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Ilse Aigner.

Gedenktag für Opfer von Vertreibung

Aigner fordert mehr Engagement für Flüchtlinge

München - Beim Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung erinnert Ministerpräsident Horst Seehofer vor allem an das Schicksal der vertriebenen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Anlässlich des Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Aktualität der Thematik betont und eine weltweite Ächtung von Vertreibungen gefordert. Bei einem Festakt in der Münchner Staatskanzlei erinnerte Seehofer aber vor allem an die Flüchtlingsdramen des vergangenen Jahrhunderts: „Die Erinnerung daran zu bewahren, ist mir ein persönliches Anliegen. Das Schicksal der vertriebenen Deutschen und ihre Lebensleistung sind für uns alle Auftrag und Erbe für die Zukunft.“

Auftrag sei und bleibe es auch, die Erinnerung an den Holocaust und die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten. „Das ist die menschliche und der Zukunft zugewandte Botschaft dieses Gedenktages und der Lehren des 20. Jahrhunderts: Wir stehen zusammen gegen Hass, für die Menschenrechte, gegen Fremdenfeindlichkeit, für gelebte Menschlichkeit. Rechtsradikalismus und Antisemitismus haben in diesem Land keinen Platz. Wir stehen zusammen für Humanität, Toleranz und Demokratie“, betonte Seehofer.

Der Ministerpräsident dankte den Heimatvertriebenen in Bayern: „Sie haben nach Krieg und Vertreibung beschlossen: Nie wieder! Nie wieder Entrechtung, nie wieder Gewalt. Sie haben die Hände ausgestreckt. Seit jeher lautet ihr Credo: Versöhnung statt Vergeltung.“ Der Gedenktag stehe dafür, „das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein für das Schicksal der Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler lebendig zu halten“. Der CSU-Vorsitzende sagte, er sei froh, dass auf Drängen Bayerns auch der Bund einen nationalen Gedenktag gegen Vertreibung beschlossen hat: „Wir Bayern haben den Stein ins Rollen gebracht. Unser beharrlicher Einsatz hat sich gelohnt.“

Seehofers Stellvertreterin im Ministerpräsidentenamt, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), rief anlässlich des Gedenktages zu mehr Engagement für Flüchtlinge auf. „Wer unsere Hilfe wirklich braucht, dem müssen wir alle zusammen unter die Arme greifen. Seine Heimat verlassen zu müssen, ist ein schlimmes Schicksal.“ Aigner erinnerte in diesem Zusammenhang ebenfalls an die Aufbauleistung der Sudetendeutschen nach dem Krieg: „Bayern erlebte damals einen Modernisierungsschub zum weltweiten Spitzenstandort, auch dank neuer engagierter Fachkräfte.“ 1946 lebten fast 1,7 Millionen Flüchtlinge in Bayern, das waren knapp 20 Prozent der Bevölkerung. Heute stehe man wieder vor der Herausforderung, Flüchtlinge zu integrieren und ihnen Chancen für ein neues Leben zu eröffnen.

Auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) zog Parallelen zwischen der Flüchtlingssituation Mitte des 20. Jahrhunderts und heute: „Solidarität wurde damals nicht beredet, sie wurde gelebt“, sagte sie anlässlich einer Denkmalübergabe in Schweinfurt. „Es wäre schade, wenn uns diese Erfolgsgeschichte für die heutige Zeit nicht Vorbild und Inspiration wäre. Denn auch jetzt noch müssen Menschen aus unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat verlassen. Der heutige Tag sollte uns Anlass sein, auch an diese Menschen zu denken. Wir sollten uns fragen, ob wir wirklich genug, ob wir alles tun, was in unserer Macht steht.“

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Landesvorsitzende der Union der Vertriebenen und Aussiedler, Bernd Posselt, würdigte den Gedenktag als „wichtiges politisches Signal dagegen, dass die Vertreibung unschuldiger Menschen heute weltweit mehr denn je zum Mittel der Politik gemacht wird“. Posselt dankte Seehofer sowie dessen Kollegen Stanislaw Tillich (Sachsen) und Volker Bouffier (Hessen) dafür, dass sie erstmals in dieser offiziellen Form an die 14 Millionen Deutschen erinnerten, „die nach 1945 völker- und menschenrechtswidrig aus ihren jahrhundertealten Heimatgebieten vertrieben worden waren“.

dpa

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