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Der „IntB“ will Landrat werden: Martin Neumeyer. dpa

Martin Neumeyer

Seehofers Türken-Versteher will zurück aufs Land

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Kelheim - Martin Neumeyer ist in seinem Amt als Integrationsbeauftragter angekommen – jetzt will er aber was anderes werden.

2009 gab der weithin unbekannte Hinterbänkler Martin Neumeyer einer großen Zeitung sein erstes Interview als Integrationsbeauftragter. Schon die Einstiegsfrage sagte viel. Einsatz für Integration? Ob er da nicht in der falschen Partei sei? Neumeyer, CSUler aus dem vorderen Niederbayern, antwortete tapfer: Ja, vor ein paar Jahren hätte man das noch glauben können, „aber die CSU hat sich entwickelt“.

Heute klingt das fast ein bisschen komisch, weil sich alles noch viel schneller entwickelt hat. In der CSU reden sie derzeit kaum über anderes als Migration und Integration, die Themen, mit denen Martin Neumeyer einst als Partei-Exot dastand. Und der Niederbayer bewirbt sich um einen der schönsten Fürsten-Jobs, für die man als CSUler in der tiefschwarzen Provinz antreten kann: als Landrat. Am Sonntag wählt das bisher von einem Freien Wähler geführte Kelheim, Neumeyer gilt als klarer Favorit.

Damit könnte die Landespolitik-Karriere dieses ungewöhnlichen Abgeordneten in ein paar Wochen enden. Als hauptberuflicher Landrat darf Neumeyer ja nicht im Landesparlament bleiben. Manche Parteifreunde, die sich früher fragten, was dieser Typ in der CSU sucht, könnten ihn vermissen.

Tatsächlich hat der 61-Jährige das 2009 geschaffene Amt des Integrationsbeauftragten recht kreativ ausgefüllt. Er startete mit dem Anspruch, Ombudsmann zu sein für Migranten, lernte Türkisch, las den Koran, stapfte barfuß durch Moscheen, verteilte bunte Integrations-Gummibärchen ohne Gelatine. Ihm trug das oft den Vorwurf ein, der schwarze Weichspüler zu sein, der Alibi-Türkenversteher. In Zeiten der Flüchtlingskrise hagelt es Beschimpfungen, sogar Morddrohungen von ganz rechts. Dabei rückte auch er in den vergangenen Monaten andere Schwerpunkte in den Vordergrund: Neumeyer fordert Integration ein, spricht über Grenzen und Begrenzung. Strikt gegen Multi-Kulti oder den türkischen EU-Beitritt war er immer schon.

Ministerpräsident Horst Seehofer war mit der Interpretation des Jobs jedenfalls zufrieden. Beide kennen sich lang. Er schätzt am Niederbayern seine Loyalität (etwa nach Seehofers Rücktritt als Bundespolitiker) und seine dosierten Widerworte. Vor einem Jahr holte Seehofer die Stelle und den kleinen Stab vom Sozialministerium direkt zu sich in die Staatskanzlei. Es ist zwar noch immer kein dick dotierter Posten, kaum Prestige, kein 7er-BMW, aber nun eben in der Regierungszentrale. Mit gutem Willen könnte man es einen Mini-Staatssekretär nennen.

Klar: Landrat zu sein, ein Regionalfürst ohne Chef und ohne tägliche Pöbel-E-Mails, ist eine Spur attraktiver. Der Job passt auf den bodenständigen Neumeyer. „Es klingt vielleicht abgeschmackt – aber näher am Menschen als er geht fast nicht“, sagt eine Weggefährtin. Unbequem sei er, aber nahbar, daheim auch mal „ein Gaudibursch“. Seehofer unterstützt die Kandidatur, trat diese Woche auch selbst in Kelheim auf.

Offen ist, wer dann Integrationsbeauftragter wird. Seehofer will den Wahlabend abwarten. In der Fraktion wird geraunt, vielleicht führe Neumeyer das Amt ja bis Ende 2017 fort. Falls nicht, könnte aus der Fraktion Michaela Kaniber, selbst mit Migrationshintergrund, nachrücken. Genannt wird auch Markus Blume. Der muss sich jedenfalls nicht nach der Partei fragen lassen: Blume schrieb jüngst das neue Grundsatzprogramm der CSU. Es schlägt etwas schärfere Töne an als Neumeyer.

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