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Die Originale im „Horstopoly“-Spiel am Mittwoch im Landtag: Wie verschiebt Horst Seehofer (M.) die Positionen von Thomas Kreuzer (l.) und Markus Söder?

Kabinettsbildung in Bayern

Seehofer verschiebt die Spielfiguren

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München - Horst Seehofer bastelt sich ein Kabinett. Vieles deutet darauf hin, dass Ilse Aigner darin eine von mehreren „Superministern“ wird. Die Zeit drängt, weil Seehofer Wichtigeres in Berlin verhandeln muss.

Die neue Landtags-Gaudi heißt „Horstopoly“. Journalisten haben ein Brettspiel gebastelt, wie Monopoly, von Feld zu Feld hüpfen Politikerfiguren. Wer landet wo? Aufgebaut ist das Spektakel vor dem CSU-Saal, wer zur Sitzung will, darf ein paar Züge mitspielen. Was allerdings gar nicht so leicht ist. Denn noch rätselt Bayern einige Tage, welches Feld welcher Politiker besetzen darf.

Seit Tagen führt Ministerpräsident Horst Seehofer die Vier- und Sechs-Augen-Vorgespräche, wen er in seine Alleinregierung beruft. 17 Minister und Staatssekretäre kann er auswählen, nach seinem Wahlsieg sind die sonst sehr strengen Proporz-Vorgaben eine Nebensache. Mehrere Minister wurden schon vorgeladen. Alle haben ein Schweigegelübde abgelegt. Nicht alle halten sich daran.

Klar ist deshalb, dass das neue Kabinett anders aussehen wird als vermutet. Ilse Aigner will, wie mehrfach berichtet, nicht mehr auf den Fraktionsvorsitz zugreifen. Für sie dürfte ein Wirtschafts- und Energieministerium maßgeschneidert werden. In einer Alleinregierung kann man mit diesem Portfolio (inklusive regenerative Energien) ein Aktivposten sein mit bundesweiter Ausstrahlung. „Die Wirtschaft traut ihr das zu“, heißt es von hohen Funktionären. Aigner selbst bittet poetisch um Geduld: „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Es werde mehrere Superministerien geben, bestätigte Seehofer. Als solches dürfte er auch das Innenressort betrachten, der Franke Joachim Herrmann ist gesetzt, könnte auch Vize-Ministerpräsident werden. Was er freilich nicht kommentiert. Am Horstopoly-Brett greift Herrmann nur zur Seehofer-Figur, wedelt mit ihr und stellt fest: Das werde der nächste Ministerpräsident. Noch offen ist, wie das Finanzministerium aufgestockt werden kann. Minister Markus Söder hatte sich mal um die Digitalisierung als zusätzliche Kompetenz bemüht.

Teile des restlichen Kabinetts sind noch im Nebel. Als gesetzt gelten dank Seehofers Zusagen und sehr guter Wahlergebnisse Kultusminister Ludwig Spaenle und Umweltminister Marcel Huber. Eine Versetzung ist bei Christine Haderthauer, Beate Merk und Emilia Müller möglich, bei letzteren allerdings auch eine in den Ruhestand. Wackelkandidaten bleiben die Staatssekretäre und Agrarminister Helmut Brunner. Ein Heimatminister, der seinen Dienst mit Doppelbüro in Nordbayern und München antreten mag, wird noch gesucht. Hier wurde die Fränkin Melanie Huml genannt. Allerdings kursiert in der CSU auch ein anderes Gedankenspiel: Söder könnte den Posten viel schlagzeilenwirksamer ausfüllen.

Nachrücken dürften junge Abgeordnete wie Oliver Jörg (Hochschule oder Soziales), Markus Blume (CSU-Generalsekretär, Wirtschaft oder Staatskanzlei) oder Landwirt Albert Füracker. Auch jüngere Frauen aus der Fraktion machen sich Hoffnungen. Wildere Spekulationen reichen bis hin zu einer Rückkehr von Ex-Ministerin Monika Hohlmeier, worüber in Franken emsig debattiert wird – die Neuauflage der Schlagzeilen über alte Münchner Skandale wird sich Seehofer aber ersparen wollen. Unaufgeregter liefe die Berufung der Europaabgeordneten Angelika Niebler. Die Vaterstettenerin sträubt sich aber immer.

Seehofer betont, er habe sich nicht entschieden: „Da hängt alles von allem ab.“ Ein kurzes Kopfschütteln seines Sprechers hält ihn davon ab, vor den Kameras ans Horstopoly-Brett zu treten. Es ist auch so klar: Die Regeln gibt er vor. Am Dienstag erst will er weitere Entscheidungen fällen, die am Mittwoch die Fraktion erfährt. Kandidat für deren Führung ist Thomas Kreuzer, bisher als Minister in der Staatskanzlei mehr als nur Horstis Hausmeister.

Das Tempo hat Seehofer in Absprache mit der Opposition erhöht. Er braucht mehr Zeit für die anstehenden Koalitionsgespräche in Berlin. Nun soll der neue Landtag gleich in seiner ersten Woche Gas geben: am 7. Oktober konstituieren, am 8. Ministerpräsidenten wählen, am 10. Kabinett bestätigen.

Die erste Sitzung der neuen Fraktion führte gestern noch die alte Chefin Christa Stewens. Seehofer warnte laut Teilnehmern die 101 Abgeordneten vor „Hybris“ generell und im Speziellen gegenüber der abgewählten FDP. Er rief zu Gelassenheit auf. Keiner dürfe sich von den Medien treiben lassen. Er räumte ein, ihm falle die Ministerliste wegen eines Personalüberangebots nicht leicht.

Christian Deutschländer

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