+
Horst Seehofer.

Kommentar 

Seehofers Harakiri im Asylstreit birgt eine große Gefahr

  • schließen

Rücktritt, Rücktrittsmoratorium und Rücktrittsrücktritt: Hinter Innenminister und CSU-Chef Horst Seehofer und dem ganzen Land liegen verrückte Stunden. Ein Kommentar zu den möglichen Folgen.

Eine handzahme, irrelevante Bettvorleger-CSU mag der Traum mancher Leitartikler dieser Republik sein. Für die Parteispitze taugt das nicht als Handlungsmotiv. Der seit 2015 offen ausgebrochene Konflikt um die Flüchtlingspolitik lässt sich nicht ignorieren, ausschweigen, wegkuscheln. Die Union, vor allem die CSU, muss ihn austragen, weil er nicht von alleine verschwindet. Horst Seehofer, 2017 noch der größte Merkel-Annäherer, hat das inzwischen verstanden. (Alle Infos im Asylticker)

Er hat im Kern Recht, wenn die CSU unter seiner Führung eine Entscheidung zur Migrationspolitik, einen Schlussstrich, sucht. Eine Delle in den Umfragen (Wähler schätzen keinen Streit) ist harmloser als der ewige Mühlstein ungelöster Probleme.

Er braucht nun schon ein Wunder...

Die aktuelle Eskalation birgt eine andere Gefahr: Sie ist außer Kontrolle geraten. Es ist nicht harte Linie, sondern Harakiri, wenn ein Parteivorsitzender drei Monate vor der entscheidenden Wahl ohne auch nur einen Pieps Rücksprache mit dem Ministerpräsidenten seinen Rückzug ankündigt. Wenn er in einem wirren Wechsel binnen Stunden Rücktritt, Rücktrittsmoratorium sowie Rücktrittsrücktritt verkündet. Seehofer mag nun mit einem neuen Ansatz heimkehren, seine Autorität intern ist aber angekratzt und die Reaktion des Wahlvolks auf den komplexen Kompromiss völlig offen. 

Lesen Sie auch: Ein Riss geht durch die CSU: Seehofer sorgt mit seinem Stil für massiven Ärger

Er braucht nun schon ein Wunder, um das für seine Partei zum Guten zu wenden. So oder so lädt er enorme Mitverantwortung für jedes Landtagswahlergebnis auf sich.

Lesen Sie auch: ARD-Kommentator rechnet mit Seehofer ab - und empört viele Zuschauer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Live: Weitere Festnahme bei Polizeieinsatz in Straßburg - Scharfschützen sichern deutsche Grenze
In Straßburg gab es am Dienstagabend Schüsse bei einem Weihnachtsmarkt. Mehrere Menschen starben, es gibt zahlreiche Verletzte. Der Täter ist weiter auf der Flucht, nun …
Live: Weitere Festnahme bei Polizeieinsatz in Straßburg - Scharfschützen sichern deutsche Grenze
AfD-Politikerin scheitert erneut bei Wahl zur Bundestagsvize
Berlin (dpa) - Die AfD-Abgeordnete Mariana Harder-Kühnel ist bei der Wahl zur stellvertretenden Bundestagspräsidentin erneut durchgefallen.
AfD-Politikerin scheitert erneut bei Wahl zur Bundestagsvize
Israelische Armee riegelt nach Anschlag Ramallah ab
Nur wenige Tage nach einem blutigen Anschlag im Westjordanland kommt es erneut zu einer tödlichen Attacke eines Palästinensers auf Israelis. Die Armee schließt …
Israelische Armee riegelt nach Anschlag Ramallah ab
Brief aufgetaucht: Weihnachtsmarkt-Attentäter Amri hatte wohl weiteren Anschlag geplant
Im Dezember 2016 raste Anis Amri mit einem Lastwagen auf einen Berliner Weihnachtsmarkt. Jetzt kommen neue Details zu seinen Plänen ans Licht. 
Brief aufgetaucht: Weihnachtsmarkt-Attentäter Amri hatte wohl weiteren Anschlag geplant

Kommentare