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Ein Franke in Lederhosen: Markus Söder soll sich künftig nicht nur um die Finanzen, sondern zudem um die Heimat kümmern – auch von Nürnberg aus.

Drei Superministerien für Bayern

Söder wird Seehofers Mann für die Heimat

München - Es gilt als das gewagteste Projekt des neuen Kabinetts: Horst Seehofer richtet ein Heimatministerium ein – und beruft mit dem Franken Markus Söder ein Schwergewicht.

Sie fürchten sich vor ihrem Chef, deswegen veralbern sie Horst Seehofer nur heimlich. „Heimatmuseum“, verhaspeln sich viele CSUler nicht ganz unabsichtlich, wenn sie hintenrum über das neue „Heimatministerium“ witzeln. Museum, das klingt nach Hirschgeweih an der Wand, nach Volkstümelei und auch ein wenig nach dem ewigen Wettstreit zwischen Franken und Oberbayern.

Mit dem, was Seehofer plant, hat der Spott über den „Staatsminister für Gamsbart“ nur wenig zu tun. Das neue Ministerium sei, wiederholte der Ministerpräsident zuletzt, eines der wichtigsten überhaupt. Es soll sich um den demografischen Wandel kümmern, das Ausbluten der ländlichen Räume bekämpfen, ja sogar die Digitalisierung aller Regionen durchsetzen. Seehofer will den Heimatminister auch zum Chef-Entbürokratisierer machen. „Aufgaben von oben nach unten“ verschieben, nennt er das: Mehr kommunale Selbstverwaltung, weniger Ministerialdiktat.

Dass man dafür ein neues (Teil-)Ministerium gründen muss, sorgte indes schon mehrfach für Heiterkeit. Die Opposition, die von einer „Schnapsidee“ spricht, zitiert besonders gerne den Kabarettisten Helmut Schleich. „Der Seehofer will ein Heimatministerium“, hatte der erstaunt festgestellt – und gefragt: „Ja kümmern die anderen sich denn um Timbuktu?“

Umso ernster war vielen fränkischen Städten, dass Seehofer seine Ankündigung wahrmacht und den Sitz des Ressorts erstmals in Bayerns jüngerer Geschichte nach Nordbayern verlegt. Stapelweise landeten Bewerbungsbriefe von Oberbürgermeistern, auch der SPD, auf Seehofers Schreibtisch. Die Entscheidung am Ende für Nürnberg dürfte ein Kompromiss sein. Seehofer verkauft sie als Strukturhilfe für eine Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit. Söder bekommt gleich zwei Staatssekretäre: Albert Füracker (45) wird gleich fest mit 100 Beamten in Nürnberg stationiert. Der Schwabe Johannes Hintersberger (59) unterstützt den Minister in München.

Denn es ist ja nicht so, dass Söder sonst nichts zu tun hätte. Die Haushaltssanierung allein wäre auslastend, dazu kommen immer noch Nachwehen der Landesbank (ausstehende Rückzahlungen der Staatshilfen und Klagen der Hypo Group Alpe Adria). In Karlsruhe läuft die Klage gegen den Länderfinanzausgleich, unabhängig davon muss die Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern vorbereitet werden. Außerdem ist Söder beliebter Gast im ganzen Bundesgebiet und in sämtlichen Talkshows.

Denn Söder ist ein guter Rhetoriker – und ein begnadeter Verkäufer: In jeder Fußgängerzone würde er beim Verkauf von Kartoffelschälern oder Gurkenhobeln Rekorde brechen. Jetzt soll er die „Heimat“ verkaufen, die die CSU gerne auf ihre Fahnen schreibt. Wie’s funktioniert, hat er bereits als Chef der Schlösserverwaltung demonstriert. Mit viel Geld: Die Venusgrotte in Linderhof, schwärmte er jüngst, sei „Stein gewordener Traum des Märchenkönigs“.

von Mike Schier und Christian Deutschländer

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