülpnagel vom Verein Verwaiste Eltern ist dabei, die Leiterin des Erich-Kästner-Kinderdorfs Oberschwarzach, Hildegund Fleischhauer, die Präsidentin der evangelischen Landessynode, Dorothea Deneke-Stoll und die Fotografin Herlinde Koelbl; dazu Prominente wie die Unternehmerin Susanne Porsche. Auf die Mischung also kommt es an zwischen Ehrenamt, Kultur, Kirche, Kunst und Wirtschaft.

Der Orden zählt zum Allerhöchsten, was Bayern zu vergeben hat. Inflationsgefahr unerwünscht: Nur 2000 lebende Träger darf es geben. Stolz ist deshalb erlaubt. „Es ehrt mich, bald in der langen Reihe der Träger des Verdienstordens zu stehen“, sagt Ulrich Wilhelm, der Intendant des Bayerischen Rundfunks. „Ich fühle mich unserem Land, seinen Menschen, Werten und Traditionen tief verbunden.“

Seehofers Politiker-Stopp hatte im Vorfeld für Aufregung gesorgt. „Blanker Populismus“ nannte das Oppositionsführer Markus Rinderspacher (SPD). Seehofer verhängte das aber nicht für Kommunalpolitiker. Mehrere Landräte erhalten den weißblauen Orden. Der Kelheimer Hubert Faltermeier ist dabei, Albert Löhner (Neumarkt) und Günther Denzler (Bamberg). Überraschend wird auch Regensburgs CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger ausgezeichnet. Er führte, was parteiübergreifend gelobt wurde, den Städtetag. Er saß aber auch in jenen unglücklichen Jahren im Verwaltungsrat der Landesbank, als sie Milliarden verlor. Die Grünen regen offen an, auf die Ehrung zu verzichten. Das Polit-Moratorium sei eine gute Idee, es solle auch für Schaidinger gelten, sagt Fraktionschefin Margarete Bause. Wer als Bank-Aufseher für „Milliardenverluste verantwortlich ist, hat für den Freistaat keine besonderen Verdienste erworben“.

Unumstritten dürfte indes die Ehrung für Rudolf Jindrák sein, den tschechischen Botschafter. Der Orden für ihn gilt auch als Zeichen der Annäherung zwischen Bayern und dem Nachbarn, das Ende der Eiszeit.

Seehofer sagte, Bayern verdanke engagierten Bürgern seine wirtschaftliche Spitzenstellung und seine hohe Lebensqualität. Dass das auch für Bürgerinnen gilt, zeigt der Frauenanteil: 20 von 50 Verdienstorden gehen an Frauen.

Die weiteren Geehrten im alphabetischen Überblick: Kammeroper-Intendant Blagoy Apostolov; Zisterzienserinnen-Äbtissin M. Petra Articus; Lydia Aussprung von der Stiftung Katholisches Familien- und Altenpflegewerk München; der Journalist Uli Bachmeier, Vorsitzender der Landtagspresse; Notarkammer-Ehrenpräsident Ulrich Bracker; Wenzel Bradac als Präsident des Landesverbandes der Marktkaufleute und der Schausteller. Jürgen Busse vom Gemeindetag; Nürnbergs früherer Messe-Chef Bernd Diederichs; die Verlegerin Angelika Diekmann; Pfarrer Paul Geißendörfer; Kuratorin Ingvild Goetz; Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern; Unternehmer Didymus Hasenkopf; Werner Heger als früherer Leiter der Geschäftsstelle des Ortsvereins München des Blauen Kreuzes; Hanspeter Heinz, der frühere Prorektor der Universität Augsburg; Eissport-Präsident Dieter Hillebrand; Unternehmerin Elisabeth Hintermann; Hans Günter Hockerts, ehemals Ordinarius für Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilians- Universität München; der frühere EADS-Betriebsratschef Helmuth Hohenstatter; Helgit Kadlez vom VerbraucherService Bayern; Unternehmer Josef Kagerbauer; Margarete Kopp, Vorsitzende der Aktion PiT-Togohilfe; die Sonderschullehrerin Susanne Korbmacher, die den Verein „Ghettokids“ führt. Auch Hildegard Kronawitter wird ausgezeichnet, aber nicht als frühere SPD-Abgeordnete, sondern als Vorsitzende der „Weißen Rose“-Stiftung und Aktive beim Roten Kreuz.

Für Orden vorgesehen sind auch Renate Maltry, vormals Vizepräsidentin des Juristinnenbundes; der frühere Präsident der Apothekerkammer, Johannes Metzger; Monsignore Anton Otte, früher Dekan im Justizvollzugsdienst, Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde; die Unternehmerin Maximiliana Pangerl; Hausfrau Irmgard Petz; die Unternehmer Michael Schindler und Hildegard Schnarrenberger-Gairing; Siglinde Schneider-Fuchs, Vize-Vorsitzende der THW-Landesvereinigung; Schwester M. Michaela Speckner, Provinzoberin der Dillinger Franziskanerinnen; der türkische Korrespondent Orhan Tinengin; Wilhelm Weidinger als Landesvorsitzender beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Unternehmer Fritz Wickenhäuser, der Ehrenpräsident des Landesverbandes des Bundes der Selbständigen ist.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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