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Gemischtes Doppel: Merkel und Seehofer.

Noch vor der Wahl

Seehofer verteidigt Strategie der CSU - und seine Unterstützung für Merkel

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Seehofer hat sich über die Kritik an seinem Wahlkampf offenbar derart geärgert, dass er schon vor der Wahl sein Vorgehen und die Unterstützung für Merkel rechtfertigt.

München - Es ist ein kleiner Nadelstich, der diesen Wahlkampf gut symbolisiert. „Wir halten, was CSU verspricht“, steht etwas holprig auf dem Plakat, das die AfD direkt vor dem Eingang der CSU-Zentrale aufgestellt hat. Oben, im ersten Stock des modernen Baus, sitzt Horst Seehofer und versucht demonstrativ ein „Höchstmaß an Gelassenheit“ zu verbreiten. Geärgert hat er sich. Über anonyme Kritik an seinem Wahlkampf und über den Vorwurf, er würde auch die Zahl der gestiegenen Vergewaltigungen für seine Kampagne instrumentalisieren. So sehr geärgert, dass er am Morgen spontan die Presse „auf eine Tasse Kaffee mit dem CSU-Vorsitzenden“ eingeladen hat.

Ganz so weit kann es mit der Gelassenheit also nicht her sein. Niemand könne derzeit sagen, wie die Wahl am Sonntag ausgehe, raunt der Parteichef, auch wenn einige dies behaupten. Die Zahlen seien gut. Gestern ergibt eine Sat.1-Umfrage 47 Prozent für die CSU – weit vor SPD (18), AfD (9), FDP (8), Grünen (7). Die internen Zahlen seien noch besser. Doch wie es am Ende ausgeht, sei völlig offen.

„Karl-Theodor zu Guttenberg hat alle Erwartungen übertroffen“

Umso bemerkenswerter ist, dass Seehofer schon vor dem Wahlabend betont, auf wie vielen Schultern dieser Wahlkampf verteilt war. „Wir haben das Mosaik im Januar aufgestellt und dann Punkt für Punkt milimetergenau abgearbeitet“, sagt er und lobt seinen Generalsekretär. Dazu gehöre Joachim Herrmann als Spitzenkandidat. Aber auch der Einsatz von Karl-Theodor zu Guttenberg, dem er am Vormittag persönlich gedankt hat. „Er hat alle Erwartungen übertroffen.“ Und dazu gehöre auch, dass der Parteichef nicht „kopflos durchs Land hechelt“, sondern seine Auftritte sorgsam auswähle. „Wir gehen nicht nach der Zahl von Terminen, wir gehen von Wirkmächtigkeit aus.“ Die Strategie sei auf zwei Jahre ausgerichtet. Während beim Gillamoos dieses Jahr Guttenberg sein großes Comeback feierte, werde er im kommenden Jahr selbst sprechen.

Es hat sich offenbar einiges aufgestaut, was man drei Tage vor einer Bundestagswahl natürlich noch nicht rauslassen kann. Aber die anonyme Kritik von Parteifreunden, Seehofer absolviere in der letzten Woche angeblich nur einen Wahlkampftermin (heute mit Angela Merkel am Münchner Marienplatz), nagt. Ebenso wie der Vorwurf, dass er Guttenberg zu sehr gegenüber Spitzenkandidat Herrmann in den Vordergrund geschoben habe. Und wer genau hinhört, kann ahnen, wen Seehofer hinter der Anschuldigungen vermutet: Menschen, die sich in internen Sitzungen nicht zu Wort meldeten und selbst nicht bereit gewesen seien, Verantwortung zu übernehmen.

So rechtfertigt Seehofer die Kompromissbereitschaft in Sachen Obergrenze

So wenige Tage vor der Wahl ist der Auftritt beachtlich – schließlich gilt Fehlervermeidung eigentlich als oberste Strategie. Seehofer sieht sich auch genötigt, bereits die Strategie zu verteidigen, mit Merkel in den Wahlkampf zu ziehen. „Goldrichtig“ sei das, auch wenn sich die CDU-Chefin weigert, bei der Obergrenze Kompromissbereitschaft zu signalisieren. Sich gegen Merkel zu stellen, hätte zu einer Spaltung der CSU-Anhänger geführt, sagt Seehofer. Und: „Die AfD wäre noch stärker, wenn sich CDU und CSU gegenseitig zerfleischt hätten.“

Mit dem Regierungsprogramm müsse man „die rechte Flanke schließen“. Die Obergrenze sei ein Teil davon. Mit Merkel? Seehofer ist sicher: „Mir reicht, was ich an Signalen habe.“

Hier lesen Sie einen Kommentar zu dem Thema.

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