Horst Seehofer redet sich seinen Ärger im Fernsehen von der Seele

Seehofers Wutinterview: "Sie können alles senden"

Berlin - Horst Seehofer ist sehr verärgert über das Wahldebakel in NRW. Im Nachgespräch eines ZDF-Interviews fand er deutliche Worte - und sagte dann: "Das können Sie alles senden".

 „Wir sollten etwas nicht schönreden, was nicht schön ist. Das ist die bittere Wahrheit, das war ein Desaster gestern“, sagte Seehofer am Montagabend im ZDF-„heute-journal“ im Interview mit Claus Kleber. Eindringlich forderte Seehofer Konsequenzen für die Arbeit der Koalition in Berlin.

„Meine Antwort ist schlicht darauf, dass wir jetzt nicht so tun, als wäre gestern nichts passiert, sondern wir müssen daraus Konsequenzen ziehen“, sagte der CSU-Vorsitzende. „Ich bin nicht mehr bereit, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir müssen besser werden, auch in Berlin.“ Erneut forderte er ein Treffen der Parteivorsitzenden von CDU, CSU und FDP, um die dringendsten Probleme wie Energiewende, Vorratsdatenspeicherung und Betreuungsgeld zu lösen.

Jubel und Enttäuschung: Die NRW-Wahl in Bildern

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Nach dem offiziellen Interview reden Kleber und Seehofer weiter - die Kameras laufen zwar noch, doch eigentlich ist dieses Nachgespräch nicht für das Publikum bestimmt. Nun redet sich Seehofer seinen Ärger von der Seele: Bundesumweltminister Norbert Röttgen, dem gescheiterten CDU-Spitzenkandidaten in NRW , warf er schwerste Fehler und Versäumnisse vor. „Der Röttgen hat gegen die Frau (SPD-Ministerpräsidentin Hannelore) Kraft mit einem Verhältnis 37 zu 34 Prozent begonnen“, sagte er mit Blick auf die Ausgangsposition. „Und innerhalb von sechs Wochen ist das weggeschmolzen wie ein Eisbecher, der in der Sonne steht.“

Hier geht es zum Video des Interviews im "heute Journal" in der ZDF-Mediathek

Als größten Fehler bezeichnete Seehofer die fehlende Bereitschaft Röttgens, sich auch im Falle einer Wahlniederlage auf Nordrhein-Westfalen festzulegen. Er habe Röttgen gewarnt, dass es nicht dessen private Entscheidung sei, ob er nach NRW gehe oder nicht, das träfe die ganze Union, sagte Seehofer. „Ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die 'Bild'-Zeitung und persönlich hat er mich dann abtropfen lassen.“

Zum Ende des Gesprächs zitiert Kleber nun eine Kollegin, die gesagt hatte, dass bei den voraufgezeichneten Schaltgesprächen immer die Aussagen vor und nach dem offiziellen Interview interessanter wären als das eigentliche Sendematerial. "Das können sie alles senden, was ich hier gesagt habe", sagt Seehofer gleich. Kleber ist erfreut: "Na, das machen wir."

dpa

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