1. Startseite
  2. Politik

Seehofer wird zum "Korbsammler"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Horst Seehofer lädt die CSU in sein Ferienhaus ein. foto: schlaf
Horst Seehofer lädt die CSU in sein Ferienhaus ein. foto: schlaf

München - Nach dem Euro-Krach: Horst Seehofer lädt zur CSU-internen Aussprache in sein Ferienhaus. Doch der Parteichef stößt auf wenig Resonanz.

Nach dem Sommertheater um die Euro-Lästereien von Generalsekretär Alexander Dobrindt sucht die CSU einen Termin zur Aussprache – und findet keinen. Die Vorstandssitzung für nächste Woche war früh aus Themenmangel abgesagt worden. Nun lud Horst Seehofer die Spitze seiner Partei zu sich nach Hause ein – etliche Damen und Herren lehnten aber dankend ab.

Für Mitte dieser Woche setzte er die Runde in Schamhaupten an. Das kleine Dorf im Altmühltal ist schon prominent, weil Seehofer dort sein Ferienhaus hat. Es ist eine Art bayerisches Castel Gandolfo, ein Sommersitz des Ministerpräsidenten, der lieber dort als in Badehose am Strand seine Ferien verbringt. Bevorzugte Gäste werden ins Ferienhaus geladen, manche Interviews gibt er auf der Terrasse. Wer eingeladen wird, das gut geschützte Heim zu sehen, fühlt sich geehrt. Gäste hoffen auf einen Blick auf den Keller mit der Modelleisenbahn mitsamt der Playmobil-Figur von Angela Merkel.

Gehaltsliste: So viel verdienen Münchens Bosse

Nun allerdings tut sich Seehofer schwer mit einer Einladung: Im Präsidium sagt einer nach dem anderen das Kaffeetrinken aus Termingründen ab, auch für einen Ersatztermin. Stellvertreter Peter Ramsauer fliegt nach Peking. Vize Christian Schmidt meldete sich auf Truppenbesuch in die USA ab. Dort weilt auch Dobrindt. Andere Teilnehmer verzichten unter Verweis auf Podiumsdiskussionen und Badeurlaube. Die Runde schrumpfte. Parteivize Barbara Stamm und Landtagsfraktionschef Georg Schmid immerhin kündigten sich im Altmühltal an.

Dabei gibt es größeren Gesprächsbedarf in der Parteispitze. Von Seehofer steht ja noch die offizielle Mitteilung aus, dass er zur Landtagswahl zu kandidieren gedenkt. Und in der Euro-Rettung hatte Dobrindt Zorn auf sich gezogen, weil er seine Forderung nach Griechenlands Austritt wiederholt hatte. Der Generalsekretär hatte zudem den Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, als „Falschmünzer“ bezeichnet. FDP, Teile der CDU und jene Parteifreunde, die Dobrindt nicht wohlgesinnt sind, kritisierten ihn daraufhin scharf. Merkel bat, die Koalition solle ihre „Worte sehr wägen“.

Derzeit führt die Parteispitze die Euro-Debatte in vielen Telefonaten und über Interviews. Seehofer selbst rückte am Mittwoch ein Stück von seinem Generalsekretär ab. Den Begriff vom „Falschmünzer“, so versprach er in einem „Bild“-Interview (auf seiner Terrasse), werde Dobrindt nicht wiederholen. 

Christian Deutschländer

Auch interessant

Kommentare